Milde Winter sind für Forstschädlinge wie Borkenkäfer ein Nachteil
BEZIRK SCHÄRDING. Milde Temperaturen mit wenig Niederschlag sind kennzeichnend für den bisherigen Winter 2019/2020. Frau Holle und Väterchen Frost haben sich bis jetzt nur vereinzelt und ganz kurz gezeigt. Welche Auswirkungen diese mild-trockene Witterung auf die heimischen Wälder sowie die Verbreitung von Schädlingen hat, erklärt Rudolf Auinger (stellvertretend für den Leiter des Forstdienstes der BH Schärding, Hanspeter Haferlbauer) im Tips-Interview.

Tips: Herr Auinger, welche Auswirkungen hat der milde und sehr trockene Winter 2019/2020 auf den heimischen Wald?
Rudolf Auinger: Tageslänge und Temperatur kennzeichnen den Winter und führen bei Erreichen spezieller Grenzwerte zum Austreiben der Bäume, bei den meisten Baumarten ist vor allem die Tageslänge entscheidend. Pflanzen wie die Hasel riskieren Frostschäden durch zu frühes Austreiben. Für die Stabilität unserer Wälder sind diese variierenden Prozesse aber kein Problem. Das Fehlen längerer Frostperioden begünstigt Holzernteschäden, bei zur Verdichtung neigenden Böden. Durch die gestörten Bodenfunktionen aufgrund der Befahrung kommt es zu Zuwachsverlusten und langfristigen Schäden. Um dies zu vermeiden, ist es wichtig, die Befahrung auf ein Rückegassennetz zu konzentrieren und den Waldboden nicht flächig zu befahren.
Tips: Sind die milden Winter für Schädlinge vorteilhaft?
Auinger: Die Temperatur ist für die Populationsdynamik unserer Schädlinge entscheidend. Milde Winter sind für die Forstschädlinge aber eher ein Nachteil. Da Käfer durch die Temperaturschwankungen nicht in eine durchgehende Kältestarre verfallen, müssen sie mehr Energie für den Stoffwechsel aufwenden. Auch wird die Gefahr der Verpilzung der Käfer durch feucht-milde Winter deutlich erhöht. Aufgrund der hohen Bedeutung des Ausgangsbestandes für die Entwicklung einer Massenvermehrung, ist dies für unsere Wälder daher günstig. Entscheidend ist der weitere Witterungsverlauf, insbesondere im Frühjahr. Somit profitieren Käfer von der Klimaerwärmung durch Trockenphasen und die dadurch geringere Abwehrkraft von Bäumen, aber nicht von den milderen Wintern.
Tips: 2018 hat der Borkenkäfer vor allem in den nördlichen Gemeinden des Bezirkes (Schardenberg, Freinberg, Esternberg, Vichtenstein, Engelhartszell, Waldkirchen am Wesen) sein Unwesen getrieben: War das auch 2019 der Fall oder hat sich der Käfer weiter im Bezirk ausgebreitet?
Auinger: Nach Einschätzung der zuständigen Bezirksförster gab es 2019 in diesen Gemeinden, die durch einen sehr hohen Wald- und vor allem sehr hohen Fichtenanteil geprägt sind, noch einmal eine Steigerung der Borkenkäferschäden. Begünstigt wurde die Borkenkäfervermehrung vor allem auch durch die vorausgegangenen Schadereignisse wie den Sturm im August 2017, den Schneedruck im Jänner 2019 sowie immer wieder auftretende Trockenheit. Besonders die Fichtenrestholzhaufen, die häufig in Waldnähe oder sogar im Wald gelagert werden, begünstigen die Borkenkäfervermehrung. Dank des sehr großen Engagements der Waldbesitzer werden die allermeisten Käferbäume rasch aufgearbeitet und aus dem Wald entfernt, problematisch ist aber jeder Käferherd, der nicht rasch aufgearbeitet wird. Wenn nötig stellt der Forstdienst sicher, dass die Borkenkäfergefahr für umliegende Wälder bekämpft wird.
Tips: Können sich Pilze (wie beim Eschentriebsterben) aufgrund der aktuellen milden/trockenen Witterung besser ausbreiten?
Auinger: Eine grundlegende Veränderung bei den Pilzen unserer heimischen Baumarten ist nicht zu erwarten, eventuell kommen für neue, seltenere Baumarten Pilze hinzu. Pilze profitieren indirekt von der Klimaveränderung durch geschwächte Bäume stärker, als direkt durch warme Winter. An Bedeutung gewinnen könnten Baumkomplexkrankheiten, wodurch nicht ein Schädling alleine, sondern das Zusammenspiel mehrerer Ursachen zu Problemen für unsere Bäume führt.
Tips: Was können Waldbesitzer vorbeugend gegen Pilze und Schädlinge tun?
Auinger: Wichtigste präventive Maßnahme ist die Begründung von standortangepassten Mischwäldern. Zur fachlichen und finanziellen Unterstützung der Waldbesitzer gibt es Förderungs- und Beratungsmöglichkeiten durch den Forstdienst der Bezirkshauptmannschaft. Gegen die aktuell besonders bedeutenden Borkenkäfer ist der Forstschutz wesentlich. Daher ist die umgehende Entfernung von befallenen Bäumen und insbesondere von Reisighaufen aus dem Wald sehr wichtig. Bei fichtendominierten Beständen der jüngeren Altersklassen ist eine geringere Oberhöhe der Zielbestände, aufgrund der mit steigender Baumhöhe überproportional steigenden Wasserversorgungproblematik, sehr günstig. Erreicht wird dies über frühe und regelmäßige Durchforstungen. Da die Baumhöhe im Gegensatz zur Durchmesserentwicklung kaum von der Dichte der Bestockung beeinflusst wird. Bei regelmäßigen Durchforstungen kann dadurch, mit einem geringeren Alter der Zieldurchmesser bei geringerer Oberhöhe erreicht werden. Dort, wo also bereits Fichtenbestände stocken, ist die Durchforstung umso wichtiger, je jünger der Bestand ist.
Tips: Welche Witterung bräuchte es, damit Bäume am besten den Winter überstehen bzw. sich am besten entwickeln?
Auinger: Ausreichend Niederschlag verteilt über die gesamte Vegetationszeit und eine möglichst geringe Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur. Die Witterung im Winter alleine ist nicht erfolgsentscheidend.
Tips: Welche Baumarten kommen mit den aktuellen Witterungsverhältnissen am besten zurecht?
Auinger: Am besten kommen Kombinationen verschiedener Baumarten, also Mischbestände mit wärmeren Temperaturen zurecht. Da hier das Risiko gestreut wird. Die Baumartenwahl ist stark vom Standort und den Eigentümerzielen abhängig und kann daher nicht pauschal beantwortet werden. Wichtig ist eine hohe genetische Qualität im Hinblick auf forstfachlich wichtige Eigenschaften und Merkmale des Pflanzmaterials. Dies wird durch die Arbeit der Forstdienste im Rahmen des forstlichen Vermehrungsgutgesetzes sichergestellt.


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