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Mit viel Mut, Herz und Haltung an der Spitze der HTBLA Traun

David Ramaseder, 05.03.2026 10:58

TRAUN. Am Weltfrauentag feiert sie nicht nur ein gesellschaftliches Anliegen, sondern auch ihren eigenen Geburtstag: Doris Riha wird am 8. März 55 Jahre alt. Die Direktorin der HTL Traun lebt am Linzer Pöstlingberg, ist verheiratet mit Christian (65) und Mutter einer Patchworkfamilie mit fünf Kindern – Matthias (26), Anna (25), Sandra (17), Christina (16) und Bonustochter Daniela (38). Seit 2013 steht sie an der Spitze eines reinen IT-Standorts.

HTL-Direktorin Doris Riha setzt sich mit Überzeugung dafür ein, dass Technik auch weiblich ist. (Foto: privat)

Tips: Frau Direktorin, Sie leiten die HTL Traun seit 2013. Wie kam es dazu?

Doris Riha: Ehrlich gesagt: aus einer Not heraus – das möchte ich nicht näher erläutern. Aber es gab noch einen zweiten, sehr persönlichen Grund. Ich habe drei Töchter und wollte ihnen ein Vorbild sein. Ich wollte ihnen vorleben, dass man sich als Frau alles zutrauen darf, auch wenn man es nicht geplant hat. Dass man seiner inneren Stimme folgen und mutig sein soll.

Tips: Frauen an der Spitze einer HTL waren damals eher selten. Wie waren die Reaktionen?

Riha: 2013 war das tatsächlich noch eine Seltenheit, heute gibt es zum Glück schon einige Direktorinnen. Meine Kolleginnen und Kollegen – ich war ja bereits Lehrerin an der HTL Traun – waren dankbar, dass ich mich beworben habe. In meiner Familie gab es auch skeptische Stimmen. Aber meine älteste Tochter und mein Sohn fanden es „cool“, ebenso meine besten Freundinnen.

Tips: Was konnten Sie in den vergangenen Jahren bewegen?

Riha: Wir haben neue Schwerpunkte etabliert. Vor mehr als zehn Jahren waren wir die erste HTL in Oberösterreich mit einer Spezialisierung auf IT-Security. Seit damals kooperieren wir eng mit der FH Oberösterreich Campus Hagenberg, Department Sichere Informationssysteme. Außerdem ist es uns gelungen, den Mädchenanteil deutlich zu steigern.

Tips: Wie groß ist die Schule heute?

Riha: Wir haben rund 45 Lehrkräfte und etwa 330 Schülerinnen und Schüler, rund zehn Prozent davon sind Mädchen. Wir sind ein reiner IT-Standort. Unsere Schwerpunkte liegen in der Höheren Abteilung bei IT-Sicherheit und Sicherem Informationsmanagement, in der Fachschule bei Medientechnik und Vernetzten Systemen.

Tips: Technik galt lange als „Burschendomäne“. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Riha: Wir haben den Mädchenanteil in den letzten Jahren verdoppelt, dennoch sind es insgesamt noch zu wenige. Ich fürchte, dass der Gedanke, Technik sei nur etwas für Burschen, immer noch vorhanden ist. Dabei müsste man viel stärker auf individuelle Begabungen achten – schon im Elternhaus. Wenn man Kinder früh beobachtet, erkennt man meist gut, wo ihre Interessen liegen.

Tips: Welchen Rat geben Sie Jugendlichen bei wichtigen Bildungsentscheidungen?

Riha: Erstens: Du triffst keine Entscheidung für dein ganzes Leben. Bildung und Entwicklung sind lebenslange Prozesse. Zweitens: Nur du selbst weißt, wofür dein Herz schlägt. Das ist dein Weg – und jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Tips: Was fasziniert Sie persönlich an der Technik?

Riha: Ich bringe als Allgemeinbildnerin vermutlich andere Perspektiven ein. Schon als Kind habe ich mich gefragt, wie das Gehirn eines Menschen aussehen muss, der ein Telefon oder einen Motor entwickelt. Heute staune ich, wie winzig Bauteile in einem Smartphone sind – und was man damit alles machen kann.

Tips: Wo liegen Ihrer Meinung nach weibliche Stärken in der Technik?

Riha: Neugier, Kreativität und oft ein anderer Blickwinkel. Gerade dieser andere Zugang kann zu neuen Lösungen und Entwicklungen führen.

Tips: Was geben Sie speziell Mädchen mit?

Riha: Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel. Es gibt nichts, das ihr euch nicht zutrauen dürft. Fehler sind Helfer und ständige Begleiter unseres Lebens. Sie sichern Weiterentwicklung. Habt keine Angst davor – feiert sie.

Tips: Wofür machen Sie sich stark?

Riha: Dass der Mensch zählt, nicht das Geschlecht. Wer Engagement zeigt, wer bereit ist, sich weiterzuentwickeln, wer offen für Ideen anderer ist und das Ziel im Fokus behält, soll am Ende auch ganz oben auf der Treppe stehen dürfen.

Tips: Erkennen Sie ein gesellschaftliches Umdenken?

Riha: Leider nicht flächendeckend. Es gibt noch immer Mädchen, die gar nicht wissen, was eine HTL ist oder was man dort lernt, weil ihnen nur traditionelle Wege gezeigt werden. Technik sollte selbstverständlich für alle offen sein.

Tips: Ihr persönlicher Leitsatz?

Riha: „Stand up for what you believe in, even if you’re standing alone.“

Tips: Und was möchten Sie zum Weltfrauentag noch sagen?

Riha: Mut entsteht im Tun. Man muss nicht alles von Anfang an können oder wissen. Wichtig ist, loszugehen. Gerade Mädchen sollten sich erlauben, groß zu denken – und ihren Platz selbstverständlich einzunehmen. Technik braucht Vielfalt. Und unsere Gesellschaft auch.


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