Digitale Kompetenz in Schulen: Ist „www“ so wichtig wie das „ABC“?
LINZ-LAND. Positiv reagierte Oberösterreichs Bildungsreferent und LH-Stv. Thomas Stelzer (ÖVP) kürzlich auf den Vorstoß von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ), an den heimischen Schulen verstärkt „digitale Kompetenz“ zu unterrichten. Wir haben uns im Bezirk umgehört, was Schüler und Pädagogen von dem Vorschlag halten.

von ELISABETH ZEILINGER
„In Zeiten von Fake-News ist es wichtig, dass Kinder in der Lage sind, sich kritisch mit Online-Inhalten auseinanderzusetzen“, so Stelzer. Für den Bildungsreferenten ist die digitale Kompetenz jedoch mehr als der richtige Umgang mit Fake-News im Internet: „Unser Bildungssystem ist in der Frage der Digitalisierung noch nicht ganz im 21. Jahrhundert angekommen. Klar ist, dass das „www“ heutzutage genauso wichtig ist wie das „ABC“. Es hat aber noch nicht denselben Stellenwert im Klassenzimmer. Wir müssen raus aus der „Kreidezeit“ und rein ins digitale Klassenzimmer.“
Zusätzliche Fortbildungen
Der Vorschlag von Bundesministerin Hammerschmid wird auch von Dietmar Lackner, Direktor der NMS Ansfelden (Schule mit IT-Schwerpunkt) klar befürwortet: „Die digitale Welt und ihre Auswirkungen sind für unsere Kinder ein Teil des täglichen Lebens. Entsprechend dieser Anforderungen, sollen sie auch in der Schule darauf vorbereitet werden. Ein eigener Unterrichtsgegenstand allein wird aber nicht ausreichen, der Umgang mit den neuen Medien muss auch zum Unterrichtsprinzip werden“, betont Lackner. An der NMS Ansfelden werden, neben dem regulären Unterricht, zu diesem Thema zusätzlich mit den Schülern Workshops, unter anderem zum Thema Cybermobbing, durchgeführt und auch die Lehrer nehmen laufend an Fortbildungen zu dieser Thematik teil. „Dafür ist natürlich viel Zeit notwendig. Ein eigener Unterrichtsgegenstand würde die Arbeit in diese Richtung unterstützen und den Kindern die Chance geben, mit Facebook und Co kontrollierter umzugehen“, so Lackner.
Volksschulen gefragt
Weitaus kritischer betrachtet Birgit Sailler, Direktorin der Volksschule Pasching den Vorstoß, digtiale Kompetenz als eigenes Schulfach zu etablieren: „Prinzipiell sollte man sich bei der Forderung nach neuen Schulfächern die Fragen stellen: Sind sie Teil des Bildungsauftrages der Pflichtschule oder nicht? Auf Kosten welcher anderer Schulfächer geht die Einführung eines neuen Unterrichtsgegenstandes? Wenn wir allen Wünschen nach zusätzlichen Unterrichtsfächern nachkämen, wären wir schnell bei einer 80-Stunden-Woche für Schüler. Meiner Meinung nach brauchen gerade Volksschulkinder noch genügend Zeit am Nachmittag, um wirklich noch ,Kind“ sein zu dürfen“, so Sailler.
Digitale Kompetenzen würden an der VS Pasching bereits in viele Unterrichtsfächer eingebunden und somit den Kindern vermittelt. Etwa in „Sachunterricht“ wird der sichere Umgang mit dem Internet gelehrt bevor man die Kinder auf die Recherche schickt. In „Deutsch“ werden die Kinder mit Textverarbeitungsprogrammen vertraut gemacht, damit sie Schriftstücke am PC verfassen können. „Wenn es Anlassfälle von (Cyber-)mobbing gibt, werden diese natürlich sofort in Unterrichtsgesprächen aufgenommen – egal in welchem Unterrichtsfach“, so Sailler.
Kritisches Denken für digitale Kompetenz notwendig
„Die Kinder wachsen mit dieser Technik mit größter Selbstverständlichkeit auf. Es ist also unvermeidbar sich dem Thema zu stellen und in gute Ausbildung und damit Begleitung zu investieren. Hier sollte und muss auch schon im Lehrerstudium diesem Lernfach Rechnung getragen werden. Ganz wichtig dabei: Immer mit einer ganz kritischen Betrachtungsweise, damit die Schüler zum Denken/Mitdenken animiert werden“, findet auch Christian Koblmüller, Kfm. Professor an der HAK/S Traun.
Aus Sicht der Schüler sieht Sebastian Winklhamer, Schulsprecher der HAK/S Traun klare Vorteile von digitaler Kompetenz: „Jeder sollte heutzutage die Grundlagen des Programmierens beherrschen und je früher ein Mensch damit anfängt es zu lernen umso besser ist es. Speziell der Umgang mit kritischen Situationen wie Hasspostings und Cybermobbing, spielen bei der Jugend von heute eine wesentliche Rolle. Denn wer nie lernt damit umzugehen, wird auch nie wissen was zu tun ist, wenn er selbst betroffen ist. Den Vorschlag der Peers, also dass die Jüngeren von den Älteren lernen finde ich sehr gut. Das Spiel wiederholt sich Jahr für Jahr – somit können aktuelle Erfahrungen gleichzeitig mitgeliefert werden.“


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