Bedenken gegenüber ökologisch Bauen abgebaut
SARLEINSBACH/HOFKIRCHEN. Eine Gruppe aus Bayern hat vor wenigen Tagen die Stube bei der Familie Enzlmüller gefüllt. Diese war auf Exkursion zum Thema gesunde ökologische Kreislaufwirtschaft in der Region unterwegs und da durfte natürlich das Messnerhaus in Hofkirchen nicht fehlen. Gilt es doch als Musterbeispiel an ökologischer Revitalisierung.

Als Elisabeth und Gerhard Enzlmüller das 1660 erstmals erwähnte Haus am Kirchenplatz von Hofkirchen im Jahr 2008 gekauft haben, war es eigentlich ein trostloser Fall. Davon ist heute nichts mehr zu sehen: Gleich wenn man die Haustür öffnet, beeindruckt das Kreuzgwölb, das den hellen Vorraum dominiert; in der Stube lässt die Holzdecke mit den dicken Holztram und der Fußboden aus Abbruchholz das wahre Alter des Gebäudes erkennen. Die mühevoll restaurierte Eckbank, die Fensternischen in den über einen Meter dicken Mauern, die rustikale Kellertür, die uralte Putztechnik im Badezimmer oder auch die liebevolle Einrichtung in der hohen Stube - das alles sind Beweise, dass die Besitzer dem Haus nicht seine Seele nehmen wollten. Auch wenn das nicht einfach war: Drei Jahre lang haben sie viel Zeit, Geld und noch mehr Energie investiert, um den Urzustand wieder herzustellen. „Dazu braucht es auch die richtigen Berater“, spricht Gerhard Enzlmüller das Bundesdenkmalamt und Alfred Ruhdorfer vom Netzwerk ecoforma an, „ich hätte das Haus vermutlich zu Tode saniert.“ Ökologisch zu sanieren war teilweise schon schwierig, bestätigt der Hofkirchner, „man muss umdenken und sich viel informieren. Die Handwerker, die wir gebraucht haben, mussten vor allem Hausverstand, Geschick und viel Liebe zur Arbeit mitbringen.“
Auch wenn der Altbau eine ständige Aufgabe bleibt, ist die ökologische Revitalisierung ein positives Beispiel, von dem sich auch die Gäste aus Bayern überzeugen ließen. „Wir haben die vorhandenen Bedenken gegenüber 'öko' grundsätzlich abgebaut“, resümierte Ursula Diepolder von der Leader-Gruppe Passauer Land.
Chance einer Modellregion nutzen
Eingeladen hat ecoforma-Obmann Alfred Rudorfer, der eine ökologische Kreislaufwirtschaft und gesundes Bauen in der Region forcieren will. Allerdings stößt er mit seinen Bemühungen hierzulande kaum auf offene Ohren. Ruhdorfer vermisst vor allem den Willen der öffentlichen Hand, Schulen, Gemeindeämter oder Kindergärten in ökologischer Bauweise zu errichten. „Die Chance, gemeinsam eine Modellregion für ökologische Kreislaufwirtschaft zu schaffen, wird nicht erkannt“, bedauert der Baubiologe. Er will daher versuchen, mit anderen Partnern und in anderen Regionen das Thema weiterzubringen.


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