„Das Leben und nicht das Sterben steht bei uns im Vordergrund“

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Rosina Pixner Rosina Pixner, Tips Redaktion, 03.12.2021 08:58 Uhr

RIED. Die vier Organisationen, Vinzenz Gruppe, Barmherzige Brüder, die elisabethinen linz-wien und das OÖ Rote Kreuz haben ihre Hospiz-Erfahrung in ein gemeinsames Konzept eingebracht und die St. Barbara Hospiz GmbH als Betriebsgesellschaft gegründet. Im Februar öffnet das St. Barbara Hospiz in Ried seine Pforten. Nadine Guntner wird das Hospiz in Ried leiten. Die 32-Jährige ist verheiratet, hat zwei Söhne (Liam und Jorin).

Tips: Das Sankt Barbara Hospiz öffnet im Februar 2022 seine Pforten. Wie viele Menschen können aufgenommen werden?

Nadine Guntner: Bis zu sechs Bewohner, die aufgrund einer lebensverkürzenden Erkrankung in ihrer letzten Lebensphase sind, finden bei uns ihre letzte Lebensstätte. Sie werden in bunten Zimmern, welche sich einem bestimmten Thema aus der Natur widmen, ihr Zuhause finden. Alle Zimmer wurden mit Fototapeten, etwa die eines Birkenwaldes oder mit Blick auf das Meer, gestaltet. Personell werden diplomierte Pflegekräfte rund um die Uhr anwesend sein, diese werden von Fachsozialbetreuern mit Schwerpunkt Altenarbeit und von Pflegeassistenten unterstützt. Interdisziplinarität wird bei uns großgeschrieben. Im Hospiz werden auch neben den behandelnden Palliativmedizinern Seelsorger, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten sowie eine Sozialarbeiterin und die klinische Psychologie vertreten sein. Uns ist es wichtig, den Bewohner ganzheitlich zu betrachten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter werden vom Roten Kreuz gestellt und dürfen als wichtige Ressource im Hospiz betrachtet werden.

Tips: Sie sind diplomierte Krankenpflegerin und leiten das Hospiz in Ried. Was ist Ihnen besonders wichtig bei der Betreuung der Bewohner?

Nadine Guntner: Wir legen großen Wert auf bedürfnisorientierte Pflege. Wir wollen auf jeden Bewohner individuell eingehen. Das heißt, wenn jemand ausschlafen will, dann kann er das. Bei uns wird niemand um 7 Uhr geweckt. Ich möchte bestmöglich versuchen, das Leben hereinzuholen. Wir werden den Jahreskreis und das Kirchenjahr bewusst leben. Die Bewohner können rund um die Uhr Besuch empfangen, es kann jemand da schlafen, es gibt genug Raum und Zeit für Gespräche. Die Autonomie eines jeden Bewohners muss erhalten bleiben, es hat alles Platz und jeder kann das machen, was er auch daheim machen würde. Auch beim Essen gehen wir auf individuelle Wünsche ein. Wir richten auf schönem Geschirr an und fragen, was sich der Bewohner wünscht, denn ein Dreigänge-Menü ist manchen einfach zu viel.

Tips: Was ist der Unterschied zwischen Palliativstation und Hospiz?

Nadine Guntner: Eine Palliativstation ist eine Einrichtung, die ans Krankenhaus gebunden ist. Es geht um die medizinische Versorgung. Das stationäre Hospiz ist eine besondere Wohnform, die mit einer Langzeitpflegeeinrichtung vergleichbar ist. Natürlich ist bei uns auch der medizinische Aspekt wichtig, aber in erster Linie geht es um die Begleitung und dass das Leben und nicht das Sterben im Vordergrund steht.

Tips: Der Tod ist die letzte Dekade. Viele Menschen möchten sich mit dem Sterben nicht auseinandersetzen. Was sagen Sie den Angehörigen oder auch den Sterbenden, wenn sie Angst vor dem Tod haben? Wer begleitet sie in dieser Phase?

Nadine Guntner: Das kann jeder für sich entscheiden. Wir stehen zur Seite und sind immer für Fragen offen. Ich sehe es als gesellschaftliche Verantwortung, über das Thema Sterben und Tod zu sprechen. Gerade habe ich mich im Studium im Rahmen meiner Abschlussarbeit mit der Trauerbegleitung von Kindern beschäftigt. Von den Kleinsten kann so viel gelernt werden. Und wir sollten anfangen, bereits mit den Kindern darüber zu sprechen, so haben diese die Chance, im Erwachsenenalter besser damit umgehen zu können.

Tips: Wenn man täglich mit dem Tod konfrontiert ist, lebt man bewusster, sorgsamer?

Nadine Guntner: Ich arbeite seit 2012 im Hospiz und Palliativbereich. Ich bin reifer geworden, lebe reflektierter und achtsamer. Ich bin sehr dankbar, dass ich Menschen in einer so intimen Situation wie dem Sterben begleiten darf.

Tips: Wenn Sie im Pflegebereich etwas verändern könnten, was würden Sie als Erstes machen?

Nadine Guntner: Pflege braucht mehr Anerkennung, nicht nur in Form von Worten, auch in Bezahlung. Wir tragen tagtäglich eine Riesenverantwortung, da braucht es eine entsprechende Entlohnung, um dem Personalmangel entgegenzuwirken, und Anerkennung seitens der Politik, damit man junge Menschen bewegt, diesen wunderschönen Beruf auszuüben.

Tips: Pflege und insbesondere Hospizarbeit sind sehr herausfordernd. Warum haben Sie sich entschlossen, die Hospizleitung zu übernehmen, was waren Ihre Beweggründe?

Nadine Guntner: Ich bringe Erfahrung im spezialisierten Bereich mit und habe unter anderem bereits in einem stationären Hospiz gearbeitet. Seither war es immer ein berufliches Ziel, ein Hospiz mit aufbauen zu dürfen und dieses zu leiten.

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