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LINZ/OÖ. Etwa neun von zehn Oberösterreichern finden einen gut ausgebauten sowie verlässlichen Sozialbereich wichtig für eine funktionierende Gesellschaft. Die klare Mehrheit ist zudem mit den Leistungen zufrieden. Das sind zentrale Ergebnisse einer Imas-Studie im Auftrag der IV Sozialunternehmen, die am Dienstag, 15. Juni, präsentiert wurde.

  1 / 2   Jeder fünfte Oberösterreicher ist beruflich oder ehrenamtlich im Sozialbereich tätig. Das ist eines der Ergebnisse einer Imas-Studie im Auftrag der IV Sozialunternehmen OÖ (Symbolbild). (Foto: Deliris/Shutterstock)

Befragt wurden 500 Oberösterreicher ab 16 Jahren, die repräsentativ für die Bevölkerung sind. In persönlichen Interviews nahmen sie zu Aussagen zum Sozialbereich Bezug beziehungsweise beantworteten Fragen dazu. Ein wesentliches Ergebnis ist, dass die Mehrheit mit der Arbeit, Qualität (83 Prozent) und Professionalität (79 Prozent) der Sozialunternehmen zufrieden ist. Der Sozialbereich hat dementsprechend auch ein gutes Image. „Mindestens drei Viertel der oberösterreichischen Bevölkerung stimmen in Bezug auf Sozialunternehmen in Oberösterreich den jeweiligen Aussagen zu: waren bisher in der Corona-Krise eine wichtige und verlässliche Stütze, sichern mit ihren Organisationen und Hilfestellungen den sozialen Zusammenhalt und bieten Sicherheit im Fall von Erkrankung beziehungsweise Behinderung (...). Auch von der Versorgung von unterschiedlichen sozialpolitischen Bereichen haben die Oberösterreicher einen guten Eindruck“, führte Paul Eiselsberg von Imas (Institut für Markt-, und Sozialanalysen, Anm.) International aus.

Gute soziale Versorgung, aber viele Probleme

„Grundsätzlich haben wir in Oberösterreich eine gute soziale Versorgung. Dennoch hat der Sozialbereich mit vielen Problemen zu kämpfen: Dazu zählen enge finanzielle Mittel oder hohe Qualitätsansprüche bei Personalknappheit und bei laufend steigenden Klienten-Zahlen. Wir wissen, dass die Probleme im Sozialbereich oftmals noch nicht in der Bevölkerung angekommen sind, vor allem dann, wenn mangels unmittelbarer Betroffenheit dazu die Sichtbarkeit fehlt“, ergänzte Silvia Kunz, Geschäftsführerin des Fab (Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung, Anm.). Laut Imas-Studie ist jeder fünfte Oberösterreicher beruflich oder ehrenamtlich - Zu Ehrenamt in OÖ wurde wie berichtet vergangene Woche eine Studie präsentiert - im Sozialbereich tätig. Zum Vergleich: Jeder dritte Befragte gibt an, sich für soziale Themen überhaupt nicht oder eher nicht zu interessieren.

Zeitversetzte Belastungssymptome

Die Corona-Pandemie habe die Wahrnehmung aber insofern verändert, dass Tätigkeiten im Sozialbereich wie psychosoziale Beratung, mobile Betreuung oder Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen derzeit als gesellschaftsstabilisierend wahrgenommen werden, wendet Kunz ein. Hier dürfe nur nicht vergessen werden, dass viele Menschen noch immer tief in einer Krise stecken würden, hielt Gernot Koren fest, Sprecher der IVS (Interessensvertretung der Sozialunternehmen im psychosozialen- und Behindertenbereich OÖ, Anm.) und Geschäftsführer von pro mente OÖ. Er erzählt unter anderem von einem Alkoholkranken, der für den Verein aktuell nicht auffindbar sei. Während viele Klienten anfangs Entlastung verspürt hätten, da Sozialkontakte oder Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln weggefallen seien, stelle sich nun die Rückkehr zum sozialen Leben herausfordernd dar. Psychosoziale Belastungssymptome würden häufig erst zeitversetzt auftreten.

Weiterentwicklung wichtig

Da die Klienten bei den Einrichtungen insgesamt mehr werden, brauche es laut Koren mehr finanzielle Mittel und entsprechende politische Rahmenbedingungen. Dazu zählen für ihn unter anderem, dass sich das Land Oberösterreich bei der Finanzierung am Bedarf orientieren sowie dass Unterstützung wie psychologische Hilfe schneller zur Verfügung stehen soll. Ein Stillstand hätte fatale Auswirkungen. „Es ist wichtig, dass wir uns stets weiterentwickeln, unsere Leistungen an die Bedürfnisse und den Lebensalltag der Klienten optimal anpassen“, schließt Koren. Die IVS besteht aus 31 Mitgliedsorganisationen und vertritt insgesamt etwa 7.500 Mitarbeitende im psychosozialen- und Behindertenbereich.


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