Waldpädagoge mit Vision: Rupert Fartacek zieht zum Rücktritt nach 26 Jahren Bilanz über die Böhmerwaldschule
ULRICHSBERG. 26 Jahre, nachdem er mit seinem Konzept den Grundstein für die Böhmerwaldschule und damit eine international vernetzte, bedeutende Naturbildungseinrichtung gelegt hat, tritt der bisherige Leiter Rupert Fartacek in die zweite Reihe. Er blickt mit Stolz und Freude zurück auf diese Zeit, in der unzählige Schüler und Erwachsene eine Beziehung zur Natur und insbesondere zum Wald aufbauen konnten.

Jedem Kind ermöglichen, für einen Tag in den Wald einzutauchen: Das war und ist seit jeher die Intention der Böhmerwaldschule. „Dass wir, wie im Vorjahr, mal 600 Gruppen mit insgesamt 8.000 Besuchern bei unseren Touren und Workshops begrüßen können, haben wir uns vor 26 Jahren nicht vorstellen können“, sagt Rupert Fartacek. Sein ursprüngliches Konzept ist von einer Vollauslastung mit 2.000 Leuten im Jahr ausgegangen und war für eine Klasse mit maximal 30 Kindern ausgelegt. Ob der großen Nachfrage vermehrt auch über die Bezirks- und Landesgrenzen hinaus, ist die Böhmerwaldschule über ein Interreg-Projekt dann um einen weiteren Raum angewachsen. Mittlerweile hat sich diese zudem zum unangefochtenen Publikumsliebling unter den Naturschauspiel-Angeboten entwickelt.
Großes Team ist große Stärke
Das einzige Manko der Waldschule mit Stützpunkt im alten Forsthaus in Sonnenwald – nämlich die Lage ohne öffentliche Erreichbarkeit – ist wohl auch ihr Erfolgsgeheimnis. „Hier heroben ist Wald, soweit das Auge reicht.“ Naturvermittlung passiert also unmittelbar vor Ort. Als Bezirksförster und Gebietsbetreuer für Natur- und Europaschutzgebiete will Fartacek das Verständnis für forstliche Aspekte und den genialen Rohstoff Holz ebenso wecken, wie für Naturschutzthemen. Das multiprofessionelle pädagogische Team mit rund 20 Leuten ist für Fartacek dabei die große Stärke der Böhmerwaldschule. „Wir sehen uns als Waldbegleiter, die Impulse liefern. Die Besucher sollen sich selbst ein umfassendes Bild machen, möglichst viel entdecken und Themen in der Gruppe selber lösen. Wir stellen bei Bedarf unser Wissen und unsere Sichtweise zur Verfügung und wollen so forschendes Lernen ermöglichen. Wenn uns das gelingt, sind wir zufrieden.“
Vielfältiges Programm
Das Angebot ist vielfältig und reicht von der Spurensuche im Wald über das Forschen und Werkeln in den Jahreszeiten und der Waldgeister-Werkstatt bis hin zur Wanderung entlang der Grenze zwischen Nationalpark Šumava und den Natura 2000-Gebieten. Mit dem Programm „Die Superkräfte der Bäume“ bringt das Team in den Wintermonaten den Böhmerwald auch direkt in die Klassenzimmer. Fartacek ist überzeugt, dass ein Abenteuer im Wald eine wichtige Erfahrung für die jungen Leute ist: „Sie entdecken, wie lustig und spannend es sein kann, den Wald richtig zu genießen. Und sie sollen dabei auch erfahren, dass es nicht schwierig ist, selbst einen Beitrag für die Umwelt zu leisten.“ Bei der Jahreshauptversammlung nächste Woche wird der Gründer und Vordenker die Leitung der Böhmerwaldschule an Bezirksförster Sebastian Köppl übergeben. Er selbst bleibt als dessen Stellvertreter sowie als Waldbegleiter aktiv, leitende Angestellte ist Iris Niederdöckl.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden