Mauerkirchner spricht über Corona in Brasilien

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Alexander Kobler Alexander Kobler, Tips Redaktion, 19.05.2020 07:43 Uhr

MAUERKIRCHEN/SAO PAULO. Stefan Nemetz aus Mauerkirchen lebt und arbeitet seit 15 Jahren in der brasilianischen Millionenmetropole Sao Paulo. Er ist dort am Außenwirtschafts-Center tätig, das mit dem Österreichischen Generalkonsulat zusammenarbeitet. Das südamerikanische Land ist von der Corona-Krise besonders gebeutelt. Im Tips-Interview spricht der 44-Jährige über die Situation vor Ort.

Tips: Herr Nemetz, zunächst einmal die Frage, wie geht es Ihnen und wie stellt sich die Corona-Lage in Brasilien dar?

Stefan Nemetz: Mir und meiner Familie geht es soweit gut. Mittlerweile hat das Land bereits 14.000 Tote und 200.000 Fälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu beklagen. Allerdings wird in Südamerika im Vergleich zu Europa viel weniger getestet, weshalb die Dunkelziffer der Infektionen ein Vielfaches der offiziellen Zahlen betragen dürfte. In einigen Städten sind die Intensivbetten bereits überfüllt.

Tips: Was macht der brasilianische Präsident Bolsonaro in dieser kritischen Situation?

Nemetz: Er vergrößert die Krise, indem er das Virus zunächst als kleine Grippe bezeichnet, dann das nicht auf Wirksamkeit gegen Covid-19 getestete Malariamedikament Hydroxychloroquin als Wunderwaffe anpreist und in den letzten Wochen auch noch Gesundheitsminister Mandetta und Justizminister Moro rausgeschmissen hat. Er wettert auch ständig gegen die Quarantänemaßnahmen, ruft zu Protestkundgebungen auf und streitet mit fast allen politischen Akteuren, was die Situation zusätzlich verschlimmert. Deshalb wurden zuletzt auch wieder Rufe nach seiner Absetzung laut und jeden Abend schlagen verärgerte Brasilianer mit Besteck auf Töpfe, um so ihren Frust abzubauen.

Tips: Wie gehen die Brasilianer generell mit der aktuellen Situation um?

Nemetz: Viele Leute haben keine finanziellen Reserven und leben auf engstem Raum mit zahlreichen Familienangehörigen zusammen, weshalb der Druck bald wieder arbeiten zu gehen täglich steigt. Die Lage ist zwar momentan noch nicht so schlimm wie in Italien oder Spanien, aber es gibt eine mehrwöchige Verzögerung zu den europäischen Ländern oder auch den USA. Deshalb lässt sich derzeit auch nicht abschätzen, wann in Brasilien der Höhepunkt der Epidemie sein wird.

Tips: Inwieweit beeinflusst die Krise Ihren täglichen Ablauf?

Nemetz: Wir, meine Frau Lilian, meine Tochter Isabella und ich sind seit 16. März zuhause. Meine Frau ist Ärztin und arbeitet mehrmals die Woche im Krankenhaus, viele Termine kann sie auch über Telemedizin wahrnehmen. Arbeitstechnisch sieht es bei mir so aus, dass ich Homeoffice mit Videokonferenzen, Telefonaten und Webinaren mache. Die Schulen haben teilweise die Ferien bereits vorgezogen, aktuell hat meine Tochter Online-Unterricht. Spaziergänge sind hier erlaubt, allerdings ist beispielsweise das Baden gehen an den Stränden verboten, was auch von Polizeikräften kontrolliert wird.

Tips: Auf was freuen Sie sich nach der Krise am meisten?

Nemetz: Einerseits die Möglichkeit wieder Freunde zu treffen und das insbesondere auswärts in den Restaurants oder Cafés. Mittelfristig freue ich mich natürlich auch wieder nach Europa reisen zu können und meine Verwandten zu treffen. Zwar sind die Flugverbindungen von Brasilien in eingeschränktem Maße noch aufrecht, aber es wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis der frühere Normalzustand wieder hergestellt ist.

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