Auf Entdeckungsreise am Bauernhof: Wie Kinder bei "Schule am Bauernhof" spielerisch die Landwirtschaft erleben
BEZIRK ROHRBACH. Woher kommt meine Milch? Wie sehen Puten aus? Wie wird Müsli gemacht? Was macht ein Imker? All diesen Fragen geht die „Schule am Bauernhof“ auf den Grund. Bei einem Pressevormittag am Hof der Familie Eckerstorfer in St. Martin zeigten vier Bäuerinnen aus dem Bezirk Rohrbach, was Kinder - und oft auch Pädagogen - bei ihnen lernen können und äußerten einen gemeinsamen Wunsch: Noch viel mehr Menschen müssen von der Schule am Bauernhof erfahren!

Das Konzept ist speziell auf Schulklassen ausgerichtet: Die Lehrperson organisiert lediglich die Anreise zu einem der Schule-am-Bauernhof-Betriebe, den Rest übernehmen die Landwirte. Jeder Hof setzt dabei eigene, oft mehrere Schwerpunkte. Wer also schon einmal zu Besuch war, kann problemlos ein zweites Mal kommen – oder einen anderen Betrieb im Bezirk kennenlernen. Neue Inhalte gibt es dabei jedes Mal.
Mit Tieren auf Du und Du
Ingrid Eckerstorfer vom Biohof Kreuzeder in St. Martin ermöglicht es den Kindern, ihre 450 Puten, Kalbinnen oder Hühner kennenzulernen - und zwar hautnah. „Der direkte Kontakt mit den Tieren ist für unsere Besucher immer das Highlight. Da wird natürlich auch gefüttert und gestreichelt. Bei uns können sie aber auch etwas über Erdäpfel, Wildkräuter und natürlich Fleischkonsum lernen.“
Warum sie sich bei Schule am Bauernhof so engagiert? „Weil vieles für andere nicht selbstverständlich ist, was Lebensmittel betrifft. Meine Kolleginnen und ich, wir wollen den Kindern zeigen, wieviel Arbeit und somit auch Wert in unseren Lebensmitteln steckt!“
Schafe, Bienen und süße Belohnung
Das ist auch der Antrieb für Simone und Gerald Draxler vulgo Bramreither in Helfenberg. Ihr Schwerpunkt liegt einerseits auf Schafen und deren Wolle, andererseits auf der hofeigenen Imkerei. Am Hof in der Ortschaft Penning züchten sie die seltenen Waldschafe. Der Frühling hat es gut mit ihnen gemeint: Von ihren aktuell 70 Tieren sind 36 erst vor kurzem zur Welt gekommen. Dazu kommen noch 40 Bienenstöcke und eine Streuobstwiese, die zum Naschen und Entdecken einladen. „Ich muss zugeben, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin und etwas erkläre, dann stehlen mir unsere Schafe meistens die Show“, schmunzelt Simone Draxler. Für die Kinder ist es auch unheimlich spannend, wenn sie - natürlich gut geschützt - ganz nahe an die Bienen dran dürfen. Zur Belohnung darf jeder Besucher ein kleines Glas Honig selbst abfüllen und seine eigene Etikette dazu gestalten.
Rund um Milch und Kartoffeln
Den „Mühlviertler Bilderbuch-Hof“ verkörpert jener von Barbara Eisner aus Aigen-Schlägl: den Milchviehbetrieb im Vollerwerb. „Bei uns geht es natürlich um Milch, aber nicht nur: Auch Kartoffel, der Wald und das Landwirt-Sein an sich sind unsere Schwerpunkte bei Schule am Bauernhof“, erklärt die engagierte Bäuerin. Da darf etwa am Kuh-Modell gemolken, Erdäpfel gesetzt und ausgegraben werden und natürlich darf Traktor-Hopping auch nicht fehlen. Gemeinsam wird etwa Butter im Glas hergestellt oder es werden Wedges gekocht. „Vielen Kindern und oft auch Pädagogen fehlt das Wissen um unsere Lebensmittel und ihre Herkunft. Wir haben es in der Hand, dass sich das ändert“, sagt Barbara Eisner.
Wo wächst mein Müsli?
Diese Frage beantwortet Sonja Steyrl vom Biohof Steyrl in Rohrbach-Berg ihren Besuchern. Am Betrieb werden auf 16 Hektar Ackerland Hafer, Dinkel, Roggen, Lein und Hanf angebaut, die dann zu Getreideprodukten und Ölen veredelt werden. „Bei uns dürfen die Kinder ihre eigenen Getreideflocken quetschen und wenn es passt, schalten wir auch die Ölpresse ein. Übrigens sind unsere Besucher immer sehr erstaunt darüber, dass wir kein Vieh haben - dass es auch einen Bauernhof ohne Tiere geben kann“, lacht die Landwirtin. Auch hier dürfen die Kinder ihr selbstgemachtes Müsli mit nach Hause nehmen.
Bewusstsein muss wachsen
Seit 1999 gibt es das Projekt „Schule am Bauernhof“ des Ländlichen Fortbildungs-Instituts (LFI). Bezirkskoordinatorin Andrea Hintenberger freut sich über das bereits existierende Netzwerk im Bezirk: „Mittlerweile gibt es fünf Betriebe und eine große Vielfalt an Schwerpunkten. Wir freuen uns aber immer über Zuwachs. Um Schule am Bauernhof-Betrieb zu werden, braucht es einen Zertifikatslehrgang und ein paar weitere Voraussetzungen. Wir unterstützen Interessenten nach Kräften!“ Die niederschwellige Wissensvermittlung, angepasst an das jeweilige Alter der Besucher, ist ein wichtiger Baustein für die Bewusstseinsbildung rund um Lebensmittel.
Bezirksbauernkammer-Obmann Martin Mairhofer freut sich über das enorme Engagement der Schule am Bauernhof-Betriebe: „Sie repräsentieren uns Landwirte und sind diejenigen, die der Jugend zeigen, wie unsere Landwirtschaft und unsere Lebensmittelproduktion funktionieren. Damit schaffen sie Vertrauen und Bewusstsein beim Konsumenten von morgen.“


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