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NEUFELDEN. Wenn am Freitag die Zeugnisse verteilt werden, bekommen diese auch jene Kinder, die zu Hause unterrichtet werden. 15 sind es derzeit, und es werden immer mehr. Auch Caroline Nösslböck hat ihre Kinder vor einem Jahr zum häuslichen Unterricht abgemeldet. Ein Schritt, der für sie und ihre Familie genau der richtige war.

Eine ganze Kiste voller Zeichnungen und Werkstücke hat Katja zur Abschlussprüfung in die VS Neufelden gebracht. In jedem Fach wurden die Lernziele gewissenhaft überprüft.

„Ich bin mir vorgekommen, wie ein Verbrecher, als ich diese Meldung geschrieben habe“, erinnert sich die Neufeldnerin, die eigentlich aus purer Verzweiflung den häuslichen Unterricht für Julian (10) und Katja (8) begonnen hat. Denn Julian ist schon ungern in den Kindergarten gegangen, die Schule wurde dann zur einzigen Qual. Er hatte Bauchschmerzen, Kopfweh, war oft krank und wollte einfach nicht zur Schule gehen. „Wir haben alles probiert - Belohnung, Taschengeld, Drohungen, Zwang. Wir haben gedacht, wir müssen es mit allen Mitteln durchsetzen, aber es ist immer schlimmer geworden“, schildert Caroline Nösslböck.

Lernen ohne Leistungsdruck

Als dann auch Katja richtig Angst vor der Schule hatte und sie sich selbst enormen Leistungsdruck machte, haben die Eltern die Reißleine gezogen. „Wir konnten nichts verlieren, denn schlimmer hätte es nicht werden können.“ Im Rückblick betrachtet, war es für die Familie die richtige Entscheidung: „Julian ist zur Ruhe und zu sich selbst gekommen und auch als Geschwister haben die beiden zusammengefunden“, erzählt Caroline Nösslböck, die selbst ausgebildete Volksschullehrerin ist.

Interessen und Talente fördern

So gesehen hatten die Kinder einen Vorteil mit ihrer Privatlehrerin zu Hause. Jeden Vormittag war Lernen angesagt: Deutsch, Mathematik, Englisch, Sachunterricht stand ebenso auf dem Stundenplan, wie Musik oder Zeichnen und Werken. Wobei der Unterricht doch recht individuell gestaltet wurde: Julian hat etwa zwei Wochen nur Texte geschrieben. Wenn Katja einen Vormittag lang nur Zeichnen wollte, war auch das erlaubt. Und für den Sachunterricht wurden viele Ausflüge gemacht. „Tun und Erleben ist wichtiger, als Auswendig lernen“, ist Caroline Nösslböck überzeugt, die deshalb viel Zeit und Raum zum Experimentieren ließ.

Lernziele erreicht

Hausübung gab es keine. „Am Nachmittag sollten sie Zeit haben, um Kind zu sein“, ergänzt sie. Dass Katja und Julian dennoch ihre Lernziele erreicht haben, zeigten die Abschlussprüfungen, die beide an der Volksschule Neufelden abgelegt haben. Lernen habe sie dafür nicht müssen, erzählt Katja, „das hab ich alles gekonnt.“ Sie wird auch das dritte Volksschuljahr zu Hause bleiben und von ihrer Mama unterrichtet werden. Julian will im Herbst mit seinen Freunden in der Musikmittelschule Neufelden starten. Denn die Verbindung zu seinen Klassenkameraden aus der VS Neufelden ist nie abgebrochen, er war sogar bei der Projektwoche dabei.

Unterrichtsverpflichtung, keine Schulpflicht

Dass häuslicher Unterricht überhaupt möglich ist, liegt daran, dass in Österreich eine Unterrichtsverpflichtung besteht - keine Schulpflicht. „Voraussetzung ist nur die Externistenprüfung am Ende des Schuljahres. Die Kinder müssen nachweisen, dass sie das, was im Lehrplan steht, auch gelernt haben. Wer die Jahresprüfung nicht besteht, muss die Schulstufe in der Schule wiederholen“, erklärt Pflichtschulinspektor Markus Gusenleitner. Seine Bedenken liegen eher im sozialen Bereich: „Die Schule dient nicht nur der Wissensvermittlung, die Kinder lernen auch in der Gruppe zu leben und sich einzugliedern. Das fehlt beim Unterricht zu Hause.“


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