Alarm an Kroatiens Küste: Verschmutztes Meer sorgt für Empörung
KROATIEN. Braunes Wasser, Fäkalien und Müll in mehreren Adriahäfen sorgen in Kroatien für Empörung. Experten warnen vor einem massiven Umweltproblem – verursacht durch fehlende Kontrollen, mangelhafte Entsorgung und den wachsenden Bootsverkehr entlang der Küste.

In Kroatien wächst die Sorge um die Wasserqualität an der Adriaküste. Berichte über Fäkalien, schwimmenden Müll und verunreinigte Hafenbecken sorgen derzeit vielerorts für Empörung.
Besonders betroffen ist die Region rund um Makarska, wo Anwohner braunes Wasser, unangenehmen Geruch und im Meer treibende Abfälle dokumentierten. Videos und Bilder, die an das kroatische Portal „Morsk“i geschickt wurden, zeigen Papier, Hygieneartikel und andere Rückstände mitten im Hafenbecken.
Alarmierende Zustände
Experten sehen darin kein Einzelproblem, sondern ein strukturelles Versagen. Der Kapitän und Seerechtexperte Milo Miklaušić spricht von alarmierenden Zuständen. In einer Analyse für „Morsk“i verweist er auf fehlende Kontrollen, mangelhafte Entsorgungsanlagen und unklare Zuständigkeiten.
Vor allem dauerhaft vor Anker liegende Boote könnten eine zentrale Ursache sein. Zwar schreibt das Gesetz vor, dass sogenannte Grau- und Schwarzwässer – also Abwasser aus Duschen und Toiletten – in speziellen Absaugstationen der Marinas entsorgt werden müssen. Doch offenbar halten sich viele Bootsbesitzer nicht daran.
Druck durch Tourismus
Hinzu kommt der stetig wachsende Tourismusdruck. Immer mehr Yachten, Ausflugsboote und private Schiffe verkehren entlang der kroatischen Küste. Damit steigen nicht nur Abgas- und Treibstoffbelastung, sondern auch die Mengen an Abwasser und Müll im Meer. Umweltorganisationen warnen seit Jahren vor den Folgen für das empfindliche Ökosystem der Adria.
Die Stadt Makarska führt nach eigenen Angaben derzeit Wartungsarbeiten am Entwässerungssystem durch. Der Leiter der örtlichen Wasserwerke versicherte gegenüber Morski, es bestehe keine Gefahr für Einwohner oder Touristen. Dennoch bleibt die Verunsicherung groß.
Bewohner klagen über Zustände
Denn ähnliche Probleme wurden zuletzt auch in anderen Küstenorten gemeldet. Im etwa 50 Kilometer entfernten Ploče überschritten Messungen der Badewasserqualität 2025 die Grenzwerte für den Darmkeim Escherichia coli, wie der Verwaltungsbezirk Dubrovnik-Neretva mitteilte.
Bereits im vergangenen Sommer hatten sich zudem Bewohner von Dubrovnik über starke Geruchsbelästigung und Verschmutzungen beschwert.
Auch Plastikmüll belastet die Adria
Neben Fäkalien belastet zunehmend auch Plastikmüll die Adria. Besonders Mikroplastik bereitet Forschern Sorgen. Die Biologin Maria Blazina kritisierte gegenüber BR24 mangelnde Kontrollen und forderte strengere EU-Regeln zum Schutz der Meeresumwelt.
Nach Angaben kroatischer Umweltbehörden fließt zudem ein erheblicher Teil der kommunalen Abwässer aus Küstenstädten weiterhin ungeklärt ins Meer.
Die aktuellen Berichte treffen Kroatien zu einem sensiblen Zeitpunkt: Kurz vor Beginn der Hauptsaison werden wieder Hunderttausende Urlauber an der Adriaküste erwartet.
Für viele Gemeinden ist der Tourismus wirtschaftlich unverzichtbar – gleichzeitig wächst jedoch der Druck, Infrastruktur und Umweltschutz an die steigenden Besucherzahlen anzupassen.


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