„Es gibt in Linz Mehrheiten für Mitte-Links“
LINZ. Seit 2015 im Gemeinderat, schlug der 41-jährige Helge Langer im März ein neues politisches Kapitel auf, indem er Ursula Roschger als Klubchef der Linzer Grünen folgte. Mit Tips sprach er über seine ersten 100 Tage in dieser Funktion.

„Mit der Klubobmannschaft kam Koordination mit eigenen Mandatarinnen und politischen Mitbewerbern hinzu, dazu muss man größere Übersicht über die Themen haben“, zieht der gebürtige Salzburger erste Bilanz. Seinen Zivilberuf gab der Informatiker nicht ganz auf: „Das sollte man auch so machen, weil man die wesentlichen Fragen, um die es geht, besser beantworten kann.“
„Aus für Rot-Blau kam zu spät“
Die politischen Umwälzungen der vergangenen Wochen haben sich auch auf Linz ausgewirkt. Der Nationalratswahl im Herbst sieht man bei den Grünen zuversichtlich entgegen. „Das Ergebnis 2017 hat uns auch in Linz beschäftigt, von dem atmosphärischen Loch haben wir uns aber schnell erholt, wir haben die Veränderung von innen heraus gut geschafft.“
Die Ibiza-Affäre brachte vielmehr Themen an die Oberfläche, die Helge Langer schon lange beschäftigen: „Schon vor Ibiza hatte die FPÖ das Problem mit den Identitären, von denen man sich nicht abgrenzen wollte oder konnte. Ähnlich auch in Linz, wo sich die SPÖ des Machterhalts wegen zu wenig von der FPÖ abgegrenzt hat.“ Die Entscheidung des Bürgermeisters, die Koalition „aufzukündigen“, sei zwar richtig gewesen, wäre aber viel zu spät gekommen, so Langer: „Das war quasi das Notprogramm.“
Das ausgerufene „freie Spiel der Kräfte“ werde auch im Linzer Gemeinderat am 4. Juli genau beobachtet. „Ich glaube, es gibt in Linz Mehrheiten für Mitte-Links für gesellschaftspolitische Initiativen, hier gilt es, aktiv einige Sachen umzusetzen.“
Seine Herangehensweise an eine „linke Kommunalpolitik“ beschreibt der 41-Jährige dabei so: „Auch die gesellschaftliche und soziale Mitte soll die Erkenntnis haben, dass ihre eigene Lebensqualität davon abhängt, wie es den Schwächsten in der Gesellschaft geht. Das ist kein karitatives Verhalten, da geht“s um die eigene Lebensqualität, ein Gegenentwurf zu dem, dass man gegenüber der schwächeren Schicht nur nach unten tritt.“
Zukunftsthema Grund- und Bodenpolitik
Langers Grundsatz: Den Menschen, die es schwerer haben, muss auch eine Teilnahme am Stadtleben, den Einrichtungen, der Infrastruktur gegeben werden. „Dafür gibt es Instrumente wie den Aktivpass, die man erhalten muss.“
Zentrales Thema für Langer ist neben den Umwelt- und Verkehrsthemen die aktive Grund- und Bodenpolitik: „Ich würde ja als Stadt hergehen und aktiv Grundstücke kaufen, um mehr Grund und Boden im öffentlichen Eigentum zu haben. Damit schaffe ich Gestaltungsfreiheit, ich kann für leistbares Wohnen sorgen und auch Investoren Bedingungen vorgeben. Dafür gibt es auch gute Vorbilder wie Innsbruck. Auch der Grüngürtel ist an allen Stellen notwendig, wo es ihn noch gibt. Das haben auch die engagierten Linzer Bürger selbst erkannt.“


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