Freiwillige brauchen Unterstützung, damit ihnen nicht die Luft ausgeht
ROHRBACH-BERG. Zum ersten Mal fand in der Rohrbacher Bezirkshauptmannschaft ein Vernetzungstreffen statt, bei dem jene Menschen, die sich tatkräftig für Menschen auf der Flucht einsetzen, ihre Erfahrungen austauschen konnten. Sie nutzten aber auch die Möglichkeit, um Wünsche und Forderungen kundzutun.

Tatsache ist, dass sich in allen der knapp 30 Gemeinden im Bezirk, in denen derzeit Asylwerber untergekommen sind, schnell viele freiwillige Helfer gefunden haben. Ihre wichtigste Aufgabe ist es, Deutsch zu unterrichten. Und ebendiese privaten Deutschlehrer (über 200 im Bezirk) hat Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner zum Erfahrungsaustausch eingeladen. Es sei großartig, wie viel Zeit die freiwilligen Helfer in den letzten Monaten schon investiert haben - wobei es nicht nur um die Vermittlung der deutschen Sprache, sondern auch um die Kultur, die Lebens- und Werteeinstellung geht. „Ein Tag Werteschulung durch den Integrationsfonds kann nie das bieten, was die Ehrenamtlichen leisten“, ist Mitterlehner überzeugt.
Freiwilligkeit hat Grenzen
„Der Deutschkurs ist Lebensbildung“, meinte auch Hans Veit aus Aigen-Schlägl. Deshalb sollte dieser verpflichtend für alle Asylwerber sein und offiziell angeboten und auch bezahlt werden, waren sich die Helfer einig. Denn „den Ehrenamtlichen geht die Luft aus“, wie eine weitere Engagierte meinte, „wir hören aber nicht auf, weil wir die Leute ja nicht im Regen stehen lassen können.“ Mehr offizielle Unterstützung sei notwendig; auch organisatorisch fühlen sich die Helfer in manchen Gemeinden im Stich gelassen. Und: Gemeinden, die schon viele Flüchtlinge haben, dürfe man nicht überfordern. Weiterer Kritikpunkt der Helfer: Manche gewerblichen Quartiergeber würden zwar Geld einnehmen, sich selbst aber viel zu wenig einbringen. Christa Bohaumilitzky von der Volkshilfe weiß, dass die Pflichten für gewerbliche Quartiergeber eher unklar geregelt sind, „teilweise nehmen diese ihre Verantwortung aber wahr und es funktioniert gut.“
Arbeit schafft Integration
Neben der schnelleren Abwicklung der Asylanträge würden sich die Helfer die Möglichkeit zur Beschäftigung für die Asylwerber wünschen - eine unbürokratische Erlaubnis zur Nachbarschaftshilfe oder eine Ausbildungschance für die vielen jungen Burschen.
Wie wertvoll die Beschäftigung sein kann, zeigt das Beispiel von Nauar Al Obaidi: Er wurde von der Gemeinde Neufelden für gemeinnützige Tätigkeiten angestellt und unterstützt die zugewanderten Kinder in der Volksschule beim Deutsch lernen, hilft ihnen während des Unterrichts oder bei den Hausaufgaben. VS-Direktor Josef Pühringer wagt sich damit auf Neuland, ist aber von der Initiative überzeugt: „Hier liegt Wissen brach und wird nicht genutzt - und im Gegenzug jammern Lehrer über die schwierige Situation mit Asylkindern.“ Pühringer würde sich einen Assistenz-Lehrer mit Migrationshintergrund in jeder Schule wünschen.
Zusammenhalt in OÖ
Begeistert vom „großen Herzen und dem gigantischen Engagement der Oberösterreicher“ ist Integrations-Landesrat Rudi Anschober (Grüne). Deutsch unterrichten, Dolmetschen, Sachen spenden, Zeit verbringen, zu Arzt oder Behördenbesuchen begleiten, Fahrtendienste, Freizeitgestaltung - all das wird von Freiwilligen übernommen. Ziel von Anschober ist es, dieses Engagement weiter zu unterstützen, um die Hilfe langfristig abzusichern. Deshalb wurden im Land OÖ einige Anlaufstellen für Freiwillige eingerichtet (Integrationsstelle OÖ, ZusammenHelfen in OÖ, Regionale Kompetenzzentren).
Grundversorgung:
Ein Asylwerber, der in einem Quartier mit Selbstversorgung untergebracht ist, bekommt täglich ein Verpflegungsgeld von 5,50 Euro (Minderjährige: 120 Euro monatlich). Der Quartiersbetreiber erhält pro Flüchtling einen Tagsatz in Höhe von 19 Euro, davon ist den Flüchtlingen das Verpflegungsgeld auszuzahlen. Zusätzlich gibt es für die Flüchtlinge fallweise Unterstützung in Form von Bekleidungsgutscheinen (maximal 150 Euro pro Jahr) oder beim Ankauf von Schulbedarf (maximal 200 Euro pro Schuljahr).


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