Wenn die Wiese zur Steppe wird: Rohrbachs Bauern kämpfen gegen den Engerling

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 12.07.2019 04:31 Uhr

BEZIRK ROHRBACH. Die Grünlandbauern kommen nicht zur Ruhe. War es im Vorjahr die extreme Trockenheit, die für Ernteausfälle gesorgt hat, so sind es heuer die Engerlinge, die in ihrem Hauptfraßjahr die Wiesen kahl fressen.

Schon im Frühjahr hat Grünlandreferent Peter Frühwirth eindringlich gewarnt, dass heuer ein extremes Engerling-Jahr bevorsteht und an die Landwirte appelliert, rechtzeitig und konsequent zu handeln und die Larve zu bekämpfen (Tips berichtete). Allerdings dürfte man die Problematik unterschätzt haben.

Der gefräßige Engerling richtet aktuell im ganzen Bezirk Schaden an. Besonders betroffen ist der nördlichste Teil der Region, wo einige Betriebe 80, 90 Prozent ihrer Grünfläche verloren haben. „Wir müssen die Hälfte unserer Tiere im Stall verkaufen, weil wir kein Futter mehr haben. Schon jahrelang richten wir immer wieder die Wiesen her“, zeigt Altbauer Erwin Greiner aus Panidorf auf. „Wenn das so weiter geht, sind wir bald finanziell am Ende.“ So wie ihm, geht es vielen in dieser Region. Stefan Grobauer, der Wiesen von Klaffer bis Oberschwarzenberg bewirtschaftet, kämpft schon seit 2007 gegen den Engerling. Er hat sein Grünland mit der Kreiselegge bearbeitet und es auch mit der Pilzgerste versucht – alles brachte aber nur kurzzeitig Erfolg. Heuer ist der Engerling wieder da. „Es müsste sich jemand den Boden anschauen und untersuchen, welche Pflanzen hier noch existieren können“, fordert er Alternativen ein.

Ausnahmegenehmigungen gefordert

Zu diesem Zweck haben betroffene Landwirte Bezirksbauernkammer-Obmann LAbg. Georg Ecker zu einem Lokalaugenschein nach Klaffer und Schwarzenberg geholt. Was sie von ihm, respektive dem Land OÖ erwarten? Zum einen finanzielle Unterstützung, um die Sanierung der Wiesen durchführen zu können. Zum anderen Ausnahmegenehmigungen, um die Flächen kurzfristig als Acker nutzen zu dürfen, ohne aus dem Grundwasserschutzprogramm zu fallen.

„Jetzt muss gekreiselt werden“

Georg Ecker kann ihnen da allerdings kaum Hoffnung machen. Er rät den Betroffenen, die Wiesen sofort großflächig umzukreiseln, damit den Engerling, der kein UV-Licht verträgt, an die Oberfläche zu holen und abzutöten, zu düngen und dann – sobald Regen angesagt ist – neu anzusäen. „Wenn jetzt nichts gegen die Maikäfer-Larve unternommen wird, haben wir in drei Jahren ein noch größeres Problem. Denn im nächsten Jahr fliegt der Maikäfer, legt dann seine Eier ab und es geht von vorne los.“

Extensiv bewirtschaftete Flächen besonders gefährdet

Vor  etwa zehn Jahren war das Engerling-Problem auf den Raum Pfarrkirchen, Neustift, Oberkappel begrenzt – mittlerweile hat es sich ausgeweitet. Bezirksweit rechnet Ecker, dass etwa 50 Prozent der Gründlandflächen betroffen sind. „Es trifft eher extensiv bewirtschaftete Betriebe. Wo ausreichend Nährstoffe auf die Flächen ausgebracht werden, also mit Gülle oder Kalkstickstoff gedüngt  wird, ist die Situation nicht so dramatisch.“

In Zusammmenarbeit mit Frühwirth wird derzeit eine spezielle Saatgutmischung zusammengestellt, die schnellen Futterertrag bringen und damit die nächste Mahd für die Landwirte sicherstellen soll.

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Kommentare

  1. Tobias H.
    Tobias H.18.07.2019 19:58 Uhr

    Meikäfer oder Junikäfer - Ich denke, ich habe Junikäfer Engerlinge! Maikäfer Engerlinge fressen Strauch und Baumwurzeln. Junikäfer Engerlinge fressen Wiesen und Graswurzeln. Erkennt man auch an der After-Öffnung und wie die sich fortbewegen wenn man die ausgräbt.

    • Tobias H.18.07.2019 20:04 Uhr

      Maikäfer - Junikäfer - Ich versuche die Engerlinge mit einjährigen GIFTIGEN Acker oder Feld-Rittersporn zu bekämpfen. Angeblich fressen Engerlinge die Wurzel und sterben daran. Ist für Bauern natürlich keine Hilfe aber für Gartenbesitzer.

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