Die Alm, ein von Menschenhand geschaffenes Naturjuwel

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 (Foto: Land OÖ/Sabrina Liedl)
(Foto: Land OÖ/Sabrina Liedl)
Thomas Leitner Thomas Leitner, Tips Redaktion, 16.07.2021 09:25 Uhr

SALZKAMMERGUT. Das Land Oberösterreich unterstützt heimische Almen für eine aktive Almbewirtschaftung.

Die Almbewirtschaftung blickt auf eine lange Tradition bis in die Bronzezeit zurück. Die Almen sind ein Paradebeispiel dafür, wie die menschliche Bewirtschaftung den Lebensraum-Vielfalt in den Bergen und damit auch die Artenvielfalt erhöht. Viele Pflanzen- und vor allem auch Insektenarten sind auf offene Wiesenlandschaften angewiesen. Aber auch spektakuläre Arten wie das Auerhuhn und das Birkhuhn brauchen offene Flächen in den Bergwäldern. Grundlage dafür ist die Beweidung mit Wiederkäuern und die Pflege durch die Almbewirtschafter. Behutsam weiterentwickelt und um neue Technik angereichert, erweist sich die Almbewirtschaftung auch weiterhin als zeitgemäß und zukunftsorientiert. Oberösterreichs Almen sind ein wichtiger Teil der lebendigen und traditionsbewussten Landwirtschaft Oberösterreichs und prägen das Land. In Oberösterreich werden 422 Almen mit insgesamt rund 36.500 ha Fläche, darunter auch weitläufige Waldweideflächen, bewirtschaftet. Mit Erfolg wurden in den vergangenen Jahren bestehende Almflächen verbessert und neue Weideflächen geschaffen. Dieser Trend soll sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen.

„Diese einzigartige und ökologisch wertvolle Kulturlandschaft haben wir dem Idealismus und dem Einsatz der Almbäuerinnen und Almbauern zu verdanken. Unter hartem persönlichem Einsatz pflegen und bewahren sie die Almen. Die notwendigen Tierzahlen zur Beweidung der Almen aufzutreiben wird eine immer größere Herausforderung. Die Beweidung erhält aber erst den Offenland-Charakter der Almen und ihre ökologischen Funktionen. Die Erhaltung der Almen muss unser aller Anliegen sein, dazu gehört auch gegenseitige Rücksichtnahme auf den bewirtschafteten Flächen“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Unterstützungsleistungen vom Land OÖ für eine aktive Almbewirtschaftung

Das Land Oberösterreich leistet durch die Arbeit der Abteilung Ländliche Neuordnung (Agrarbehörde OÖ) im Almbereich einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung und Entwicklung einer zeitgemäßen Almbewirtschaftung auf Oberösterreichs Almen. Die kapital- und arbeitsintensiven Leistungen der Almbewirtschafter ermöglichen den hohen Erholungswert der Almen für die Gesellschaft und vor allem auch für den Tourismus. Dieses öffentliche Gut zur Freizeit und Wohlfahrtsnutzung wird von der Agrarbehörde OÖ mit Fördermitteln und fachlicher Betreuung entsprechend unterstützt. „Unsere Almen haben einen hohen Wert für Oberösterreich - agrarisch, kulturell und auch ökologisch. Sie sind unersetzbar für den stark zunehmenden Wandertourismus und bieten für viele Menschen die Möglichkeit, aktiv mit der Landwirtschaft in Kontakt zu kommen. Es ist daher mehr als gerechtfertigt, dass wir seitens der öffentlichen Hand die Almwirtschaft unterstützen. Im Vergleich zum privaten Engagement und der eingebrachten Leistung der Almbewirtschafter sind die öffentlichen Leistungen untergeordnet, zeigen aber klar das öffentliche Interesse an einer florierenden Almwirtschaft. Die Abteilung Ländliche Neuordnung leistet wichtige Arbeit, um unsere grünen Dächer zu erhalten“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Almförderung für Investitionen und Almentwicklungsmaßnahmen

Jährlich setzt die Abteilung Ländliche Neuordnung (Agrarbehörde OÖ) ca. 30 bis 60 Almförderungsprojekte um. Diese betreffen den Neubau- oder die Renovierung von Almwirtschaftsgebäuden in regionaltypischer Bauweise, die Wasser- und Energieversorgung auf Almen und die Neuschaffung von Almweideflächen durch Rodung und Wegebau. Die Projektbegleitung umfasst die Planung, Umsetzung und Förderung der notwendigen Maßnahmen projektiert, umgesetzt und einer Förderung zugeführt. Ein besonderer Erfolg war und ist die Fördermaßnahme „Errichtung von regionaltypischen Holzdächern“ auf Oberösterreichs Almgebäuden. Seit nunmehr knapp 30 Jahren werden 95 Prozent aller neuen Almgebäudedächer in Oberösterreich mit Holzschindeln oder Holzbrettern eingedeckt! Der Erhalt alter Gebäude mit ihren Holzschindeldächern und traditioneller Zaunformen dient auch der Erhaltung der dabei angewendeten Handwerkstechniken. Bäuerliche Kultur spiegelt sich in der Almwirtschaft. „Die Almwirtschaft bezieht ihren besonderen Reiz auch aus dem reichen kulturellen Erbe, von der spezifischen Baukultur bis hin zum Brauchtum. Traditionelle Almabtriebe, Almfeste und die Erhaltung der Almhütten sind alle abhängig von einer aktiven Almwirtschaft, der Bestoßung der Almen mit Weidetieren“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger. Insgesamt wurden seit 2007 in Oberösterreich 35 neue Almwirtschaftsgebäude errichtet, weitere sind in Bau oder in Planung.

Neuschaffung und Wiederherstellung von Almweideflächen durch Rodung

Derzeit sind in allen oberösterreichischen Almregionen mehrere große integrale Wald- Weide Neuordnungsprojekte der Agrarbehörde OÖ mit dem Ziel einer Trennung von Wald und Weide anhängig. Voraussetzungen für das Gelingen dieser Projekte sind die gute Zusammenarbeit der Fachexperten aus den Bereichen Almwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz in Oberösterreich bei der Planung und Umsetzung dieser Maßnahmen, der große Einsatz der Pressefahrt Alm 15.07.2021 Almbauern bei Arbeitsleistung und Finanzierung und deren Unterstützung durch ein gutes und effizientes Almfördersystem. Seit dem Jahr 2002 sind auf Oberösterreichs Almen im Zuge von mehr als 50 Verfahren nach dem Einforstungsrechtegesetz bzw. nach dem Forstgesetz mehr als 250 ha Almweideflächen durch Rodung neu geschaffen worden. Im Gegenzug konnten in den letzten Jahren durchschnittlich 550 ha pro Jahr an Waldflächen von den darauf lastenden Waldweiderechten entlastet werden.

Beispiele Neuschaffung von Reinweideflächen durch Rodung im Bezirk Gmunden

  • Kösslalm, Gemeinde Ebensee : 7,5 Hektar
  • Laudereralm, Gemeinde Ebensee : 14 Hektar
  • Marxenalmen, Gemeinde Gosau : 15 Hektar

Das Land Oberösterreich unterstützte diese Maßnahmen mit durchschnittlich 3.000 Euro pro Hektar. Diese Projekte stellen einen wesentlichen Beitrag zu einer zeitgemäßen und nachhaltigen Almbewirtschaftung dar, und tragen entscheidend zur Existenzsicherung der daran beteiligten bergbäuerlichen Betriebe bei.

Weitere Leistungen des Landes OÖ für die Almbewirtschafter

  • Sicherung der Ertragsfähigkeit der Almen und der Ausübbarkeit bestehender Weiderechte aktiver bergbäuerlicher Betriebe durch geeignete Maßnahmen.

  1. Übertragung von Weiderechten auslaufender Betriebe oder nicht benötigter Weiderechte auf landwirtschaftliche Betriebe, die Weiderechte zur Existenzsicherung benötigen.
  2. Ablöse von entbehrlichen Heimweide- und Almweiderechten in Geld und in weiterer Folge in Grund und Boden bzw. in Holzbezugsrechte.
  3. Insgesamt besitzen in Oberösterreich ~ 400 Liegenschaften Almweiderechte im Ausmaß von 3500 GVE. Annähernd 25 % dieser Weiderechte werden in Oberösterreich in regional unterschiedlichem Ausmaß ausgeübt.

  • Durchführung von notwendigen Vermessungsmaßnahmen auf Almen
  • Beratung und Sachverständigenleistungen in Almangelegenheiten
  • Almschutz und Almentwicklung nach dem Alm- und Kulturflächenschutzgesetz
  • Bauliche Adaptierungsmaßnahmen von Almwirtschaftsgebäuden zum Zwecke eines Almausschankes als Nebengewerbe der Land- und Forstwirtschaft gemäß Gewerbeordnung. (Definition Almausschank: die Verabreichung und das Ausschenken selbsterzeugter Produkte, sowie von ortsüblichen, in Flaschen abgefüllten Getränken im Rahmen der Almwirtschaft“)
  • Vertretung almwirtschaftlicher Interessen bei Maßnahmen von Tourismus, Naturschutz und in Almgebieten.

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Kommentare

  1. Harald Rapold
    Harald Rapold16.07.2021 21:32 Uhr

    Holzschindeln von der Schindelheimat Harald Rapold aus Lofer - ich möchte mich auf diesem Wege bedanken für den Erhalt der Holzschindeldächer auf den Almen. Dafür hat sich schon mein Großvater Karl Albert Rapold in den 30er Jahren eingesetzt! Ich habe in meiner Firma außer dem Handel von Holzschindeln die von meinen externen Schindelwerkstätten stammen, auch eine eigene ganzjährige Produktion. Weitere Infos siehe bitte meinen www.schindelkatalog.at



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