Grenzgeschichten: Das Meer im Böhmerwald
Der Moldau Stausee wird von den Bewohnern auch als böhmisches Meer bezeichnet; sein Talschluss ist als „Teufelsmauer“ bekannt.

Während sich in den vielen kleinen Waldseen die Tannen, Fichten und Laubbäume spiegeln, liegt der Lipno Stausee frei und ruhig im weiten Moldautal. Den Talschluss jedoch bildet eine enge Schlucht aus Felsblöcken – genannt Teufelsmauer. Obwohl die Felsenenge viele Jahrtausende alt sein wird, soll der Name erst im dreizehnten Jahrhundert aufgetaucht sein. Bei der Übernahme des Klosters Hohenfurt durch Wilheringer Mönche, haben die Anrainer ihren ablehnenden Unmut mit dieser Bezeichnung verbunden.
Genährt wurde die Bedeutung dieser Bezeichnung in der Bauzeit zwischen 1950 und 1959 des Moldau Kraftwerkes. Der Lipno Stausee ist ungefähr 40 Kilometer lang und fast 20 Kilometer breit. Der Staudamm, der das Moldaumeer für das E-Werk staut, ist aber kaum 22 Meter hoch. Das Kraftwerk liegt etwas über 100 Meter tief in der Talschlucht verborgen. Das im Lipno Kraftwerk abgearbeitete Wasser wird in einer riesigen Rohrleitung zum zweiten Kraftwerk bei Hohenfurt abgeleitet und zur Stromerzeugung genutzt.
Bedeutender Ort
Der Lipno Stausee ist das größte Erholungsgebiet Südböhmens. Am Lipno See liegt auch Oberplan, dem Geburtsort des Dichters Adalbert Stifter. Dort ist er als Sohn eines Leinwandhändlers geboren, hat das Studium in Wien aufgenommen und arbeitete zuletzt als Pflichtschulinspektor in Oberösterreich. Seine beliebtesten Aufenthalte lagen im Dreiländereck Böhmen, Bayern und Oberösterreich.
Verfasser:Fritz Winkler


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