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Iran schließt Straße von Hormus erneut – Waffenruhe gerät ins Wanken

Tips LogoManuel Tonezzer, 08.04.2026 20:09

TEHERAN. Die ohnehin fragile Waffenruhe zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten steht bereits wenige Stunden nach ihrem Inkrafttreten unter massivem Druck. Der Iran hat die Straße von Hormus am Mittwoch erneut geschlossen.

In Friedenszeiten passieren rund 20 Prozent der weltweiten Transporte von Rohöl und Flüssigerdgas die Straße von Hormus, einen der wichtigsten maritimen Engpässe der globalen Energieversorgung. Foto: APA-Images / AP / Jon Gambrell

Nur wenige Stunden nach ihrem Inkrafttreten gerät die ohnehin fragile Waffenruhe zwischen Iran und den Vereinigten Staaten erheblich unter Druck. Der Iran kündigte am Mittwoch, dem 8. April, an, die Straße von Hormus erneut zu schließen, und begründete den Schritt mit den fortgesetzten israelischen Angriffen im Libanon. Das berichten mehrere Medien, unter anderem der britische „Guardian“.

Die strategisch bedeutende Meerenge zählt zu den wichtigsten Handelsrouten der Welt für Öl und Gas. Ihre Offenhaltung war ein zentrales Element des zweiwöchigen Waffenstillstandsabkommens zwischen Washington und Teheran, das internationale Hoffnungen auf eine Entspannung der Energiekrise geweckt hatte.

US-Präsident Trump hatte zuvor erklärt, Bedingung für die „beidseitige Waffenruhe“ sei die „vollständige, unverzügliche und sichere“ Öffnung der Straße von Hormus. Iran kündigte an, den Schiffsverkehr unter Einschränkungen zu ermöglichen.

Iran wirft Israel Bruch der Waffenruhe vor

Nach Angaben iranischer Stellen soll Israel die Vereinbarung durch gleichzeitige Angriffe auf Ziele im Libanon sowie indirekt auf die regionale Sicherheitsordnung, die im Zuge der Verhandlungen entstanden sei, verletzt haben.

In Beirut sollen mehrere Wohn- und Geschäftsviertel ohne Vorwarnung bombardiert worden sein. Mindestens 112 Menschen sollen nach bisherigen Angaben ums Leben gekommen sein, Hunderte verletzt worden sein. 

Israel betrachtet die Angriffe als Reaktion auf erneute Raketen- und Drohnenangriffe, die ihrerseits Vergeltung für frühere israelische Bombardierungen iranischer Ziele angekündigt hatte.

Straße von Hormus wieder geschlossen

Die staatliche Nachrichtenagentur „Fars“ meldete, Iran habe die Passage von Öltankern durch die Straße von Hormus daraufhin gestoppt. Zwar hätten am Morgen nach Inkrafttreten der Waffenruhe noch zwei Tanker passieren dürfen, doch mit Beginn neuer israelischer Angriffe sei der Verkehr wieder ausgesetzt worden.

Trotz der Waffenruhe behält der Iran weiterhin die Kontrolle über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus. Der staatliche Sender „Irib“ verwies bei „X“ auf eine Erklärung von Außenminister Abbas Araghtschi. Demnach unterliegt der Schiffsverkehr nach wie vor „technischen Beschränkungen und der Abstimmung mit den iranischen Streitkräften“. 

USA sehen Libanon-Konflikt als getrennt an

US-Präsident Donald Trump erklärte in einem Interview mit „PBS“, der Libanon sei nicht Teil der Waffenruhevereinbarung mit Iran. Die Lage dort müsse unabhängig betrachtet werden, insbesondere wegen der Rolle der Hisbollah.

Teheran hingegen sieht die Entwicklungen im Libanon ausdrücklich als Bestandteil der regionalen Sicherheitslage und argumentiert, israelische Angriffe dort untergrüben die Grundlage der Vereinbarung.

Waffenruhe gerät ins Wanken

Analysten warnen laut dem „Guardian“, dass selbst ein Fortbestehen der Waffenruhe die globalen Energiemärkte nicht sofort stabilisieren dürfte. Hunderte Tanker warten weiterhin im Persischen Golf auf freie Passage, und Lieferketten für Öl, Gas, Chemikalien und andere wichtige Güter bleiben gestört.

Die aktuelle Krise hatte begonnen, nachdem Irans Revolutionsgarden als Reaktion auf Angriffe der USA und Israel vor rund 40 Tagen die Kontrolle über die Straße von Hormus übernommen hatten. Seitdem gilt die Meerenge als geopolitischer Brennpunkt mit direkten Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Ob die Waffenruhe Bestand hat, ist nach den jüngsten Entwicklungen ungewiss.


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