Grenzgeschichten: Die versteckte Wetterglocke
In längst vergangener Zeit vertrauten sich die Menschen im Moldautal bei Blitz und Donner einer Wetterglocke an.

Sie hing im Kirchturm von Untermoldau und trieb mit ihrem Klang die Gewitter über den Böhmerwaldkamm hinaus. Wurde nicht mit der Wetterglocke geläutet, krallte sich das Gewitter in den Baumkronen fest.
Mit dem Vollstau des Moldau-stausees trat eine Klimaveränderung ein, sodass kaum mehr Gewitter auftreten und die Menschen nicht mehr in Angst geraten. Die Dorfbewohner wurden ausgesiedelt und die wenigen Verbliebenen haben die schönen wetterberuhigenden Klänge der Glocke vergessen. Sie war eine der ältesten im Moldautal, weil sie weder im Ersten noch im Zweiten Weltkrieg wegen ihrer Berühmtheit eingeschmolzen werden durfte.
Protest beim Turm-Abbruch
Als das Tal für den Vollstau des Sees vorbereitet wurde, musste die Kirche samt Turm niedergerissen werden. Bei den Abbruchsarbeitern aber protestierten die älteren, die um die geheimnisvollen Kräfte der Glocke wussten. Die meisten von ihnen leben nicht mehr, denn der Seeaufstau wurde im Jahr 1957 begonnen.
Die Kenner der Geschichte um die Wetterglocke vermuteten, dass die Glocke nach ihrer Bergung aus dem Turm den im Mühlviertel lebenden vertriebenen Untermoldauern zur Erinnerung an ihre alte Heimat geschenkt worden sei. Wie sie über die Grenze geschmuggelt wurde und wo man sie versteckte, ist bis heute Geheimnis geblieben. Die Gegend, wo die Glocke am Ufer des Sees versteckt sein soll, dürften die damaligen Glockenschmuggler nicht verraten haben, weil man befürchtete, dass sie mit einem Metallsuchgerät aufgespürt werden könnte. Daher soll die sagenhafte Wetterglocke bis heute im österreichischen Böhmerwald verborgen sein, wo man einst ihre Klänge vernehmen konnte.
Verfasser: Fritz Winkler


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