OÖ Rotes Kreuz zieht Bilanz der Menschlichkeit

OÖ Rotes Kreuz zieht Bilanz der Menschlichkeit

Nora  Heindl Nora Heindl, Tips Redaktion, 12.06.2019 13:05 Uhr

OÖ. Herausfordernd, ereignisreich, erfolgreich – so lässt sich das Jahr 2018 für das OÖ. Rote Kreuz zusammenfassen. Es zeigt: Das Bild der Hilfe ändert sich mit dem Wandel der Gesellschaft. Die Zahl hilfsbedürftiger Menschen wächst und der digitale Wandel beeinflusst die Strukturen für freiwilliges Engagement. Besonders erfreulich: Immer mehr Menschen entscheiden sich, einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren, um im Fall der Fälle Leben retten zu können.

Die Gesellschaft ändert sich, das Rote Kreuz wird immer mehr gebraucht. Rund 3,1 Millionen freiwillige Stunden leisteten die rund 22.000 freiwilligen Rotkreuz-Mitarbeiter im Vorjahr, davon 2,4 Millionen Stunden oder 75 Prozent im Rettungsdienst. Etwa 40 Prozent aller Rettungs- und Krankentransporte werden von Freiwilligen erbracht. Eine Tätigkeit, die bereichert, aber teilweise auch anstrengend und herausfordernd sein kann. „Freiwillige sind das Herzstück unserer humanitären Hilfsorganisation und Leistungsträger unserer Gesellschaft. Ohne ihr tagtägliches Engagement würden die Kosten für unser System der Hilfe massiv ansteigen“, meint OÖ. Rotkreuz-Präsident Walter Aichinger.

Die Einsätze im Rettungs- und Krankentransport stiegen von 555.904 auf 567.762 um 2,1 Prozent im Vergleich zu 2017 an. Um die hohe Qualität der Leistungen des OÖ. Roten Kreuzes aufrecht zu erhalten gilt es, das Ansehen freiwilligen Engagements in Beruf und Familie zu verbessern. Hier gibt es noch einiges zu tun. „Oberstes Ziel muss sein: Stellenwert und Wertschätzung für Freiwilligkeit weiter zu stärken“, meint Aichinger.

Gesellschaftswandel bringt neue Herausforderungen

Beinahe gänzlich von Freiwilligen betrieben werden Dienste wie Essen auf Rädern, Betreutes Reisen oder der Besuchsdienst. 475.569 Stunden leisteten die rund 5.000 Mitarbeiter der freiwilligen sozialen Dienste im Jahr 2018, im Jahr davor waren es 434.412 freiwillige Stunden. Das ist ein Anstieg von mehr als 10 Prozent. Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt und diese neuen Rahmenbedingungen fordern Hilfsorganisationen wie das OÖ. Rote Kreuz.

Armut, soziale Isolation und Einsamkeit sind ebenfalls große Herausforderungen der Zukunft. Deren Folgen stellen in manchen Fällen auch ein Gesundheitsrisiko dar. „Soziales Leben in der Gemeinschaft kostet. Das wissen nicht nur viele Betroffene, die sich Kinobesuche oder das gemeinsame Ausgehen mit Freunden kaum leisten können“, erklärt Aichinger. Um armutsgefährdete Menschen kümmern sich beispielsweise Mitarbeiter der Rotkreuz-Märkte und auch die Gesundheits-und Sozialberater.

Neue Formen der Hilfe entstehen

Wenn mitten in der Nacht der Bauch krampft, am Sonntag der Rücken schmerzt oder am schönsten Feiertag ein Insektenstich anschwillt, sind die Mitarbeiter der Gesundheitsberatung 1450 zur Stelle. Medizinisch besonders geschultes diplomiertes Pflegepersonal gibt rasche, unkomplizierte Gesundheitsauskünfte zu jeder Uhrzeit. Im Rahmen des Patientenauskunfts- und Leitsystems (PALES) startete das OÖ. Rote Kreuz diesen Service. „Damit stärken sie gleichzeitig die Gesundheits-Kompetenz in der Bevölkerung“, sagt Aichinger. Die telefonische Gesundheitsberatung 1450 wird als gemeinsame Aufgabe der Kooperationspartner Bund, Land und Sozialversicherungsträger, darunter die OÖGKK, durchgeführt. In Oberösterreich betreibt das Rote Kreuz als Experte für die Bearbeitung medizinischer Notrufe diesen Service.

Erste-Hilfe-Kurse sind sehr gefragt: 38.700 Teilnehmer alleine im Vorjahr

Aber auch die Bevölkerung will im Ernstfall professionell helfen. Rund 38.700 Teilnehmer absolvierten im Vorjahr einen Erste-Hilfe-Kurs. Egal, ob privat oder im Rahmen einer angebotenen Schulung am Arbeitsplatz. „Damit sind wir erster Ansprechpartner“, freut sich Aichinger über diese Entwicklung. Dazu kommen noch 10.790 Kinder und Jugendliche, die eine Erste-Hilfe-Einführung oder einen Erste-Hilfe-Grundkurs im Rahmen der Jugendrotkreuz-Aktivitäten ablegten.

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 absolvierten rund 32.500 Personen einen Erste-Hilfe-Kurs beim OÖ. Roten Kreuz. „Das ist eine begrüßenswerte Entwicklung“, so Aichinger, denn: „Jeder kann täglich mit der Situation konfrontiert werden, Erste Hilfe zu leisten. 80 Prozent der Unfälle passieren im eigenen Umfeld. Nur wenige Handgriffe entscheiden oftmals über Leben oder Tod, über schnelle Heilung und Genesung oder bleibende Dauerschäden.“ In 99 Prozent der Fälle passiert nichts. In Erste-Hilfe-Kursen des OÖ. Roten Kreuzes kann jeder lernen, wie man im Ausnahmefall ein Leben retten kann.   

Erfolgreiche Jugendarbeit und Ausblick

In Bildung investieren und eine bessere Gesellschaft ernten, ist der Leitspruch von ALPHA. MEINE CHANCE. Die ALPHA-Lesecoaches betreuen mittlerweile mehr als 200 Schüler mit Leseschwierigkeiten. „Lesen hilft die Welt zu verstehen, bildet, fördert die Kreativität und ist zentraler Faktor in der geistigen Entwicklung“, erklärt Landesgeschäftsleiter Erich Haneschläger. Gemeinsam mit dem Buchklub entwickelte das Jugendrotkreuz noch dazu eine neue Zeitschriften-Reihe. Mit Beginn des neuen Schuljahres arbeiten Schüler von der 1. bis zur 8. Schulstufe bereits damit. Der gesamte Erlös fließt in Programme zur humanitären Bildung und Leseförderung.

Gerade zu Beginn der Urlaubssaison macht das Jugendrotkreuz darauf aufmerksam, dass Schwimmen mehr ist als ein gesunder Sport. Es ist eine Lebenskompetenz und kann helfen, Leben zu retten. Mit Ferienbeginn (ab 8. Juli) startet in Linz wieder die Ausbildung zum Rettungsschwimmlehrer.

Die Zahlen im Überblick:

- 834 Fahrzeuge

- 14.337 Rufhilfeteilnehmer

- ca. 22.000 freiwillige Mitarbeiter

- 26.893 Einsätze der Notarztdienste (ohne Notarzthubschrauber)

- 38.702 Erste-Hilfe-Kursteilnehmer

- 51.019 abgenommene Blutkonserven

- 161.531 unterstützende Mitglieder

- 567.762 Einsätze im Rettungs- und Krankentransport

- 3.100.000 freiwillig geleistete Stunden

- 24.000.000 gefahrene Kilometer

- 16.481 abgelegte Schwimm- und Rettungsschwimmprüfungen

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