Leben nach dem Super-Gau: Kinder leiden am meisten an den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe
NIEDERWALDKIRCHEN. Vor 30 Jahren explodierte ein Reaktor im Atomkraftwerk Tschernobyl – und seither leiden die Menschen in Weißrussland an den Folgen des Super-Gaus. Caritas-Mitarbeiterin Tatjana Zhuk erzählte im Seniorentreff Niederwaldkirchen vom Leben nach der atomaren Katastrophe in ihrem Heimatland und auch davon, dass das Caritas-Zentrum St. Lukas in Minsk oft der einzige Rettungsanker für Familien ist.

Die Kinder sind die Hauptbetroffenen: „Seit dem Super-Gau geht die Zahl der Kinder, die an Krebs erkranken, ständig nach oben“, berichtet die Weißrussin bei ihrem Vortrag in Niederwaldkirchen. Vielen leukämiekranken Kindern aus armen Familien vom Land bleibt eine Behandlung aber verwehrt, „die Eltern können sich die Unterkunft in der Stadt während der Therapie nicht leisten“, zeigt Tatjana Zhuk auf.
Maksim hat gute Chancen
Das Caritas-Zentrum St. Lukas in Minsk ist für viele der einzige Rettungsanker. 20 Kinder und ihre Eltern können hier gratis wohnen und werden von Zhuk und ihren Kollegen betreut. Der vierjährige Maskim ist einer von ihnen. „Er hat Glück im Unglück, weil er sich im ersten Stadium der Erkrankung befindet und gute Heilungschancen hat. Viele Kinder aber sind durch die Hormon-Behandlung und der Chemotherapie geschwächt und entstellt. Gesunde Ernährung und pädagogische Betreuung sollen den jungen Patienten helfen, schneller gesund zu werden“, berichtet die Caritas-Mitarbeiterin. Auch verschiedene Therapien oder Ausflüge werden angeboten. „Solche Aktivitäten sind sehr wichtig, weil sie die Kinder von ihrer Krankheit ablenken und ihnen Lebensfreude geben.“
Um Geld dafür zu sammeln, hat die Caritas die Osthilfesammlung gestartet, die allein von den Niederwaldkirchner Senioren mit 1500 Euro unterstützt wurde. Neben St. Lukas betreibt die Caritas in Weißrussland außerdem drei Armenküchen, ein Kinderdorf in Gomel und finanziert Schul-Mahlzeiten, Schulsachen und Kleidung für Kinder.
Tschernobyl-Oma hilft
Auch Dorothea Rammerstorfer, die sich seit 1993 besonders für die Kinder in Weißrussland einsetzt, sammelt laufend Spendengelder. Sie verkauft unter anderem Socken, die die Frauen der Strickrunde St. Peter fertigen, und sammelt Geschirr, Tandlerware aus Holz oder altes Werkzeug, das auf Flohmärkten verkauft wird. „Da mir viele Leute etwas bringen, aber auch viele etwas abkaufen, kann ich das Kinderkrebszentrum finanziell unterstützen“, sagt sie. Auch dieses Mal hatte sie etwas dabei: Sie übergab ihren Goldenen Philharmoniker, den sie 2015 als Preisträgerin der Aktion „Helfen beim Helfen“ erhielt, an Tatjana Zhuk.
Wer alte Sachen (keine Altkleidung) für Dorothea Rammerstorfer hat, kann sich unter Tel. 0650/3462 512 melden.
Auch die Caritas-Ostsammlung läuft noch weiter, damit soll auf die oft unsichtbare Not in unserer Nachbarschaft aufmerksam gemacht werden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden