„Ein Jubiläum, das man sich gerne erspart hätte“ - ein Jahr Corona-Pandemie in OÖ

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Karin Seyringer Karin Seyringer, Tips Redaktion, 04.03.2021 14:51 Uhr

OÖ. Am 5. März 2020, morgen vor einem Jahr, wurde in Oberösterreich der erste Corona-Fall bestätigt. Ein Jubiläum, das man sich auch in Oberösterreich gerne erspart hätte. Das Land zog Bilanz.

Landeshauptmann Thomas Stelzer, seine Stellvertreterin Christine Haberlander, Primar Bernd Lamprecht (Vorstand der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Uniklinikum) sowie die Leiterin des Krisenstabes des Landes OÖ Carmen Breitwieser zogen Bilanz zu einem Jahr Corona in OÖ, „ein Jahr, dass das Leben ordentlich auf den Kopf gestellt hat - in allen Bereichen“, so Landeshauptmann Stelzer.

Oberösterreich und die ganze Welt sei von vielen Dingen überrascht worden, weil man nicht vorbereitet gewesen sei – sei es das Thema der fehlenden Schutzausrüstung, das „über Nacht“ hereingebrochen sei, die Umorganisation der Spitalsleistungen aber zum Beispiel auch die Umstellung in den Schulen.

„Vor gut einem Jahr hatten wir den ersten Fall, das war von großer Nervosität geprägt, wir wussten noch wenig über das Virus. Heute können wir sagen, dass wir viel gelernt haben, aber es noch viel zu lernen gibt“, so auch LH-Stellvertreterin Haberlander. Es sei klar gewesen, „dass wir einen langen Atem brauchen und auch heute nicht sagen können, wir sind schon am Ziel. Wir haben in den letzten zwölf Monaten gelernt, dass wir die Gesundheit schützen müssen - die Gesundheit der Oberösterreicher, aber auch die Gesundheitseinrichtungen selbst. Und wir haben gelernt, dass es die Verantwortung jedes Einzelnen ist, das auch zu tun. Wenn man sich auf das System verlassen will, muss man dieses auch selbst schützen.“

„Schauen auf Existenzen“

„Unser Ziel war und ist, einerseits die Gesundheit zu schützen und gleichzeitig die Arbeitsplätze im Land zu sichern. In Oberösterreich wurde deshalb nicht nur auf Inzidenzen geschaut, sondern vor allem auf Existenzen“, so Stelzer. Es sei eine Gesamtherausforderung, in der es um alle Gesellschaftsbereiche bis hin zum Einkommen und Arbeitsplätzen gehe. „Wir haben zwar nach wie vor die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer, das tröstet aber nicht, sondern ist eine große Herausforderung.“

Stelzer verweist auf Maßnahmen durch das Land OÖ zum Schutz der Gesundheit, aber auch der Wirtschaft, „die uns nicht nur lange begleiten werden, sondern auch lange finanziell fordern werden.“ Er nennt das 580 Millionen Euro OÖ-Paket, das 344 Millionen Euro Gemeindepaket, den OÖ Corona-Härtefonds für Arbeitnehmer, den Oberösterreich-Plan mit Volumen von 1,2 Milliarden Euro und mehr.  

Situation in Spitälern: zweite Welle 22 Mal so stark

Seit 1. März 2020 mussten in OÖ über 7.500 Personen aufgrund von Corona im Spital behandelt werden, 900 davon (zwölf Prozent) benötigten ein Intensivbett. „Die zweite Welle hat die Spitäler viel mehr gefordert, mehr als 22 Mal so viele Patienten waren hier im Spital als bei der ersten Welle, 17 Mal so viele benötigten ein Intensivbett“, erläutert Haberlander.

Der Höhepunkt in OÖ war am 1. Dezember mit 152 belegten Intensivbetten, „hier waren wir wirklich an der Grenze“, so die Gesundheits-Landesrätin. Das Durchschnittsalter jener Personen mit Corona im Spital lag bei 68 Jahren.

Mit Stand 4. März sind 21 Intensivbetten belegt, „aber das ist keine Situation, wo wir uns zurücklehnen können.“

Jüngstes Todesopfer 27 Jahre

1.522 Oberösterreicher sind bis dato an oder mit Corona verstorben. Zwar seien die Todeszahlen nicht in dem Umfang eingetreten wie zu Beginn befürchtet, „aber mehr als 1.500 Tote in Oberösterreich mahnen weiter zur Vorsicht“, so Primar Lamprecht. „Bei diesen Personen geht man davon aus, dass die Covid-Erkrankung letztendlich für den vorzeitigen Tod verantwortlich ist, das ist aber nie mit einer Trennschere zu beantworten, weil viele auch Vorerkrankungen hatten.“

Die älteste verstorbene Person in OÖ war 103 Jahre alt, die jüngste erst 27. Eine 106 Jahre alte Person konnte allerdings auch wieder genesen aus dem Spital entlassen werden.

Bei den Infektionszahlen in OÖ war der Höchststand bei 2.554 neuen positiv getesteten Personen innerhalb 24 Stunden, aktuell liegt OÖ bei etwas über 400. „Das ist zwar bei weitem ein geringeres Niveau, aber das sind trotzdem hohe Zahlen.“

„Unfreiwilliger Stresstest“ für Gesundheitssystem 

„Im November und Dezember 2020 haben wir einen unfreiwilligen Stresstest für das Gesundheitssystem und die Mitarbeiter des Gesundheitsbereichs erlebt und die Grenzen der Belastbarkeit kennengelernt. Von der gefürchteten 'Triage', also der Entscheidung, wem noch eine Intensivbehandlung angeboten werden kann und wem diese Möglichkeit nicht mehr offen steht, waren wir tatsächlich nur noch einen kleinen Schritt entfernt“, so Lamprecht weiter. „Wir wollen so eine Welle, solche Zahlen wie im Herbst nicht mehr sehen.“

Ein Jahr Corona – die Zahlen

  • Seit Beginn der Corona-Krankheit wurden mehr als zwei Millionen Corona-Tests allein in Oberösterreich durchgeführt (552.588 PCR und 1.779.546 Antigen).
  • Insgesamt wurden 87.365 Oberösterreicher positiv auf das Virus getestet. Das entspricht einer Positiv-Rate von vier Prozent.
  • Der Altersdurchschnitt der Oberösterreicher, die positiv auf Corona getestet wurden, beläuft sich auf rund 44 Jahre.
  • Zum Höhepunkt am 14. November befanden sich mehr als 41.000 Oberösterreicher in Quarantäne.
  • Seit 1. März wurde in OÖ 310.000 Mal bei der Nummer 1450 angerufen, im März 2020 wurden täglich mehr als 2.000 Anrufe abgewickelt.
  • Ein Jahr Corona kostete allein an Schutzausrüstung für Oberösterreich mehr als 73 Millionen Euro. Beschafft wurden 5,5 Millionen OP-Masken, über 3 Millionen Antigen-Tests, 10 Millionen FFP2-Masken, 70 Millionen Untersuchungshandschuhe und knapp 515.000 Liter Desinfektionsmittel.
  •  Allein im Contact-Tracing-Pool waren zum Höchststand 174 Vollzeitäquivalente im Einsatz.
  • In den Krisenstäben auf Landesebene und in den Bezirkshauptmannschaften sind aktuell mehr als 590 Vollzeitäquivalente zusätzlich zum bestehenden Personal im Einsatz.

Auch die Polizei war in OÖ stark gefordert:

  • Sperrzeiten-Übertretungen wurden 109.499-mal kontrolliert, dabei wurden 809 Anzeigen erstattet.
  • Nichteinhaltung der Maßnahmen im Privaten etwa Garagenpartys wurden 250 Mal zur Anzeige gebracht.
  • 2.361 Organmandate wurden aufgrund von Missachtungen der Maskenpflicht oder des nötigen Sicherheitsabstandes ausgestellt.
  • 263 Anzeigen gab es wegen Missachtungen der Quarantäneauflagen.

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