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Krisengipfel der Frauenberatungsstellen: „Brauchen mehr Geld für unsere Kernleistungen“

Michaela Primessnig, 09.03.2022 06:59

OÖ/PERG. Während Gewaltschutzzentren in größeren Städten über das Gewaltschutzpaket mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden, fehlen in den Frauenberatungsstellen in den Bezirken die nötigen Gelder für den laufenden Betrieb, obwohl sie die erste Anlaufstelle für betroffene Frauen sind. Grund genug für einen Krisengipfel.

Heidi Wabro, Gabi Schauer und Gertraud Jahn (re.) luden Klaudia Frieben (Frauenring Österreich) zum Netzwerktreffen der oö. Frauenberatungsstellen. (Foto: Primeßnig)

Während die Personalkosten für die Mitarbeiterinnen und auch die übrigen laufenden Kosten entsprechend gestiegen sind, wurden die Förderungen des Frauenministeriums in den vergangenen zehn Jahren nur gering und die des Landes überhaupt nicht erhöht, kritisieren zahlreiche Vertreterinnen von Frauenberatungsstellen bei einem Krisengipfel in Perg. Viele Einrichtungen konnten sich nur durch Stundenkürzungen bei den Mitarbeiterinnen und über verschiedene Projekte über Wasser halten. „Um die Beratung von Frauen in schwierigen Lebenslagen aufrechterhalten zu können, braucht es dringend eine langfristige finanzielle Absicherung, mehr Mittel, um den betroffenen Frauen gute Unterstützung geben zu können und eine Abgeltung der jährlichen Kostensteigerungen“, betont Gerti Jahn, die Vorsitzende der Frauenberatung Perg.

Kürzungen oder zusperren?

In einem Gespräch mit der Vorsitzenden des Österreichischen Frauenrings, Klaudia Frieben, und Elisabeth Cinatl, der Vorsitzenden des Netzwerks der österreichischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen, berieten Vertreterinnen von Frauenberatungsstellen aus ganz Oberösterreich vergangene Woche in Perg, wie sie sich in dieser bedrohlichen Lage Gehör verschaffen können. „Wenn wir nicht bis Mitte des Jahres Klarheit haben, dass es zu einer Aufstockung der Förderungen kommt, müssen wir in Perg noch heuer bei den Mitarbeiterinnen Stunden kürzen und im kommenden Jahr womöglich ganz zusperren“, so Jahn.

Steigenden Beratungszahlen

Die Situation ist aber nicht nur in Perg prekär, auch zahlreiche weitere Beratungsstellen in Oberösterreich sind betroffen, obwohl sie die niederschwelligsten Gewaltschutzeinrichtungen sind. Eine Aufstockung der Gelder ist bei fast allen Fehlanzeige, obwohl in den vergangenen Jahren die Anzahl der Beratungen aber in allen Beratungsstellen gestiegen ist. Will man mehr Gelder lukrieren, kann es nur über zusätzliche Projekte funktionieren, wodurch aber weniger Zeit für den eigentlichen Beratungsbetrieb bleibt.

Gemeinsame Forderungen

„So einen Schlamassel wie jetzt hatten wir noch nie“, ärgert sich Klaudia Frieben, die das Problem auch aus anderen Bundesländern kennt. „Wir brauchen mehrjährige Rahmenverträge und Planungssicherheit.“ Elisabeth Cinatl vom Österreichischen Frauennetzwerk kündigte an, dass man nun verstärkt initiativ werden wird, um alle österreichischen Frauenberatungsstellen besser zu vernetzen, um Forderungen durchzusetzen. Das gemeinsame Ziel ist, dass Frauenberatungsstellen gesetzlich verankert werden und dass die Kernleistung der Beratung mit langfristigen Fördervereinbarungen abgesichert wird.


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