Vom Flüchtlingsstrom, den Wahlen und der extremen Dürre: Ein ganzes Jahr von A bis Z
BEZIRK ROHRBACH. Zum Jahresende nehmen sich viele die Zeit, zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Auch wir wollen das auf diesen Seiten tun und erinnern an ein Jahr, das vor allem von der extremen Trockenheit und ihren Folgen, vom großen Wahljahr und vom Flüchtlingsstrom geprägt waren.

Arcus feierte Jubiläum: Seit 30 Jahren schafft das Sozialnetzwerk mit verschiedensten sozialen Einrichtungen und Diensten Perspektiven für die Menschen in der Region. Gefeiert wurde im April mit einer Fachtagung und einem besonderen Referenten: Georg Fraberger kam ohne Arme und ohne Beine zur Welt und hat trotzdem nie seinen Lebensmut verloren. In Lembach sprach er über sein „ziemlich gutes Leben“.
Die Bioregion Mühlviertel hat sich vom geförderten Leaderprojekt zum eigenständigen Verein entwickelt. Ziel des Netzwerks an Biobauern, Verarbeitungsbetrieben, Hotels und Bildungseinrichtungen ist es, die Bio-Philosophie weiter voranzutreiben und damit die Region zu stärken. Dafür geht man auch innovative Wege: Seit wenigen Wochen können Mühlviertler Bioprodukte auch über den eigenen Online-Shop bestellt werden.
Carsharing heißt das Zauberwort, wenn es ums Energiesparen beim Autofahren geht: In Sarleinsbach teilen sich seit April elf Nutzer ein Elektro-Auto (einen Renault Zoe) und haben damit schon über 8000 Kilometer zurückgelegt. Potenzielle Nachahmer gibt es bereits, wie Markus Altenhofer, Geschäftsführer der Energiegenossenschaft Donau-Böhmerwald weiß. Sein Ziel wären zehn Carsharing-Standorte im Bezirk. „Wir können zwar das Erst-Auto nicht abschaffen, aber vielleicht machen wir damit das Zweit-Auto überflüssig“, sagt dazu Altenhofer.
Der Durchschnitts-Rohrbacher kann laut einer Kaufkraftstudie im Jahr gut 20.000 Euro für Essen, Wohnen, Bekleidung, Freizeit, Mobilität ausgeben. Im Vergleich: einem Linzer stehen knapp 25.000 Euro zur Verfügung. Die Rohrbacher liegen damit einkommensmäßig landesweit am hinteren Ende der Skala. Die vorhandene Kaufkraft wird aber überwiegend in den regionalen Handelsbetrieben ausgegeben.
Meister des Electronic/Swing ist Parov Stelar: Der in Altenfelden lebende Musiker holte den österreichischen Musikpreis, den Amadeus Award in dieser Kategorie – bereits zum vierten Jahr in Folge. Die ebenfalls nominierten Poxrucker Sisters gingen leer aus, sie begeisterten mit ihrem Live-Auftritt aber das Amadeus-Publikum. Überhaupt war es ein erfolgreiches Jahr für die drei Schwestern aus St. Ulrich: Im Herbst brachten sie das zweite Album heraus, dann ging“s auf Tour mit Andreas Gabalier.
Fusion vollzogen: Seit 1. Mai ist der Bezirk Rohrbach um zwei Gemeinden ärmer, dafür um zwei fusionierte Gemeinden reicher: Aigen-Schlägl und Rohrbach-Berg haben die gewaltige Herausforderung angenommen und bislang auch gut gemeistert. Mit 5000 Einwohnern auf 38 km2 ist Rohrbach-Berg nun die größte Gemeinde des Bezirkes; Aigen-Schlägl ist drittgrößte Gemeinde mit 3100 Einwohnern auf 46 km2.
Zum Gesundheitszentrum soll das alte Webereimuseum am Kirchenplatz in Haslach werden. Damit könnte hier eines der ersten Primärversorgungszentren des Landes entstehen. Derzeit laufen die baulichen und organisatorischen Planungen, der Start ist für Herbst 2016 geplant.
Ein Hallenbad für den Bezirk sieht die oberösterreichische Bäderstudie vor – allerdings nur, wenn sich alle Gemeinden auf einen Standort und ein Finanzierungs- und Betreibermodell einigen. Bislang gab es zwar schon ein Treffen einer extra eingerichteten Arbeitsgruppe, aber noch keine Ergebnisse.
Intensive Probewochen haben sich ausgezahlt: Die Jugendkantorei eröffnete mit „Cats“ den Musicalwinter Aigen-Schlägl und begeisterte bei fünf ausverkauften Vorstellungen im Kikas mit einer mitreißenden Show. Als Fortsetzung steht im November 2016 eine Österreich-Premiere an: Dann greift die JKS mit dem „Starlight Express“ nach den Sternen.
Für junge Leute interessant und lebenswert bleiben: Beim Zukunftssymposium Ende Jänner machten sich Jugendliche, Junggebliebene und Erwachsene Gedanken darüber, wie das zu schaffen ist. Dabei wurde deutlich, dass es eine gute Basis im Bezirk gibt – die Wunschliste ist aber lang und reicht von Begegnungsorten, Talenteschmieden über einen attraktiveren öffentlichen Verkehr bis hin zu mehr Mitspracherecht und einem respektvollen Umgang.
Keramik-Scherben aus der Steinzeit machen die Region zu einem bedeutendem Fundgebiet in Österreich: Gernot Krondorfer hat auf einem Acker in Niederkappel eine umfangreiche Keramiklage gefunden, unter denen auch ein reich verziertes Prunkstück aus der Chamer Kultur sowie ein seltenes Jade-Steinbeil waren. Nicht zuletzt diese Funde waren für die Landschaftsschule Donauschlinge ausschlaggebend, eine eigene Abteilung für die Steinzeit einzurichten. Mit der „Erlebten Archäologie“ wird die Geschichte für Kinder und Erwachsene lebendig.
Die Leaderregion Donau-Böhmerwald ist eine von 77 Leaderregionen in Österreich, die für die neue EU-Finanzperiode genehmigt wurden. 2,9 Millionen Euro stehen zur Verfügung, um durch Projekte und Initiativen die Lebensqualität zu verbessern.
Mut zur Menschlichkeit in der Böhmerwaldregion macht eine Initiative, die im März in Ulrichsberg gegründet wurde. Eine Gruppe von ehrenamtlichen Helfern hat sich zusammengeschlossen, um in erster Linie die Hilfe für Asylwerber zu koordinieren. Gleichzeitig geht es darum, seriös über deren Situation zu informieren. Zu diesem Zweck brachte die Initiative auch Bestseller-Autor und Nahost-Korrespondent Karim El-Gawhary ins Centro, das ob des Andrangs an diesem Abend zu klein wurde.
Das Sturmtief Niklas hielt Anfang April den Bezirk in Atem: Mit Windstärken bis zu 120 km/h fegte Niklas durchs Land und sorgte für umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und gelöste Fassadenteile. Innerhalb von 48 Stunden gingen bei den Feuerwehren des Bezirkes 60 Alarmierungen ein.
Offiziell eröffnet hat das Netzwerk ecoforma das Kompetenzzentrum für ökologisches, schadstoffreies, kreislauffähiges Bauen. Am Haslhof in Fürling (Gemeinde Sarleinsbach) wird nicht nur eifrig geforscht, sondern auch anschaulich gezeigt, wie man gesundes Bauen und Wohnen verwirklichen kann. „Wir wollen natürlichen, regionalen, kreislauffähigen Materialien eine Stimme geben und sie ins Rampenlicht bringen“, fasst Initiator und Vereinsobmann Alfred Ruhdorfer zusammen. Er ist überzeugt, dass diese Zukunftstechnologie gerade für den ländlichen Raum immense Chancen birgt.
Ein Parkverbot im Ortszentrum ließ in Hofkirchen die Wogen hochgehen. Denn die Polizei ging nach einer Anzeige gegen die Parksünder vor, die ihre Autos auf der Falkenstein Landesstraße im Ortszentrum parkten – was bislang toleriert wurde, aber eben gesetzwidrig war. Mittlerweile wurden bewilligte Kurzparkplätze geschaffen.
Qualifiziert für den Skiweltcup hat sich Elisabeth Reisinger: Die Peilsteinerin feierte Anfang Dezember in Lake Luise (Kanada) ihr Debüt, mittlerweile hat sie schon erste Weltcup-Punkte gesammelt. Für die Skiunion Böhmerwald ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte: Reisinger ist die erste Böhmerwäldlerin, die im alpinen Weltcupzirkus mitmischt. Mit Markus Schiffner aus Oberkappel ist auch bei den Skispringern ein Rohrbacher in der Weltspitze vertreten, er hat ebenfalls schon Weltcup-Punkte ergattert. Bereits mit olympischen Erfolgen ließ Snowboarder Andreas Kroh aufhorchen: Der Haslacher gewann mit seiner Teamkollegin Pia Zerkhold Silber bei der Jugend-Olympiade.
Rudolf Kirchschläger zu Ehren: 100 Jahre wäre der in Niederkappel geborene, ehemalige Bundespräsident Rudolf Kirchschläger heuer geworden; sein Todestag jährte sich zum 15. Mal. Dies nahm die Gemeinde zum Anlass für eine Festmesse im Mühlviertler Dom. Außerdem wurde der Kirchschläger-Preis verliehen, der heuer erstmals junge, mutige Initiativen belohnte.
Strom aus der Sonne erzeugen mittlerweile 20 Photovoltaik-Anlagen, die über die Energiegenossenschaft mit Hilfe von Bürgerbeteiligung realisiert wurden. Die Jubiläumsanlage befindet sich auf dem Dach der Mittelschule Neufelden. Insgesamt erbringen die PV-Anlagen eine Leistung von 500.000 kW, das ist Strom für 125 Haushalte. Die Bürger haben knapp 500.000 Euro in die regionale Stromerzeugung investiert.
Die extreme Trockenheit machte den Landwirten zu schaffen, jeder Betrieb war davon betroffen: Sei es durch Ertragseinbußen im Grünland oder beim Silomais; durch Wassernot auf Betrieben ohne öffentlichen Wasseranschluss; oder durch die großen Mengen an Schadholz, die der Borkenkäfer verursacht hat. Das heurige Dürrejahr war bereits das fünfte seit 2003.
Unendliche Geschichte: Noch immer ungewiss ist die Zukunft der Mühlkreisbahn. Das bisher geplante RegioTram-Projekt dürfte aber vom Tisch sein, seit der neue Verkehrslandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) das Sagen hat. Er will die Regionalbahn in Normalspur bis Aigen-Schlägl erhalten. Damit steigen auch wieder die Chancen auf eine Dreiländer-Rundbahn durch den Böhmerwald.
Verkehrsentlastung auf der B127 soll der Westring bringen, für den im Juli der Spatenstich erfolgte. Gleich im ersten Bauabschnitt entsteht eine zusätzliche Donaubrücke westlich der überlasteten Nibelungenbrücke, auf die viele Pendler und Unternehmen aus dem Bezirk schon sehnlich warten. Kritiker des Projekts sehen darin allerdings keine Lösung für die täglichen Stauprobleme.
Waldfachleute trafen sich im Oktober zur Austrofoma am Hochficht und informierten sich bei dieser Fachmesse über die neuesten Entwicklungen in der Forstbranche. Fast 19.000 nationale und internationale Gäste kamen dazu in den Böhmerwald.
Beim weltweit größten XTerra-Bewerb in Südafrika war mit Sandra Koblmüller eine Rohrbach-Bergerin mit dabei. Die Triathletin zeigte dabei ihre Stärke und belegte Platz 5 – obwohl ihr kurz vor dem Bewerb das Rad und der Neoprenanzug gestohlen wurde. Über sportliche Erfolge freute sich auch das Arcus Sozialnetzwerk: Birgit Oberreiter, ihre Betreuerin Veronika Keplinger und Hannes Aichbauer brachten von den Special Olympics in Los Angeles fünf Medaillen nach Hause.
An Y-Chromosomen gibt es in der oö. Landesregierung einen Überhang, ebenso wie in den heimischen Gemeindestuben: Von den 40 Rohrbacher Bürgermeistern sind nur zwei weiblich. Nach den Gemeinderatswahlen stellt die SPÖ nun wieder drei Bürgermeister, die restlichen 37 kommen von der ÖVP. FPÖ und Grüne haben wie im Landestrend auch in den Gemeinden zugelegt.
Zeit des großen Kommens: In zehn Wochen reisten 62.000 Flüchtlinge durch den Bezirk und wurden an der Grenze zur deutschen Grenze im Notquartier und im Transitzelt versorgt. Tausende freiwillige Helfer unterstützten dabei das Rote Kreuz, Polizei und Bundesheer. Gleichzeitig kamen und kommen viele Flüchtlinge im Bezirk an, die hier einen Asylantrag stellen. Die Quartierssuche für diese Menschen ist nach wie vor eine Herausforderung.


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