Stanek: „Durchaus hart diskutieren, aber respektvoll und wertschätzend“
OÖ. Nach sechsjähriger Amtszeit gibt Viktor Sigl die Position des Landtagspräsidenten ab. Sein Nachfolger, der Wilheringer Wolfgang Stanek, wurde am Donnerstag, 30. Jänner, feierlich angelobt. Nur einen Tag später haben wir uns ausführlich mit ihm über seine neue Tätigkeit unterhalten.

Tips: Sie sind seit 1991 Abgeordneter zum Landtag. Welche Bedeutung hat diese Institution für Sie?
Wolfgang Stanek: Eine sehr hohe. Weil der Oö. Landtag eine politische Ebene ist, wo sehr wohl wichtige Gesetze für die Menschen in diesem Land getroffen werden und er aufgrund der Größe des Landes und der Anzahl seiner Abgeordneten ein hohes Maß sicherstellt, dass der einzelne Abgeordnete wirklich mit den Menschen im Land oder seinem Wahlkreis noch Kontakt haben kann.
Tips: Landesgesetzgebung wird immer unbedeutender. Warum sind Landtage dennoch ein wichtiges Instrument?
Stanek: Oberösterreich schneidet aufgrund vieler Eckdaten im Vergleich zu anderen Regionen – nicht nur in Österreich, sondern auch darüber hinaus – sehr gut ab, weil wir durchaus auch die Landesgesetzgebung ernst nehmen. Eine ganz wesentliche Rolle hat der Landtag auch, entsprechende Resolutionen als politische Meinung Richtung Wien zu schicken. Und es gelingt ja auch relativ häufig, dass wir diese einstimmig verabschieden können. Damit bekommen diese Resolutionen natürlich auch ein entsprechendes Gewicht.
Tips: Wie werden Sie Ihre Rolle als Landtagspräsident ausüben?
Stanek: Als Landtagspräsident habe ich erstens neben dem Landeshauptmann auch vor allem eine hohe repräsentative Rolle. Zweitens, und das sehe ich als ganz, ganz wichtige Aufgabe, eine auch sehr stark verbindende Rolle in diesem Land. Das heißt, ich möchte meine Sitzungsführung nicht streng, aber sehr wohl konsequent führen. Weil ich denke, dass eine Sitzung im Landtag stark davon lebt, dass man sagen kann, es wird in der Sache durchaus hart diskutiert, es wird versucht, andere zu überzeugen, es wird versucht, sich bestmöglich nach den eigenen Werten für die Lösung einer Sache einzusetzen, aber man geht vernünftig, ordentlich, wertschätzend und respektvoll miteinander um. Wir sind in Oberösterreich sehr stolz, das möchte ich ausdrücklich betonen: Ich bin jetzt 28 Jahre im Landtag, ohne Übertreibung, ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals einen Ordnungsruf gegeben hätte.
Tips: Was ist für Sie politisch ein absolutes No-Go und wo würden Sie auch als Landtagspräsident eingreifen?
Stanek: Überall dort, wo verbale Untergriffe stattfinden würden und wo vor allem übers Ziel hinausgeschossen wird. Dort würde ich eingreifen, aber auch in solchen Fällen zuerst einmal das persönliche Gespräch mit dem Abgeordneten suchen. Wenn er dann erkennt, dass das nicht ok war und sich entschuldigt, ist das für mich auch eine gewisse Art von menschlicher Größe.
Tips: Gibt es etwas, das Sie sich von Ihrem Vorgänger Viktor Sigl abgeschaut haben?
Stanek: Die Ruhe, mit der er die Sitzungen geleitet hat, das hat mich immer beeindruckt. Auch wie er mit den Menschen umgegangen ist, war für mich immer etwas Wertvolles und Wertschätzendes.
Tips: Wie kann man als Landtagspräsident auf das Demokratieverständnis der Bevölkerung einwirken?
Stanek: Ein ganz wesentlicher Punkt ist der, nicht nur von Werten in der Politik zu reden, sondern diese Werte auch zu leben. Auch wenn das nicht immer ganz leicht ist. Ich glaube, das ist ein Beitrag, wieder verstärkt positives Bewusstsein für Politik zu entwickeln. Ganz wichtig ist da auch politische Bildung in den Schulen, politisches Bewusstsein bei den Schülern und den Menschen generell zu wecken, dass Politik etwas Faszinierendes und Wichtiges ist, weil es um die Zukunft geht.
Tips: Wie sehr ändert sich durch das Amt des Landtagspräsidenten Ihr Alltag?
Stanek: Mit meiner 28-jährigen Erfahrung im Parlament habe ich das Glück, dass nicht alles neu für mich ist – und das hilft. Ich freue mich wahnsinnig auf die Funktion, gehe aber mit hohem Respekt und auch einer entsprechenden Demut an die Aufgabe heran. Die größte Änderung ist die, ich mache das jetzt hauptberuflich. Ich habe also meine Firma mit 31. Dezember 2019 ruhend gestellt. Das war mir auch wichtig, weil ich mich zu 100 Prozent auf diese Aufgabe jetzt konzentrieren möchte.
Tips: Haben Sie lange überlegen müssen, das zweithöchste politische Amt des Landes anzunehmen?
Stanek: Beim Gespräch mit dem Landeshauptmann war auf jeden Fall Freude da. Aber auch Dankbarkeit, weil für mich schon auch das Gefühl da war, offensichtlich war nicht alles falsch, was ich bisher gemacht habe. Das ist auch eine hohe Anerkennung. Ich habe das für mich persönlich in Rücksprache mit meiner Frau sehr schnell positiv entschieden. Besonders gefreut hat mich schon, dass ich einstimmig gewählt wurde. Da bin ich auch den anderen Parteien dankbar.
Tips: Herzlichen Dank für das Gespräch.


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