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PEILSTEIN. Auf einem Hof aus dem Jahr 1620 entsteht mit viel Geduld, Leidenschaft und Gespür für Qualität etwas Besonderes: Erik Katzinger produziert in Peilstein unter dem Namen Graf Apfelwein elegante Weine aus alten, besonders aromatischen Apfelsorten. „Apfel statt Traube“ ist seine Philosophie. Mit dem Graf Gewölbe wird nun auch ein Stück Hofgeschichte neu belebt.

Erik Katzinger keltert Weine aus alten, auserwählten Apfelsorten. (Foto: Lagom Frames GmbH)
  1 / 9   Erik Katzinger keltert Weine aus alten, auserwählten Apfelsorten. (Foto: Lagom Frames GmbH)

Rund um den biologisch geführten Vierkanthof, im rauen Klima des Böhmerwalds, wachsen mittlerweile 140 Apfelbäume, etwa 100 davon hat der junge Apfelweinbauer selbst gepflanzt. „Ausnahmslos alte Sorten, die auf der Liste der erhaltungswürdigen Obstsorten stehen“, betont Erik Katzinger, der über Umwege zur Landwirtschaft gekommen ist. Nach einer Lehre im Truck-Center in Altenfelden, wo er auch aufgewachsen ist, und einem anschließenden Marketingstudium begann er bereits während des Studiums mit der Apfelweinproduktion. Vor drei Jahren hat er dann den Hof seiner Großeltern Walter und Martha Breitenfellner übernommen. „300 Flaschen haben wir damals im Erdäpfelkeller produziert, heuer sind es 30.000 Liter“, erzählt er. „Wir sind schneller als unsere Bäume gewachsen.“ Deshalb ist der Betrieb noch auf den Zukauf hochwertiger Äpfel, zum überwiegenden Teil aus dem Mühlviertel, angewiesen. Langfristig hat Katzinger jedoch ein klares Ziel: „Wir wollen 100 Prozent Eigenproduktion schaffen.“

Tradition trifft auf Moderne

Bei der Qualität macht Katzinger keine Kompromisse. Fallobst bleibt liegen, denn an den Druckstellen beginnt die wilde Vergärung, die unerwünscht ist. Verarbeitet wird ausschließlich handverlesenes Obst zum optimalen Reifezeitpunkt. Die Äpfel werden vom Baum gerüttelt, sofort eingesammelt und möglichst noch am selben Tag gewaschen, gemahlen und gepresst. Im Presshaus treffen dabei Tradition und moderne Kellertechnik aufeinander. Der Saft wird anschließend wie Wein verarbeitet – bis März wird immer wieder gemessen, verkostet und mit viel Fingerspitzengefühl eingegriffen. So wenig wie möglich, so viel wie nötig.Anders als beim Most wird bei Graf Apfelwein sortenrein gearbeitet. Ob Kronprinz Rudolf, Maschanzker, Rubinette, Champagner Renette und Braeburn – „jede Sorte schmeckt völlig unterschiedlich“, sagt der Apfelwein-Sommelier. Sein Anspruch ist klar: „In den Apfel reinzubeißen oder unseren Apfelwein zu trinken, muss das Gleiche sein.“Mittlerweile umfasst das Sortiment zehn Sorten, darunter auch eine alkoholfreie Variante, die aus unreifen Äpfeln gemacht wird, sowie Schaumwein. Letzterer wurde mit 96 Falstaff-Punkten ausgezeichnet. Mit knapp acht Prozent Alkohol trifft Graf Apfelwein zudem den Zeitgeist. „Apfel statt Traube“ lautet die Philosophie: Das raue Klima des Mühlviertels bietet beste Voraussetzungen für charaktervolle Apfelweine, die sich eher an Weintrinker als an klassische Mosttrinker richten.

Graf Gewölbe wird 
Anfang Oktober geöffnet

Nun wird auch ein Stück Hofgeschichte neu belebt. Der alte Gewölbestall, in dem vor rund 150 Jahren noch Rösser und Schweine standen, wird als Leaderprojekt zum modernen Verkostungsraum umgebaut. Auf rund 100 Quadratmetern sollen Besucher schon bald die verschiedenen Apfelweine probieren und zugleich einen Einblick in deren Entstehung bekommen. Der ursprüngliche Charakter der Räume bleibt dabei erhalten, selbst die alten Steingrander werden wieder Teil des Graf Gewölbes. „Mir geht es nicht nur darum, das Produkt zu verkaufen. Die Menschen sollen auch die Produktion und das Drumherum erleben können“, sagt Katzinger. Verkostungen im Graf Gewölbe sind schon buchbar (graf-apfelwein.at). Der junge Landwirt plant außerdem demnächst einen Tag der offenen Tür


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