Roter Überriese WOH G64 wird dunkler und überrascht Astronomen
Astronomen verfolgen den Riesenstern WOH G64 in der Großen Magellanschen Wolke schon über Jahrzehnte und sehen nun in den letzen Jahren eine ungewöhnlich schnelle Veränderung. Der Stern wurde seit einigen Jahren deutlich dunkler und zugleich scheinbar wärmer. Wie phys.org berichtet liefern neue Messungen mit dem Southern African Large Telescope Anfang 2026 Hinweise, warum das so sein könnte.
WOH G64 gehört zu den größten bekannten Sternen seiner Art. Er ist laut den Beobachtungen mehr als 1.500 Mal so groß wie die Sonne und strahlt über 100.000 Mal mehr Energie ab. Der Stern liegt in der Großen Magellanschen Wolke, einer Nachbargalaxie, die von der Südhalbkugel mit freiem Auge als heller Fleck am Himmel zu sehen ist.
Bei solchen Riesensternen erwarten Forscher meist langsame Veränderungen über sehr lange Zeiträume. Umso auffälliger ist, dass sich WOH G64 auf menschlicher Zeitskala verändert, also binnen weniger Jahre.
Staubwolken und ein Stern, der sich anders verhält
WOH G64 gilt als roter Überriese, also als extrem großer, eher kühler Stern in einer späten Lebensphase. Solche Sterne verlieren Material durch starke Winde. Dabei entsteht Staub, also feine feste Partikel, die sichtbares Licht schlucken und den Stern dunkler erscheinen lassen.
Ein Team konnte 2024 mit Teleskopen der Europäischen Südsternwarte eine besonders scharfe Nahaufnahme machen und sah dabei frischen Staub nahe dem Stern. Gleichzeitig zeigte sich: In den letzten Jahren wurde WOH G64 lichtschwächer, pulsierte weniger stark und etwas schneller, was auf eine Schrumpfung hindeuten kann.
Heißes Gas und kühle Moleküle sprechen gegen eine einfache Erklärung
Weil der Stern wärmer wirkte, stand die Idee im Raum, er könnte sich bereits in Richtung gelber Hyperriese entwickeln. Das wäre eine seltene Übergangsphase sehr massereicher Sterne kurz vor dem Ende.
Die neuen SALT Daten zeichnen aber ein gemischtes Bild. In der Umgebung wurden viele Ionen detektiert, also elektrisch geladene Atome, die auf sehr heißes Gas hinweisen. Gleichzeitig zeigte sich auch die Spur von Molekülen, also gebundenen Atomgruppen, die bei hohen Temperaturen zerfallen würden. Das spricht dafür, dass WOH G64 zumindest derzeit noch nicht vollständig in eine neue Sternphase gewechselt ist.
Verdacht auf heißen Begleiter als Auslöser
Schon länger wird vermutet, dass WOH G64 einen kleineren, heißeren Begleitstern hat. Eine mögliche Erklärung: Dieser heiße Stern erhitzt Gas, das er aus dem Wind des roten Überriesen einfängt, und macht die Umgebung dadurch auffälliger.
Denkbar ist auch, dass die beiden Sterne ein langgezogenes Orbit Muster haben. Wenn der Begleiter näher kam, könnte seine Schwerkraft die äußeren Schichten von WOH G64 verzerrt haben. Dadurch wäre der Stern insgesamt durchsichtiger geworden, wärmere Schichten könnten stärker durchscheinen und die Staubbildung im Wind könnte zugenommen haben. Ob WOH G64 wieder heller wird oder weiter in eine neue Phase kippt, sollen weitere Beobachtungen klären.
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