Mehr Angst, mehr Gewalt, mehr Hilferufe: Warum 2025 für viele junge Menschen zum Krisenjahr wurde
ÖSTERREICH. Angst, Gewalt und seelischer Druck nehmen zu: 2025 suchten so viele Kinder und Jugendliche wie nie zuvor Hilfe bei Rat auf Draht. Der Jahresrückblick zeigt, wo die Sorgen am größten sind.

Rund 40.500 Gespräche führte Rat auf Draht im Jahr 2025 mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Damit verzeichnete Österreichs einzige Notrufnummer für junge Menschen erneut einen deutlichen Anstieg. Auch die Gesprächsdauer nahm weiter zu – ein klares Zeichen dafür, wie tief die Belastungen sitzen.
Angst und Gewalt rücken in den Mittelpunkt
Besonders stark stiegen die Beratungen rund um Angstgefühle. Im Vergleich zum Vorjahr lag das Plus bei fast 30 Prozent. Auch körperliche und psychische Gewalt innerhalb der Familie nahm deutlich zu. Viele junge Menschen suchten Hilfe, weil Konflikte eskalierten, Überforderung wuchs oder das Sicherheitsgefühl verloren ging. Gespräche zu Suizidalität legten ebenfalls zweistellig zu. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an Orientierung hoch: Anfragen zu psychosozialen Hilfsangeboten waren erneut das häufigste Thema.
Laut Birgit Satke brauchen gerade diese Gespräche mehr Zeit. Hohe emotionale Belastungen führen dazu, dass sich Betroffene oft erst langsam öffnen und Vertrauen aufbauen können. Auffällig ist jedoch auch eine leichte Stimmungsaufhellung bei klassischen Jugendthemen wie Freundschaft oder Liebeskummer, wo die Anfragen ebenfalls zunahmen.
Ausnahmezustand nach Gewalttat und neue digitale Hilfe
Ein einschneidendes Ereignis war das School Shooting in Graz, das im Juni 2025 zu einem massiven Anstieg der Beratungen führte. Viele Anrufer suchten Unterstützung im Umgang mit Angst, Schock und der Bilderflut in sozialen Medien. In dieser Phase wurde deutlich, wie wichtig rasche, niederschwellige Hilfe ist. Als Reaktion entstand gemeinsam mit dem Bildungsministerium ein neues digitales Chatangebot zur mentalen Gesundheit.
Auch Eltern suchten 2025 verstärkt Beratung. Besonders das Thema Gewalt verzeichnete bei elternseite.at einen markanten Zuwachs. Rat auf Draht rechnet damit, dass psychische Belastungen, digitale Herausforderungen und Zukunftsängste auch 2026 ein zentrales Thema bleiben werden.


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