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NEUKIRCHEN. Der BSV Ampflwang veranstaltet am Samstag, 15. September, von 10 bis 14 Uhr im Brauhaus Zipf ein Sonderpostamt mit Werbeschau und personalisierten Briefmarken. Anlass ist das zehnjährige Bestehen der „Arge Schlier“.  

  1 / 3   Neben einem Sonderstempel der österreichischen Post gibt es auch 3 verschiedene personalisierte Briefmarken zu diesem Thema zu erwerben.

Seit 2008 beschäftigen sich die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Schlier – kurz ARGE Schlier – ehrenamtlich mit der Erforschung, Erhaltung, Erschließung der baulichen Überreste und der Geschichte des „V2“-Raketenrüstungsbetriebes und Sauerstoffwerkes mit dem Decknamen „Schlier“ in Zipf in Oberösterreich sowie mit der Erinnerung an die Opfer des angeschlossenen KZ-Nebenlagers „Schlier“ bzw. „Redl-Zipf“.

Betrieb der Raketenrüstung

Im September 1943 fiel die Entscheidung, in den beschlagnahmten Kellern der Bierbrauerei in Zipf einen Betrieb der Raketenrüstung des Deutschen Reiches unterzubringen. Es wurden Anlagen errichtet, um für das Aggregat 4, die sogenannte „Wunderwaffe“ V2 (Vergeltungswaffe 2), Triebwerke zu testen und flüssigen Sauerstoff als Treibstoff zu erzeugen. Der Deckname dieses Rüstungsbetriebes lautete „Steinbruch-Verwertungs G. m. b. H., Betrieb Schlier“, kurz „Schlier“, benannt nach dem Mergelvorkommen in Zipf.

KZ-Nebenlager

Bereits Anfang Oktober 1943 überstellte die SS die ersten KZ-Häftlinge zum Aufbau des KZ-Nebenlagers nach Redl-Zipf. Der Höchststand lag bei rund 2.000 Personen, die Sklavenarbeit leisten mussten. Hauptsächlich gruben sie Stollen, betonierten Bunker, bauten die Keller der Brauerei Zipf aus, verlegten Kabel und Eisenbahngleise. Mindestens 267 Häftlinge des KZ-Nebenlagers Redl-Zipf verloren dabei ihr Leben. Nach der Errichtung des Rüstungsbetriebes wurden die in Zipf verbliebenen KZ-Häftlinge vorwiegend zu Erhaltungsarbeiten eingesetzt. Neben den KZ-Häftlingen und deren SS-Bewachern waren unter anderem viele Ingenieure, Facharbeiter, Angestellte von „Schlier“ und von Liefer- und Fremdfirmen, SD-Angehörige und eine Wehrmachtseinheit zur Sicherung des Betriebes in Zipf und Umgebung untergebracht.

Dokumente vernichtet

Die Zahl der Fremden überstieg die Einwohnerzahl um ein Vielfaches. Im Februar und August 1944 ereigneten sich zwei schwere Betriebsunfälle. Im April 1945 kam das so genannte „Unternehmen Bernhard“, das zur Dokumenten- und Geldfälschung eingesetzt wurde, für wenige Wochen in das KZ Redl-Zipf. Am 3. Mai 1945, wurden die Häftlinge, teils auf Lastwägen, teils zu Fuß, nach Ebensee gebracht/getrieben. Am folgenden Tag löste die SS das KZ-Nebenlager auf und steckte es in Brand. Teile der Unterlagen und Dokumente von „Schlier“ sowie Unmengen an Falschgeld des Unternehmens „Bernhard“ wurden ebenfalls vernichtet.


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