Wenn mehr gekauft wird, als nötig ist: Kostenlose Therapiegruppe hilft
ROHRBACH-BERG.Nicht nur zu Weihnachten, sondern eigentlich das ganze Jahr über wird häufig mehr gekauft als nötig. Kaufen dient nicht selten dazu, Stress, Ärger, Langeweile und Einsamkeit zu vertreiben. Für Menschen mit problematischem Kaufverhalten gibt es erstmals im Bezirk Rohrbach eine kostenlose Gruppentherapie.

„Shopping ist heute ein häufig ausgeübtes Hobby“, weiß Psychotherapeutin Maria Mittermaier – und auch, dass viele der Kaufenden Geld ausgeben, das sie im Grunde nicht zur Verfügung haben. „Verstärkt wird online gekauft und besonders durch die Bezahldienste im Onlinehandel verliert der Käufer schnell den Überblick. Konsumschulden vor allem bei jungen Menschen steigen dadurch rasch an“, ergänzt Mittermaier. Auch das häufige Bezahlen mit Bankomatkarte erhöhe das Risiko, „ein regelmäßiger Überblick über die Finanzen wirkt sich positiv aus“.
Einkauf als Belohnung
Problematisch wird es vor allem, wenn aus dem Einkaufen ein ernsthaftes Fehlverhalten wird – etwa wenn man es sich nach besonderen Leistungen etwa gönnt oder Ärger, Langeweile oder Einsamkeit damit vertreiben will. „Es geht dabei nicht um den notwendigen Erwerb eines Produktes, sondern um kurzfristige Glücksmomente durch den schnellen Einkauf“, erklärt die Therapeutin vom Netzwerk Psychotherapie Rohrbach. Ein Viertel der Menschen in Österreich ist von diesem Verhalten betroffen; Frauen mehr als Männer, junge mehr als ältere. „Diese Menschen kaufen mehr als sie brauchen. Später werden die Sachen gehortet, verschenkt oder auch wieder verkauft. In extremen Fällen landen die Einkäufe unausgepackt im Kasten“, berichtet Maria Mittermaier. „Die Betroffenen freuen sich dann auch nicht mehr über ihre Einkäufe, sondern wollen sie meist wieder loshaben. Nach dem Kauf folgt oft die Scham. Es stellen sich Frustration und schlechtes Gewissen ein.“
Gruppentherapie startet
Die Psychotherapeutin weiß aus Erfahrung, dass es Betroffenen oft schwerfällt, sich das problematische Verhalten einzugestehen. „Dennoch ist es sehr belastend für sie und für ihr Umfeld und es führt häufig auch zu sozialer Isolation.“ Zudem fehle in der Gesellschaft das Bewusstsein für die Problematik. Mittermaier startet deshalb eine kostenlose Gruppentherapie, um Menschen mit problematischem Kaufverhalten helfen zu können. „Einkaufen kann nicht komplett vermieden werden. Ziel ist meist eine Neugestaltung des Lebens mit nicht belastendem Kaufverhalten.“


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