Einsamkeit und mentale Belastung: Nachwirkungen von vier Semestern Online-Uni

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Marlis Schlatte Tips Redaktion Marlis Schlatte, 13.05.2022 13:51 Uhr

LINZ. Vier Semester im Distance Learning - Studenten, die fast einen ganzen Bachelorstudiengang lang ihre Studienkollegen nicht kennenlernen konnten, genießen seit diesem Semester wieder die Rückkehr an den Campus. Doch spurlos gingen die zwei vergangenen Jahre nicht vorbei. Die ÖH JKU ermittelte gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut IMAS in einer Studie die derzeitige Stimmung der Studenten sowie die Nachfolgen der Krisenzeit.

Soziale Kontakte an der Universität zu knüpfen war in den letzten vier Semestern nicht gerade einfach. Alleine zuhause vor dem Computer zu sitzen und sich nicht persönlich miteinander austauschen zu können, ließ auch die psychische Gesundheit der Studenten nicht ganz unberührt. „Der fehlende Austausch am Campus während den Lockdowns hatte verheerende Folgen für das Sozialleben der Studierenden. Nach vier Semestern abseits von Uni- und Campusleben braucht es dringend eine wirksame Unterstützung für die psychische Gesundheit der Studierenden“, fordert Vanessa Fuchs, ÖH-Vorsitzende der JKU.

Rückläufige Zufriedenheit

Paul Eiselsberg, Research Director der IMAS International, präsentierte die Ergebnisse der Umfrage. Diese wurde als Online-Befragung durchgeführt, wobei etwa 1.900 der insgesamt 26.500 Studierenden teilnahmen. Die Umfrage lief von Mitte Jänner 2022 bis Mitte Februar 2022. Auch wenn die Umfrage keine repräsentativen Ergebnisse liefert, aufgrund der zu geringen Teilnehmeranzahl im Vergleich zur Anzahl der Studierenden, so können durch die ähnliche Verteilung, etwa des Geschlechts, Alter usw., im Vergleich zur Gesamtverteilung, doch Schlüsse gezogen werden.

Die allgemeine Zufriedenheit der Studenten sei im Vergleich zu den beiden Vorjahren leicht rückläufig, aber dennoch auf einem hohen Niveau. Etwa ein Viertel sind sehr zufrieden, drei Fünftel sind eher zufrieden. „Auffällig ist, dass die Zufriedenheit mit der Dauer des Studiums weiter abnimmt“, so die ÖH-Vorsitzende. 88 Prozent der Studierenden unter 20 geben an, dass sie mit der JKU im Allgemeinen zufrieden sind, bei den über 30-Jährigen hingegen nur 82 Prozent.

Erfolge nicht wie gewünscht

Die Herausforderungen lagen bei den Studenten vor allem im Aufbau sozialer Kontakte, in der Unplanbarkeit der Kurse und Prüfungen sowie im häufigen Wechsel von Präsenz- zu Online-Studium. Im Lernverhalten bemerkten die Studenten die enorme Veränderungswirkung der Krise; viele beklagen eine große Belastung und konnten geringere Erfolge erzielen, wie erhofft. In den Studiengängen direkt gab es für die Studenten große Herausforderungen im Bereich der Organisation, der zeitlichen Auswahl von Lehrveranstaltungsterminen und in Bezug dazu im Zeitmanagement.

Handlungsbedarf seitens der ÖH

Für die ÖH gilt es nun, die Bedürfnisse und Erwartungen der Studenten wahrzunehmen und darauf einzugehen. Die an der Umfrage teilgenommenen Studenten sehen Handlungsbedarf seitens der ÖH im Bezug auf die Möglichkeiten zum Kennenlernen der Studienkollegen sowie auf die Wahrung des Präsenz-Unterrichtes. Außerdem wüschen sie sich eine bessere Aufteilung der Prüfungen im Semester und mehr Angebote für Lehrveranstaltungen am Abend. Die Studie zeigte außerdem, dass es in der Vermittlung von Informationen seitens der ÖH noch Luft noch oben gibt. Viele Studierende wissen nicht, welche Angebote und Services die ÖH anbietet. „Aufgrund der Situation der letzten beiden Pandemie-Jahre, waren wir gespannt, was bei der Befragung herauskommen wird. Die vier Semester sind nicht spurlos an den Studenten vorbei gegangen. Fast ein ganzer Bachelor-Studiengang kennt seine Studienkollegen nicht. Dabei ist es wichtig gemeinsam Dinge zu lernen, zu diskutieren und gemeinsam etwas zu erarbeiten“, erläutert Fuchs.

Aufstockung der psychologischen Beratung

Die ÖH will deshalb neben den wieder laufenden Mensafesten und dem kommenden ÖH Sommerfest für alle Studierenden, auch ein Mentoring-Programm anbieten, um die Studienkollegen aus den eigenen Reihen besser kennenzulernen. Ein Fokus soll vor allem auch auf die Unterstützung der mentalen Gesundheit gelegt werden, die aufgrund der Einsamkeit im Online-Unterricht einer starken Belastung ausgesetzt war. Bei der Befragung gaben 67 Prozent der Studierenden an, dass sie ihre Mitstudierenden kaum kennen, 58 Prozent dass sie unter der Belastung der Corona-Pandemie leiden und antriebslos sind.Die ÖH fordert daher, dass das Angebot der psychologischen Studierenden-Beratung aufgrund der steigenden Nachfrage aufgestockt werden soll. Bis dahin sollen betroffene Studenten mit bis zu 500 Euro aus dem eingerichteten „Mental Health Fond“ für private psychologische Beratungsstunden unterstützt werden.

Situation im Herbst

Wie die Pandemie-Situation im Herbst sein wird, steht noch in den Sternen. Für die Planungssicherheit der Studenten fordert die ÖH jedoch schon jetzt das Erstellen von Konzepten. Es solle später nicht aus der Situation heraus gehandelt werden, sondern geplant und vorbereitet das Wintersemester abgehalten werden. „Wir und das Rektorat sind uns einige, dass die Kurse in Präsenz bleiben sollen - solange es die Situation natürlich erlaubt. Es müssen Konzepte erarbeitet werden, damit wir wissen, auf was wir uns einstellen müssen und auf alle möglichen Situationen vorbereitet sind“, so die Vorsitzende der ÖH JKU.

Außerdem will die ÖH auch in Zukunft auf die Vorteile der Digitalisierung, die aus der Krisenzeit hervorgegangen sind, plädieren. Vor allem für jene Studenten, die nebenbei berufstätig sind oder längere Strecken hinter sich legen müssen, um an die Uni zu kommen, sind teilweise auch Online-Lehrveranstaltungen von Vorteil. Hier wolle in zwei Schienen gedacht werden und auch auf diese Studenten Rücksicht genommen werden.

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