Zu heiß und zu trocken: Bezirk Ried mit Minusrekord beim Niederschlag
RIED. Oberösterreich bekommt die monatelange Trockenheit von allen Bundesländern am stärksten zu spüren. Neben dem Zentralraum ist der Bezirk Ried besonders betroffen. Noch nie hat es hier im Sommer so wenig geregnet. (von WALTER HORN)

Umwelt-Landesrat Rudi Anschober präsentierte alarmierende Zahlen zur Klimakrise. Die Durchschnittstemperatur im August lag um 4,2 Grad über dem langjährigen Mittel, im gesamten Jahr war es im Schnitt 2,5 Grad wärmer. Der Sommer 2018 (Juni, Juli, August) ist nach den Zahlen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) der drittwärmste in der 252-jährigen Messgeschichte. Nur die Sommer 2003 und 2015 waren wärmer.
Drei „Jahrhundertsommer“
Auffallend ist, dass die elf wärmsten Sommer alle nach 1992 gemessen wurden. 2018 ist nach 2003 und 2015 schon der dritte „Jahrhundertsommer“ in den letzten 15 Jahren.
Im Gegensatz zu den heißen Sommern sind die trockenen Sommer über den Messzeitraum verstreut und treten nicht in einer Ära besonders gehäuft auf.
Dennoch sind die aktuellen Zahlen zur Niederschlagsmenge dramatisch. In Oberösterreich fielen von Jänner bis Ende August nur 71 Prozent des erwarteten Niederschlags. Bedingt durch lokale Gewitter mit Starkregen gibt es hier jedoch große regionale Unterschiede.
Minusrekord im Bezirk Ried
Im Bezirk Ried fiel von Jänner bis Ende August mit 439 Millimetern nur die Hälfte des langjährigen Durchschnitts von 879 Millimetern. In den drei Sommermonaten sank die Niederschlagsmenge sogar auf etwas mehr als ein Drittel des Normalwertes ab. Die an der Messstation Ried gemessenen 190 Millimeter Niederschlag sind ein neuer Minusrekord. Der Mittelwert liegt bei 517 Millimetern.
Auswirkungen für die Bauern
Der Obmann der Bezirksbauernkammer Ried, Josef Diermayer, berichtet, dass die Hörndlbauern stärker betroffen sind als die Körndlbauern. Bei Gerste und Weizen sei die Lage fast normal, beim Mais gebe es starke regionale Unterschiede. „An manchen Standorten hat es seit Mai nicht mehr geregnet. Das führt natürlich zu Einbußen.“
Die Grünlandbetriebe sind aber schon seit dem ersten Schnitt im Frühjahr mit massiven Ertragsausfällen konfrontiert. Diermayer: „Manche Kollegen sprechen von 50 bis 60 Prozent Einbußen.“
Abwärtsspirale für Viehhalter
Für viele Viehhalter setzt sich dadurch eine Abwärtsspirale in Gang. Weil sie nicht genug Futter ernten können, müssen sie Ersatzfutter zukaufen. Durch die gestiegene Nachfrage sind aber die Preise für Heu, Silage und Silomais deutlich gestiegen und haben sich teilweise verdoppelt.
Verkaufen ist auch keine Lösung, erklärt Diermayer, denn die Situation im Export sei schlecht – zum Teil bedingt durch die Russland-Sanktionen, aktuell aber auch durch den Sinkflug der türkischen Lira. Durch das Überangebot sinken die Preise auch in anderen Ländern.
Diermayer rechnet damit, dass sich die Bauern auf Änderungen beim Grundfutteranbau einstellen müssen: „Wenn es in Zukunft mehr Dürrezeiten gibt, müssen wir wohl zum Ausgleich mehr andere Sorten, wie zum Beispiel Luzernen, anbauen. Das ist ein Tiefwurzler, der die Hitze besser übersteht als die normalen Gräser.“
Borkenkäfer
Die oberösterreichischen Waldbesitzer leiden zusätzlich noch unter dem bisher stärksten Befall durch Borkenkäfer. Betroffen sind fast ausschließlich Fichten, die mit rund 63 Prozent des Bestandes die häufigste Baumart in Oberösterreich sind. Zu der katastrophalen Situation tragen mehrere Faktoren bei.
Weil es heuer schon früh warm war, konnten die Käfer ihren ersten Flug früher antreten und daher öfter brüten – eine Entwicklung, die im erwarteten warmen Herbst fortgesetzt wird. Durch das trockene und heiße Wetter blühten die Fichten nach 2017 auch heuer wieder, was normalerweise nur etwa alle vier Jahre vorkommt. Die Blüte kostet die Bäume viel Energie und macht sie zusammen mit der Trockenheit noch anfälliger für den Borkenkäfer.
Die Landwirtschaftskammer rechnet für das ganze Jahr mit bis zu 1,3 Millionen Festmeter schadhaftes Holz – doppelt so viel wie im Vorjahr. Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger: „Das ist eine Katastrophe!“


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