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LINZ. Innerhalb eines Jahres schließt bald die vierte Ordination im Linzer Süden. Der Appell der Linzer Stadtpolitik: „Ärztekammer und Gesundheitskasse müssen jetzt an einen Tisch, um attraktive Stellen anbieten zu können.“

Immer weniger Ärzte wollen Einzelordinationen betreiben. Auch Linz spürt diese Entwicklung. (Foto: Erwin Wodicka)

Erst kürzlich wurde bekannt, dass ab 1. Oktober die Kinderarztordination in der Glimpfingerstraße schließen wird. Eine Nachfolge ist bislang offenbar nicht in Sicht. Damit wird innerhalb eines Jahres die vierte Ordination im Stadtgebiet zwischen Spallerhof und Jauckerbauch ihre Leistungen einstellen. Für den Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml eine alarmierende Entwicklung: „Mittlerweile ist es immer schwieriger, einen Hausarzt zu finden, der neue Patienten aufnimmt.“ Raml fordert daher: „Ärztekammer und Gesundheitskasse müssen endlich an einen Tisch, um zeitgemäße Arbeits- und Entlohnungsmodelle auszuarbeiten. Die Realität zeigt, dass sich eine veränderte Work-Life-Balance in der Arbeitswelt abzeichnet. Diese Entwicklung macht auch vor Medizinern keinen Halt, daher sind neue Kassenverträge und Arbeitsmodelle mit mehr Flexibilität und tatsächlicher Leistungsabgeltung überfällig.“

„Primärversorgungszentren ermöglichen“

Angesichts des Umstandes, dass immer weniger Ärzte Einzelordinationen betreiben wollen, unterstreicht der Gesundheitsstadtrat die Forcierung von Primärversorgungszentren. Bisher gibt es zwei in Linz – am Domplatz und in der Grünen Mitte. Raml fordert von Gesundheitsminister Rauch, die Errichtung und den Betrieb von Primärversorgungszentren (PVZ), wie sie im Süden gebraucht werden, zu erleichtern und bürokratische Hürden abzubauen: „Ärzte sollen Mediziner sein können.“

„Rücklagen zurückgeben“

Landtagspräsident Peter Binder, Linzer Abgeordneter und Gesundheitssprecher der SPÖ, hält einen Runden Tisch grundsätzlich für begrüßenswert: „Wir haben Ähnliches schon öfter im Landtag gefordert, weil die Politik und dort die zuständige Gesundheitsreferentin Haberlander hier mehr Verantwortung übernehmen müsste. Freilich fanden wir dabei bislang nie die Unterstützung der Landespartei des Gesundheitsstadtrats, ich hoffe, dass sich das ändert. Ändern muss sich auch die Kompetenzverteilung in der Krankenversicherung: Es braucht eine Landesgesundheitskasse für Oberösterreich inklusive demokratischer Selbstverwaltung und eine Rückgabe der rund 500 Millionen Euro Rücklage der früheren Gebietskrankenkasse. Mit der Zuständigkeit für Oberösterreich und der Steuerung durch die Beitragszahler lassen sich bessere Vertragsbedingungen schaffen, die Praxisübernahmen für Haus- und Kinderärzte leichter und attraktiver machen.“

„Kinderarzt dringend nötig“

ÖVP-Vizebürgermeister Martin Hajart hat mit seiner Fraktion Unterschriften für nötige Kinderärzte im Linzer Süden gesammelt: „Wir werden in der Frage auch nicht nachlassen, der Ball liegt bei der Gesundheitskasse, das Land gibt lediglich Zuschüsse.“ Auch Hajart will die Rücklagen einsetzen, um attraktive Stellen im Linzer Süden anbieten zu können: „Es gibt eine neue Kinderarzt-Gruppenpraxis in der Innenstadt, ich hoffe, dass hier die Kinderarzt-Stelle vom Süden dafür nicht verwendet wurde.“


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