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ARNREIT. Fehl am Platz, oder gar nicht respektiert, hat sich Gerda Reiter in ihrem Beruf in der Technik nie gefühlt. Ganz im Gegenteil. Nun startet die zweifache Mama mit ihrem Ingenieurbüro mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Baubiologie voll durch.

Gerda Reiter aus Arnreit, Foto: privat
Gerda Reiter aus Arnreit, Foto: privat

In der zweiten Klasse im Gymnasium hat sich Gerda Reiter für den neusprachlichen Zweig entschieden. Viel Sprache, weniger Mathematik. Also ganz das Gegenteil davon, wofür sie eigentlich brennt – nämlich für die Technik, Wissenschaft und alles was dazugehört. „In dem Alter ist es einfach schwierig, sich festzulegen, zu wissen, wo man hinmöchte“, blickt die Arnreiterin zurück. Kurz vor der Matura dann die Erkenntnis: „Wir haben im Physikunterricht von erneuerbaren Technologien gesprochen. Das hat mich sofort gepackt und mir wurde klar, wo es für mich hingehen soll.“ Reiter bewarb sich auch gleich für ein Öko-Energietechnik-Studium an der Fachhochschule in Wels. Zusätzlich zu ihren ursprünglich geplanten Fächern wollte sie dann auch in Physik zur Matura antreten.

„Keine gute Idee...“

„Als ich das dem Professor mitteilte, schüttelte er nur den Kopf und meinte, dass das wohl keine gute Idee ist. Ich hab“s dann sein lassen und in den geplanten Fächern maturiert. Heute muss ich darüber schon ein wenig schmunzeln, wenn der wüsste“, erinnert sich die 33-Jährige mit einem Lachen auf den Lippen zurück. Während dem Studium fühlte sich Reiter von den männlichen Kollegen immer wertgeschätzt.

Geschaut wurde schon

„Klar wird am Anfang geschaut, wir waren damals vier Frauen, die restlichen 26 Studenten waren Männer. Aber ich glaube, das ist normal. Andersrum würde man ja auch schauen. Sobald man aber zeigte, was man drauf hat und dass man viel weiß, war das Thema erledigt. Am Anfang muss man sich halt beweisen.“ Nach dem Masterabschluss arbeitete Reiter mehrere Jahre im wissenschaftlichen Bereich. Zeitgleich begann sie ihr Doktoratsstudium in Verfahrenstechnik an der Technischen Universität in Graz mit dem Schwerpunkt ökologische Prozessbewertung. Nach dem Abschluss widmete sich Gerda dann einem Aufgabenfeld ganz abseits der Technik: Sie und ihr Mann bauten ein eigenes Massivholzhaus und bekamen zwei Töchter.

Schritt in die Selbständigkeit

„Ökologische Auswirkungen, Umweltthemen, Klimaschutz begleiteten mich schon sehr lange. Im zweiten Jahr daheim beschloss ich, die Ausbildung zur Baubiologin zu machen, das hat sich super mit meinen Studien ergänzt.“ Anfang des Jahres hat Gerda Reiter dann den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und ihr Ingenieurbüro „Naturverbunden – Nachhaltigkeit & Baubiologie“ eröffnet. „Neben der Vereinbarkeit mit den Kindern, der Flexibilität und dem Interesse am Thema war für mich vor allem Folgendes ausschlaggebend: Ich möchte mich mit meinen Fähigkeiten für ökologische und gesunde Lebensräume einsetzen, für einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen, damit wir noch lange einen lebenswerten Planeten vorfinden“, beschreibt Reiter ihre Beweggründe.

Vorschuss für Männer?

Bedenken, dass sie als Frau in diesem Bereich nicht ernstgenommen wird, hat Reiter nicht wirklich. „Wenn ein Mann kommt, der Diplomingenieur ist, denkt man sich „Boah der hat sicher was drauf“. Bei einer Frau „Na schauen wir mal“. Das ist eben der Vorschuss, den Männer haben. Aber ich bin mir ganz sicher, wenn jemand etwas gut kann und voll dahinter steht, dann ist es egal, ob das eine Frau oder ein Mann macht.“ Jungen Frauen möchte Gerda Reiter mit auf den Weg geben, dass sie sich trauen sollen, den Schritt in die Technik zu machen: „Mach das, was dich interessiert und wo du deine Stärken einsetzen kannst. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle.“


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