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MÜNZKIRCHEN. 349 Asylwerber absolvieren eine Lehre in Mangelberufen in oberösterreichischen Betrieben. Einer davon ist Jawid Naaimi aus Afghanistan, der im Jänner 2018 eine Friseurlehre bei Ingeborg Salletmayr aus Münzkirchen begonnen hat. Im März, an seinem 20. Geburtstag, kam dann die große, leider negative, Überraschung: Sein Asylantrag wurde abgelehnt.

Ingeborg Salletmayr und ihr Lehrling Jawid Naaimi hoffen, dass der junge Afghane in Österreich bleiben darf. Foto: EAuinger

Bei der Lehrlingsmesse 2017 hoffte Ingeborg Salletmayr einen Lehrling für ihren Friseursalon zu finden. Unter den vielen Jugendlichen aus den Schulen des gesamten Bezirks zeigte allerdings niemand Interesse. Einziger Bewerber war der Asylwerber Jawid Naaimi. Die Friseurmeisterin wollte dem jungen Afghanen eine Chance geben.

Mangelberuf Friseur

„Ich bin an diesem Tag gleich noch zum Stand des AMS gegangen und habe mich erkundigt, ob Jawid überhaupt bei mir arbeiten dürfe. Dort habe ich dann erfahren, dass Friseur mittlerweile zu den Mangelberufen zählt und ich somit auch junge Asylwerber als Lehrlinge aufnehmen darf“, erzählt die Münzkirchnerin, die seit rund zwei Jahren Probleme hat, Lehrlinge zu finden. Nachdem Jawid ein paar Schnuppertage im Friseurteam Ingeborg verbracht hat, war es beschlossene Sache: Jawid wird der neue Lehrling von Ingeborg Salletmayr. „Bei den Schnuppertagen hat sich gezeigt, dass Jawid engagiert und ehrgeizig ist. Ich wollte ihm auf jeden Fall eine Chance geben, obwohl ich gewusst habe, dass auch das Risiko besteht, dass ich Kunden verliere. Zum Glück war das aber nicht so. Die Kunden und auch meine Mitarbeiter sind von Jawid begeistert und mögen ihn sehr gerne“, freut sich Ingeborg Salletmayr, dass ihre Entscheidung so positiv angenommen wird.

Lehrstart, Interview und Negativbescheid

Am 16. Jänner 2018 startete Jawid mit seiner Lehre und ist seither wissbegierig und lernbereit. Auch die Sprachbarriere wird von Tag zu Tag geringer, da der junge Afghane mittlerweile schon gut Deutsch spricht. Im Februar musste Jawid zum Interview. Im März, an seinem 20. Geburtstag, folgte dann der große Rückschlag für ihn: Negativ, sein Asylantrag wurde abgelehnt mit der Begründung, dass Afghanistan für ihn ein sicheres Land sei und er auch dort eine Friseurlehre absolvieren könne. Dieser Negativbescheid war sowohl für Jawid als auch für Ingeborg Salletmayr ein Schock und löste Unverständnis aus. „Ich war wie vor den Kopf gestoßen und konnte nicht verstehen, warum man einen jungen Menschen zuerst in unserem Land willkommen heißt und ihm die Möglichkeit gibt, eine Ausbildung zu machen, und diesen dann kurz darauf abschieben will“, so Salletmayr. Gegen den negativen Asylbescheid hat Jawid Naaimi nun Berufung eingelegt. Die Unterstützung seiner Lehrherrin ist ihm sicher. „Wir werden alles versuchen, damit Jawid in Österreich bleiben und seine Lehre hier beenden darf“, zeigt sich die Münzkirchnerin bereit, auch über mehrere Instanzen für ihren Lehrling zu kämpfen.

Modell 3+2

Dabei geht es ihr allerdings nicht darum, gegen das bestehende Asylrecht vorzugehen. Ihr Wunsch wäre es, dass Jawid seine Lehre hier beenden kann und danach noch zwei Jahre in Österreich arbeiten darf, so wie es in Deutschland bereits möglich ist. Auch Integrationslandesrat Rudi Anschober hat dieses Modell ins Auge gefasst und startete im vergangenen Dezember die Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“, bei der er für das deutsche Modell „3+2“ wirbt. Dieses Modell erlaubt es Asylwerbern, für den Zeitraum der Ausbildung und für zwei weitere Jahre als Fachkraft im Land zu bleiben. Dann wird der Aufenthaltsstatus neu geprüft. „Diese 3+2-Regelung wäre auch in Österreich schnell einzuführen. Wir können aber über diverse Lösungsansätze gern diskutieren, mir geht es darum, in einem ersten Schritt möglichst rasch einen allgemeinen Abschiebestopp für unbescholtene Lehrlinge zu erreichen“, erklärte Rudi Anschober in einer Pressekonferenz.

Zukunft ungewiss

Für den 20-jährigen Jawid Naaimi heißt es nun weiter hoffen und bangen. Sollte er wirklich zurück in sein Heimatland Afghanistan müssen, das immer wieder von Krieg und Terror geprägt ist, dann ist seine Zukunft ungewiss.


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