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Kindergärten wollen mehr als Aufbewahrungsstätte sein

Martina Gahleitner, 05.10.2022 04:11

BEZIRK/HÖRLEINSÖDT. Der Personalmangel wird so wie in vielen anderen Bereichen auch in der Elementarbildung immer deutlicher spürbar. Valerio und seine Familie wissen das nur zu gut.

Für die Beschäftigten in Kinderbildungseinrichtungen ist die individuelle Unterstützen und Begleitung der Kinder eine Herzensangelegenheit. (Foto: oksix / stock.adobe.com)

Eigentlich hätte der fast 4-Jährige aus Hörleinsödt einen fixen Kindergartenplatz gehabt – bis im Mai frühkindlicher Autismus diagnostiziert worden ist. „Der Kindergarten St. Oswald hätte eine Stelle für eine Stützkraft ausgeschrieben, aber es gibt keine Bewerbung. Jetzt hat Valerio keinen Betreuungsplatz“, schildert seine Oma Daniela Raml, die das Sorgerecht für ihn hat, die Situation. Auch in anderen umliegenden Kindergärten ist kein Platz für den Buben. Das macht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schier unmöglich.

Edith Bürgler-Scheubmayr, Vorsitzende des Kuratoriums der Erhalterkonferenz kirchlicher Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen, kennt solche Situationen. „Meist gelingt es uns doch immer wieder, individuelle Lösungen zu finden und auch Gemeinden sind bemüht, dass Eltern für ihre Kinder jenen Platz bekommen, den sie brauchen. Aber es herrscht eklatante Personalnot. Das schlägt sich teilweise schon in kürzeren Öffnungszeiten nieder oder bei Fragen der Integration“, weiß die Caritas-Mitarbeiterin.

Zwar gebe es einen massiven Ausbau bei den Unter-Dreijährigen, aber „insgesamt wird für die Aufrechterhaltung der bestehenden Gruppen die Personaldecke zu kurz sein – das wird immer wieder zu Einschränkungen führen, was für Betroffene natürlich nicht angenehm ist“. Sie sieht dringenden Handlungsbedarf, Anreize für die Ausbildung zu schaffen und auch verstärkt Quereinsteigerinnen für die Elementarpädagogik zu begeistern. Denn: „Die Personalnot geht nicht von selber wieder weg. Und sie ist eine, die wiederum eine andere Personalnot mit sich bringt, weil berufstätige Mütter nur eingeschränkt arbeiten können.“

Kleinere Gruppen, bessere Entlohnung

Der Personalmangel trifft neben den Eltern natürlich auch die Beschäftigten in den diversen Einrichtungen. „Uns zreißt's“ titelt deshalb eine Kampagne von GPA und Younion OÖ, deren Ziel die Verbesserung der Rahmen- und Arbeitsbedingungen in den Kinderbildungseinrichtungen ist. Bei der Bezirksversammlung in der Arbeiterkammer Rohrbach standen die Kernthemen schnell fest: Es braucht bessere Entlohnung und die Gruppengrößen gehören reduziert. Bis zu 25 Kinder werden von einer Kindergartenpädagogin und einer Assistentin betreut. „Hier wären 20 Kinder unser Wunsch. Alle sind mit Herzblut und Engagement bei der Sache und wollen qualitative Betreuung bieten und den Kindern individuelle Unterstützung und Begleitung geben – und nicht nur Aufbewahrungsstätte sein“, macht Gregor Kratochwill-Pichler deutlich. „Wir wissen natürlich ob der Situation am Arbeitsmarkt, dass sich das nicht von heute auf morgen lösen lässt, aber eine Zusicherung sollte bald erfolgen.“ Zumal auch viele Aufgaben für das Personal dazugekommen sind. Das gehe nur, wenn ausreichend Zeit für jedes einzelne Kind zur Verfügung steht.

Maßnahmen reichen nicht

Wichtig sei auch ein besserer Zugang zum Beruf schon bei der Ausbildung, damit Absolventen auch tatsächlich in der Elementarpädagogik tätig werden. Aus Sicht der Beschäftigten in Kinderbildungseinrichtungen ist das vom Land OÖ präsentierte Maßnahmenpaket jedenfalls nicht ausreichend. „Sollte nicht nachgebessert werden, werden weitere Initiativen folgen“, kündigt der Gewerkschaftsvertreter an.

Landesrätin auf Dialogtour

Das erwähnte Maßnahmenpaket des Landes OÖ, für das zusätzlich sechs Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurden, verfolgt zwei Stoßrichtungen: Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für bestehende Mitarbeitende einerseits, und eine Ausbildungsoffensive, um mehr Menschen für diesen Beruf zu gewinnen, andererseits. Basis für die Maßnahmen bildete die Dialogtour, bei der LH-Stellvertreterin Christine Haberlander von März bis Ende August zahlreiche Gespräche mit Eltern, pädagogischem Personal, Leitenden, Rechtsträgern, Gemeindebund, Städtebund und Gewerkschaften geführt hat.

Aus dem Büro von Landesrätin Haberlander heißt es, es sei unbestritten und bekannt, dass die Personalsituation, wie in vielen anderen Bereichen der Arbeitswelt auch, im Bereich der Elementarpädagogik sehr angespannt ist. Die Gemeinden und privaten Rechtsträger seien bei der Suche nach geeignetem Personal sehr aktiv und bemüht, Lösungen zu finden, um eine bedarfsgerechte Betreuung vor Ort anbieten zu können.

Auf www.ooe-kindernet.at der Bildungsdirektion werden offene Stellen veröffentlicht. Derzeit sind 346 offene Stellen ausgeschrieben – das sind allerdings nur jene, die freiwillig von den Rechtsträgern auf dieser Webseite publiziert werden.

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