Hofer und Haimbuchner: Für Auto und Hymne, gegen Türkis und Grün
RIED. Ein wenig ruhiger als in den letzten Jahren verlief der „Politische Aschermittwoch“ der FPÖ in der Jahnturnhalle, weil Parteiobmann Norbert Hofer weniger aggressiv austeilte als sein Vorgänger Strache. Die „Abteilung Attacke“ übernahm zu einem großen Teil der Landesvorsitzende Manfred Haimbuchner.

Erwartungsgemäß griffen Hofer und Haimbuchner vor allem die türkis-grüne Regierung an, deren Motto offenbar „Verbote, Verbote, Verbote“ sei; der ORF kam relativ ungeschoren davon.
Die Jahnturnhalle war zwar voll, allerdings waren die Tische der VIPs und Ehrengäste, darunter Ursula Stenzel, vor der Bühne aufgebaut und nicht auf der Bühne. Ein weiterer Unterschied zu den bisherigen FPÖ-Veranstaltungen in Ried: Hofer und Haimbuchner stießen vor den Reden mit Wein an.
„Ich bin ein Rechter!“
Haimbuchner wehrte sich gegen innerparteiliche Kritik, er sei zu liberal: „Ich bin ein überzeugter Rechter!“
Dabei wurde er beinahe poetisch: „Die FPÖ ist der Fels des gesunden Menschenverstandes in der irrlichternden Brandung der linken Wolkenkuckucksheime“.
Für die nächste Landtagswahl nannte er als Ziel, zweitstärkste Partei zu werden: „Es darf auch 2021 kein Weg an uns vorbeiführen.“
Die FPÖ werde sich „stark machen gegen einen Staat, der mit immer mehr Gesetzen und Verboten unbescholtene Bürger drangsaliert“. Haimbuchner: „Wir Freiheitlichen akzeptieren keine weiteren Einschränkungen unserer Bürgerrechte.“
„Verantwortungslose Gesellen“
Seit die FPÖ nicht mehr in der Regierung sei, werkten dort „verantwortungslose Gesellen und Kommunisten aller Schattierungen“. Die Grünen bezeichnete er als „linkslinke Moralisten“ und „Klimataliban“.
Beim Thema Klimawandel und Umweltschutz bestritt er, dass Österreich mit 0,17 Prozent Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß einen weltweit wirksamen Beitrag leisten könne, und meinte dass die FPÖ für den Umweltschutz „mehr geschafft“ habe als die Grünen.
Haimbuchner sprach sich gegen Überwachung und „staatliche Schnüffelei“ aus und stellte sich vor viele fleißig auf sozialen Medien aktive FPÖ-Anhänger und erneuerte seine Kritik an dem geplanten Netzwerkdurchsetzungsgesetz: „Firmen und Konzerne und nicht mehr ordentliche, unabhängige Gerichte sollen dann entscheiden dürfen, ob ein Kommentar oder Posting gegen Gesetze oder gegen die guten Sitten verstößt.“
An der Landeshymne dürfe nicht gerüttelt werden: „Keine Silbe, kein Bestrich, kein Punkt.“
Hofer: „FPÖ ist nicht Mainstream“
FPÖ-Obmann Hofer begann mit der Feststellung, dass die FPÖ „nicht Mainstream“ sei. Er trauert offenbar noch der verlorenen Präsidentenwahl nach: Diesem Thema widmete er gleich am Anfang seiner Rede überraschend viel Raum.
„Wie eine Schwarze Witwe“
Am schärfsten kritisierte er jedoch die ÖVP. „Lasst euch nicht hereinlegen“, rief er seinen Zuhörern zu, „es geht der ÖVP niemals um die großen Themen, sondern nur darum, wie man sich die eigene Macht sichern kann.“
Die ÖVP gehe ihren Weg „wie eine Schwarze Witwe: Erst die SPÖ ruinieren, dann die FPÖ beschädigen, und die Nächsten sind die Grünen.“
Über Bundeskanzler Kurz sagte Hofer: „Der tut ja nichts. Er ist so oft auf Reisen, dass ich das Gefühl habe, er ist auf der Flucht.“
Das Projekt Kurz werde „scheitern, weil es eine hohle Nuss ist“.
„Keine Landschaftsgärtner“
Hofer kritisierte auch den Grünen Wehrsprecher David Stögmüller, der gesagt habe, er wolle „keine Zwangsrekrutierten beim Bundesheer“. Hofer: „Ich will, dass auch die nächsten Generationen im Bundesheer dienen und nicht Landschaftsgärtner werden.“
Die vorige Regierung habe „großartige Arbeit“ geleistet – „aber nicht wegen der ÖVP“. Dabei lobte er den ehemaligen Innenminister Kickl, bei dessen Namensnennung die Zuhörer jedes Mal applaudierten.
Pläne der neuen Regierung kritisierte Hofer: „Eine Behörde, die die Polizei überwacht, hätte es mit uns nicht gegeben!“
„Wir brauchen das Auto!“
Er verstehe auch die „Angst der Grünen vor dem Auto“ nicht: „Wir brauchen das Auto. Es ist ein Stück Freiheit, das wir uns nicht nehmen lassen.“
Den „Fridays for Future“-Demonstranten unterstellte er, dass es ihnen „wahrscheinlich nur darum geht, ein paar Stunden zu schwänzen“.
In der EU brauche Österreich eine Allianz, um sich besser durchzusetzen – aber nicht mit Deutschland, Frankreich oder den Benelux-Staaten, sondern mit den Visegrad-Staaten: „Orban ist der Mann, auf den man sich verlassen kann!“
„Tuner ausbauen“
Hofers eigentlich erwartete ORF-Kritik beschränkte sich darauf, zu erzählen „was uns der ORF angetan hat“, als der Sender im Februar 2018 bei einem Beitrag die ablehnende Reaktion des damaligen Tiroler FPÖ-Spitzenkandidaten Markus Abwerzger auf einen Nazi-Sager eines Passanten nicht sendete. Seine Reaktion, die er auch den Zuhörern empfahl: „Ich werde bei meinen TV-Geräten den Tuner ausbauen lassen. Dann bin ich nicht mehr GIS-pflichtig.“
„Habe alles gegeben“
Vor dem abschließenden Dank an seine Anhänger stellte er noch einmal sein persönliches Engagement für die Rettung der FPÖ in den letzten Monaten in den Mittelpunkt: „Ich habe alles gegeben, was ich kann, um diese Partei zu retten – emotional, psychisch und physisch. Alle – auch meine Familie – haben gelitten und gesehen, wie nahe es mir ging. Das war die härteste Zeit meines Lebens, schlimmer als mein Unfall.“


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