Gewaltambulanz am Kepler Uniklinikum Linz gestartet
OÖ/LINZ. (Update) Nach zahlreichen Forderung und Auftrag des Landes OÖ ist am Med Campus der Kepler Uniklinik Linz nun eine Gewaltambulanz umgesetzt und gestartet, wie das KUK am Dienstag mitteilt. Die neue Ambulanz ist zentrale Anlaufstelle für von Gewalt betroffene Menschen für rasche und niederschwellige Hilfe, unabhängig davon, ob Anzeige erfolgt.

(Online seit 24. Februar, 9.44 Uhr, Update 20 Uhr)
Der Aufschrei war groß, nachdem im Mai vergangenen Jahres eine Frau nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung nach zuvor erfolgter Erstaufnahme am Kepler Uniklinikum doch abgewiesen wurde, weil es sich nicht um das Aufnahmespital handelte. Zahlreiche Vereine und Initiativen forderten daraufhin erneut die Errichtung einer Gewaltambulanz in Oberösterreich. Das Land OÖ erteilte den Auftrag an die Oö. Gesundheitsholding zur Etablierung einer solchen.
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Speziell ausgebildete Forensik Nurse, 24/7-Erreichbarkeit
Wie das KUK am Dienstag mitteilt, besteht die Ambulanz nun. Die neue Einrichtung ist derzeit räumlich im Bereich der Unfallambulanz angesiedelt. Dort steht eine speziell ausgebildete Forensik Nurse zur Verfügung.
Die Aufgaben der Gewaltambulanz gehen über die Akutversorgung hinaus. Die Forensik Nurse unterstützt und berät Betroffene, arbeitet in enger Abstimmung mit der Gerichtsmedizin bei der Spurensicherung für gerichtsfeste Dokumentation und sensibilisiert und schult das Personal im Umgang mit Gewaltopfern. Auch Kontakt zu Opferschutzeinrichtungen wird vermittelt.
Außerhalb ihrer Dienstzeiten übernehmen Fachkräfte von Fachambulanzen die Versorgung nach akuten Gewaltereignissen, womit eine 24/7-Erreichbarkeit gewährleistet ist, teilt das KUK mit.
„Zentrale Anlaufstelle“
„Mit der Gewaltambulanz haben wir eine zentrale Anlaufstelle für Opfer von Gewalt geschaffen und leisten einen wichtigen Beitrag zur Rechtssicherheit und Prävention“, betont Karl-Heinz Stadlbauer, Ärztlicher Direktor des KUK.
„Die Gewaltambulanz ist ein wichtiger Schritt für den Schutz von Gewaltopfern und ein klares Bekenntnis zu einer Gesellschaft, in der Gewalt keinen Platz hat. Sie verbindet medizinische Versorgung mit Prävention, Rechtssicherheit und Menschlichkeit – genau das brauchen Betroffene“, ist Gesundheits- und Frauenlandesrätin, LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) überzeugt.
Interdisziplinäres Team
Die Gewaltambulanz arbeitet interdisziplinär: Neben der Unfallchirurgie sind auch Fachbereiche wie Gynäkologie, Kinderheilkunde, Kinderchirurgie, Psychologie und Sozialarbeit eingebunden. „Unser bestehendes Gewaltopfer-Betreuungsteam bringt seine langjährige Erfahrung ein und wird die neue Gewaltambulanz maßgeblich mitgestalten“, erklärt Monika Kern, Leiterin der Klinischen Sozialarbeit.
Ausbau geplant
Langfristig soll die Einrichtung zu einem umfassenden Zentrum für klinisch-forensische Versorgung ausgebaut werden, heißt es vom KUK. „Unser erklärtes Ziel ist, dass Opfer von Gewalt am Kepler Universitätsklinikum bestmöglich betreut, beraten und behandelt werden“, so der Ärztlicher Direktor.
Update: Grüne: „Wichtige Neuerung“
Stark eingesetzt für eine Gewaltambulanz in Oberösterreich hatten sich auch die oö. Grünen und Frauenorganisationen. „Eine eigene Gewaltambulanz war überfällig. Dass es sie am KUK nun gibt, ist ein Erfolg, ein weiteres wichtiges Instrument im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen. Sie ist eine Neuerung, die aber auch hart errungen war“, so die Grüne Frauensprecherin Dagmar Engl. „Die Ausbaupläne zu einem Zentrum für klinisch-forensische Versorgung sind erfreulich.“ Sie verweist auch auf den Beitrag zur Strafverfolgung, den Gewaltambulanzen leisten.


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