Nur vergesslich oder doch dement? Hilfe und Beratung im neuen Neumarkter Demenzservice
NEUMARKT/BEZIRK FREISTADT. Gemeinsam mit der MAS Alzheimerhilfe hat die Gesunde Gemeinde den Neumarkter Demenzservice gegründet. Angehörigentreffen, Beratung und erste Abklärungen sind seit Anfang des Jahres im Seiberl-Haus in der Salzgasse 5 möglich.

Nachdem die Demenzservicestelle Pregarten nach Linz verlegt wurde (siehe Infobox), hat sich die Gesunde Gemeinde Neumarkt bemüht, in Zusammenarbeit mit der MAS Alzheimerhilfe ein Angebot im Bezirk Freistadt zu ermöglichen.
Die Gesunde Gemeinde hat bei ihrer Arbeit unter dem Titel „Inklusion: alte Muster – neue Wege“ einen Schwerpunkt auf das Thema Demenz gelegt und drei Arbeitskreise zu „Gut alt werden in Neumarkt“ gegründet – Netzwerke, Mobilität und Haus für ältere Menschen.
Kooperation mit Neumarkt
Die Netzwerk-Gruppe unter der Leitung von Gabi Lengauer hat den Kontakt zu Rosa Handlbauer, Sozialarbeiterin der MAS Alzheimerhilfe, hergestellt.
Gemeinsam wurde der Neumarkter Demenzservice ins Leben gerufen. Für Neumarkter und Einwohner der anderen zwölf Gemeinden ist es nach telefonischer Terminvereinbarung somit möglich, Beratungen und Gespräche im Seiberl-Haus wahrzunehmen.
„Wir sind froh, dass wir diese Kooperation eingehen konnten. Die Gemeinde Neumarkt bemüht sich, eine seniorenfreundliche Gemeinde zu werden, was auch bei zukünftigen Bauvorhaben und Umsetzungen wie abgeschrägten Gehsteigkanten bedacht wird“, sagt Vizebürgermeisterin und Sozialausschuss-Obfrau Annemarie Obermüller.
„Wir wollen auch Trainings für Unternehmen wie Banken oder Geschäfte anbieten, damit die Mitarbeiter Demenzerkrankte erkennen und richtig mit ihnen umgehen können“, sagt Gabi Lengauer.
Früherkennung und psycholgoische Abklärung für Betroffene
In Österreich leben mehr als 130.000 Menschen mit Demenz, wobei acht von zehn Betroffenen zu Hause wohnen und von Angehörigen gepflegt und begleitet werden. Das Team der MAS Alzheimerhilfe Linz Nord/Urfahr besteht aus der Psychologin Doris Prieschl, der Sozialarbeiterin Rosa Handlbauer und MAS Trainerinnen.
Bei der Demenzstelle können sich Angehörige beraten lassen und auch eine Früherkennung und psychologische Abklärung für Betroffene werden durchgeführt.
„Thema enttabuisieren“
„Ziel ist es, das Thema zu enttabuisieren, damit die Hemmschwelle für Betroffene, sich an eine Hilfsorganisation zu wenden, gesenkt wird“, sagt Rosa Handlbauer.
„Oft melden sich Angehörige auch einfach nur telefonisch, um sich Rat zu holen“, sagt Handlbauer. Beratungen sind ab sofort nach telefonischer Vereinbarung in Neumarkt, in Linz und bei den Betroffenen zuhause möglich.
„Wut, Angst und Scham“
„Menschen mit Demenz erleben Wut, Angst und Scham, wenn sie ihre Unzulänglichkeit merken und dabei von ihrer Umgebung auch noch ständig belehrt werden“, weiß Rosa Handlbauer.
Bei der psychologischen Abklärung wird mit dem Betroffenen und den Angehörigen gesprochen. Auch verschiedene Tests werden durchgeführt. „Wir beraten die Angehörigen beim Umgang mit Menschen mit Demenz, zum Pflegegeld und zum Erwachsenenschutzgesetz. Außerdem zeigen wir Entlastungsmöglichkeiten auf. Die Beratungsstelle stellt auch Vernetzungen zu anderen sozialen Einrichtungen her und bietet Gedächtnistrainings für Betroffene und Prophylaxe-Trainings an.“
Treffen für Angehörige
Bei Angehörigentreffen findet ein reger Erfahrungsaustausch statt, bei dem sich die Angehörigen zusammensetzen und sich gegenseitig unterstützen. Die Treffen finden einmal im Monat um jeweils 14 Uhr im Seiberl-Haus (Salzgasse 5) Neumarkt statt.
Der nächste Termin ist am Dienstag, 28. Jänner. Weitere Termine: 25. Februar, 24. März, 21. April, 19. Mai und 30. Juni – eine Anmeldung zu den kostenlosen Treffen ist nicht erforderlich.


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