DigiFacts im Centro: Falschmeldungen funktionieren durch Emotionen und Wiederholungen
ROHRBACH-BERG. Es sei faszinierend, wie erfolgreich unseriöse Geschichten sind, welch große Reichweite Unsinn erzielen kann: Die Digitaljournalistin Ingrid Brodnig klärte beim Expertentalk der BBS im Centro über Macht und Wirkung von Fake News auf und wie man ihnen auf die Schliche kommt.

Gleich das Positive vorweg: Die Jugendlichen misstrauen den sozialen Medien sehr wohl, Studien zufolge bezweifeln sie deren Glaubwürdigkeit. „Beim Scrollen durch Instagram oder Facebook lesen viele nur die Überschriften und glauben zuerst, was sie sehen. Vor allem junge Leute sind aber skeptisch. Sie hinterfragen Meldungen und recherchieren nach“, berichtete Ingrid Brodnig, die digitale Botschafterin Österreichs in der EU ist.
Wir glauben, was uns ins Konzept passt
Warum funktionieren nun Meldungen, die völlig übertrieben oder sogar kompletter Unsinn sind? „Sie entsprechen dem, was wir hoffen; greifen Ängste und Vorurteile auf und reden den Menschen nach dem Mund. Wir glauben schnell etwas, das uns gut ins Konzept passt. Nach dem Prinzip, es hätte ja wahr sein können“, erklärte die Digitaljournalistin. Falschmeldungen über Flüchtlinge sind besonders erfolgreich, ebenso wie solche im Wahlkampf. Die Amerikaner hätten etwa geglaubt, dass der Papst die Kandidatur von Donald Trump unterstützt, sagte Brodnig. Auch prominente Tode verbreiten sich „wahnsinnig schnell“, selbst wenn sie nicht wahr sind. „Fake News spielen mit Emotionen. Sie schockieren die Menschen, machen wütend und Wut aktiviert zu Likes, Kommentaren oder Shares. Die Software unterstützt solch wütendmachende Provokateure und teilt deren Posts häufiger.“
Wiederholungen schaffen Glaubwürdigkeit
Weil soziale Medien nur einen Bruchteil aller Meldungen anzeigen - jene, an denen man interessiert sein könnte - bekommt jeder User nur einseitige Informationen. „Durch Wiederholungen werden Dinge glaubwürdiger. Wenn man also dauernd Falschmeldungen hört, glaubt man diese am Ende.“ Ingrid Brodnigs Tipp deshalb: „Lest auch Informationen, die nicht ganz zu eurem Weltbild passen, um Argumentationen aus unterschiedlichen Quellen zu kennen.“
Google ist unser Freund
Die Expertin hatte auch ein paar Tipps parat, wie man Falschmeldungen erkennt: „Es lohnt sich, auf der Website ganz nach unten zu scrollen. Da findet man manchmal Warnhinweise, dass hier keine seriösen Informationen verbreitet werden.“ Außerdem soll man die Optik der Website und Bilder hinterfragen: „Oft besteht eine Meldung nur aus einer Zeile, schaut auf den ersten Blick auf Facebook aber aus, als wäre es eine seriöse Nachricht. Und Bilder sind oft aus dem Kontext gerissen. In der Google-Bildersuche kann man herausfinden, ob das Bild schon viel früher mal im Internet zu sehen war. Google ist generell unser Freund“, riet Brodnig, die Kerninfo von Nachrichten mitsamt Faktencheck einzugeben. Und zum Schluss: „Probiert es mit Humor. Das hilft Dinge verständlich zu machen und zurechtzurücken. Mit Humor kann man aufzeigen, wie dumm und absurd manches ist.“
Riesendatenmengen werden gesammelt
Im zweiten Teil von DigiFacts der Berufsbildenden Schulen Rohrbach sprach der Technologie-Journalist Jakob Steinschaden über die Datensammler. „Mit jedem Bild, das wir abspeichern werden Metadaten abgespeichert. Facebook sammelt 98 Kategorien an Daten von jedem User, da kennt man dann eine Person schon ziemlich genau.“ Genutzt werden diese unglaublichen Datenmengen, für künstliche Intelligenz, für selbstfahrende Autos, für die Forschung in der Medizin oder auch zur Verbrechensbekämpfung. Selbst Staaten sammeln Daten, um ihre Bürger zu bewerten. „Mit der neuen Datenschutzverordnung der EU dürfen Namen, Mailadressen, Fotos nur mehr verwendet wenn, wenn es einen legitimen Zweck dafür gibt. Wenn man allerdings die Dienste der sozialen Dienste weiter verwenden will, wird man diese Daten eingeben müssen“, meinte Steinschaden.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden