Anrainer-Protest gegen Asylquartier: „Das Objekt ist völlig ungeeignet“
RIED/RIEDMARK. Die Anrainer des ehemaligen Gasthauses „Conrads“ in der Ortschaft Hochstraß haben vergangene Woche gegen die vom Land geplante Unterkunft für Asylwerber in ihrem Dorf eine Bürgerversammlung einberufen. Auch Bürgermeister Christian Tauschek (SPÖ) versteht das „Drüberfahren“ nicht und hält das Objekt für nicht geeignet.

Rund 25 Asylwerber sollen schon bald im ersten Stock des ehemaligen Gasthauses in Hochstraß ihr Quartier beziehen. Dagegen lehnen sich aber die Bewohner auf und machten ihrem Unmut vergangene Woche sogar bei einer Versammlung anlässlich eines Pressetermines Luft. „Wenn die hier einziehen, dann sehen sie direkt in meinen Garten und auch in den der Nachbarn. Wir sind weg vom Schuss, bei uns fährt am Wochenende nicht mal ein Bus, was sollen die denn den ganzen Tag hier tun“, ärgert sich Rupert Wansch, einer der Anrainer. „Die zuständige Politik meldet sich nicht. Es ist traurig, dass wir alle erst etwas erfahren, wenn es beschlossene Sache ist.
Auch Bürgermeister Christian Tauschek versteht die Unruhe in der Bevölkerung: „Wir haben erst am 8. November ein Schreiben bekommen, dass das Objekt gemietet wird und Mitte November schon Asylwerber einziehen sollen. Man kann doch so nicht mit einer Gemeinde umgehen. Wir konnten so die Leute nicht mal rechtzeitig informieren.“
Tatsächlich dürfte es aber im Sommer schon erste Gespräche mit der Gemeinde gegeben haben. Im Oktober gab es dann auch eine Gesprächsrunde mit dem Roten Kreuz, welches die Asylunterkunft auch betreuen soll. Tauschek fehlt die rechtzeitige Information aber dennoch und er hält das Objekt auch nicht für geeignet, weil es sich zu weit vom „Schuss“ befinde. „Wir wollen Leute aufnehmen und haben das auch 2015 gemacht und auch gezeigt, wie Integration geht. Damals konnten wir die Bevölkerung gleich miteinbinden. Das war alles kein Problem, aber jetzt hat man uns einfach überrumpelt.“
Land sucht seit Monaten nach geeigneten Quartieren
Seitens der Grundversorgungsstelle des Landes Oberösterreich wird allerdings informiert, dass aufgrund der aktuellen Lage (tagtäglich kommen mehrere Hundert neue Asylwerber) die Gemeinden mehrfach und bereits vor Monaten ersucht wurden, mögliche Quartiere zu melden, da diese dringend benötigt werden. Das Land habe hier eine gesetzliche Verpflichtung gegenüber dem Bund, dem nachgekommen werden muss. Der zuständige Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer dazu: „Wenn tagtäglich mehrere Hundert illegale Migranten dazukommen, bringt das unsere Systeme an die Grenzen und ist auf Dauer für die Bevölkerung nicht zumutbar. Das Problem muss an seiner Wurzel angepackt werden. Der unkontrollierte Zustrom muss gestoppt werden. Wenn die EU nicht willens ist Maßnahmen zu setzen, muss Österreich selbst geeignete Maßnahmen setzen, um seinen Grenzschutz zu stärken.“
Den breiten Bürgerprotest dürfte das allerdings nicht beruhigen. Alleine vergangene Woche haben sich 130 Bewohner in Hochstraß versammelt, um gegen das Quartier mobil zu machen. „Uns erreichen täglich zahlreiche Meldungen wegen eines geplanten Asylquartiers direkt neben der Volksschule im Bereich Hochstraß“, meldet sich auch die Perger FP-Bezirksobfrau Nationalratsabgeordnete Rosa Ecker zu Wort und fügt noch hinzu. „Die Bürger dürfen nicht alleine gelassen werden. Es geht um die Sicherheit unserer Kinder.“ Damit schlägt sie genau in die Kerbe der Meinungen in der Bevölkerung. „Wir haben Angst, meine Frau kann schon nicht mehr schlafen“, sagt Nachbar Rupert Wansch.
Infoabend geplant für die Bewohner
Bürgermeister Christian Tauschek möchte deshalb zeitnah zu einem Infoabend laden, um die Gemüter zu beruhigen. Auch das Rote Kreuz soll als Betreuungsorganisation dabei sein. Die Veranstaltung soll genutzt werden, um Sorgen zu nehmen, nicht um die Stimmung weiter aufzuheizen. Die Tips-Recherche hat ergeben, dass man sich auch bemühen würde, nicht nur junge Männer in Hochstraß einziehen zu lassen, damit die Belegung auch an die Bedürfnisse der Anrainer angepasst sein wird.


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