Jungbauern gehen kreative Wege: Vom Kühlsattel zum Hühnermobil

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Katharina Vogl Katharina Vogl, Tips Redaktion, 01.12.2017 06:53 Uhr

GROSSREICHENBACH. Die Landwirtschaft verändert sich stark. Viele Betriebe können nicht mithalten und müssen zusperren. Andere wiederum gehen neue, kreative Wege, wie Franz und Agnes Schrenk aus Großreichenbach bei Schweiggers. Der designierte Hofübernehmer und seine Frau setzen auf zwei selbstgebaute Hühnermobile und auf viel Herzblut und Leidenschaft für ihr Tun.

„Nicht Wachsen um jeden Preis, sondern Mut zur Veränderung ist unser Leitsatz, den wir bereits bei der Bio-Umstellung 1995 in die Tat umsetzten“, meint Renate Schrenk, derzeit noch die Betriebsführerin am Hof. Mit Jahreswechsel wird ihr Sohn Franz den Hof übernehmen. Dabei war das vor etlichen Jahren noch nicht klar. Nur von ihrer Wirtschaft alleine konnten zwei Generationen nicht leben. So zog es Franz erst mal hinaus, wie so viele.

Der Kraftfahrer lernte Agnes kennen. Sie arbeitete, mit einem Archäologiestudium in der Tasche, in Carnuntum. „Wir pendelten zwischen Wien und dem Waldviertel - irgendwann war es Zeit, Wurzeln zu schlagen“, erinnert sich Agnes. 2012 zogen die beiden nach Großreichenbach, auf den elterlichen Betrieb von Franz. Agnes hatte mittlerweile einen guten Job in der Versicherungsbranche gefunden, wenig später erblickte Baby Bastian das Licht der Welt, zwei Jahre darauf dann Arthur. Langsam „kristallisierte sich heraus, dass wir den Hof einmal übernehmen werden“, so Agnes. Aber in welche Richtung kann das gehen, erweitern oder verändern?

Auf das Huhn gekommen

„Für uns kam nur Bio-Freilandhaltung in Frage“, meint Franz. Viele Überlegungen und Betriebsbesichtigungen später war klar: Sie wollten auf das Urprodukt „Ei“ und damit auf Legehennenhaltung setzen. Die hohen Kosten eines Stalles vor Augen, baute Franz sein erstes Hühnermobil, aufbauend auf einem Holzgerüst, das von Isolierpaneelen verschlagen wurde.

Der große Vorteil: Alle drei bis vier Wochen kann man den Stall auf eine frische Grünfläche ziehen. „Gras ist maßgeblich für die Qualität des Ei“s„, weiß Agnes, zudem werde durch diese Versetzung der Boden geschont. “Auch wenn auf den Eierschachteln im Supermarkt oft viel Wiese und Grün abgebildet ist, ist das praktisch gesehen bei den wenigsten Legehennenbetrieben der Fall„, erklärt die dreifache Mutter. Überhaupt sei der Bio-Begriff ein sehr dehnbarer. Im Zuge von regulären Handelsverträgen gehe es meist nur mehr über die Masse.

Im August 2016 kamen die ersten 150 Bio-Hennen auf den elterlichen Hof. Zeitgleich wurde auch der Selbstbedienungs-Hofladen, ein Holzhäuschen mit geeignetem Kühlschrank, eröffnet. Die Nachfrage war groß, so stand Ende 2016 der Entschluss fest, einen zweiten fahrenden Hühnerstall zu bauen. Parallel zu seinem Beruf als Kraftfahrer absolvierte Franz noch die Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter. Agnes war hochschwanger.

Dann der Rückschlag: Im Jänner 2017 wurde österreichweit eine Stallpflicht für Freilandvögel aufgrund der Geflügelpest verordnet, die in vielen Teilen Europas ausbrach. Elf lange Wochen folgten. “Uns kam es wie eine Ewigkeit vor, um ein Haar hätten wir wie alle anderen Bio-Betriebe sonst auf Bodenhaltung umdeklarieren müssen„, erinnert sich Agnes nur ungern zurück.

Zeitgleich, kurz vor Ostern, dann der nächste Schreck: Ein Fuchs drang in das Revier - es herrschte noch Stallpflicht - ein und erlegte etwa 80 Hennen. “Auf einmal hatten wir nur mehr die Hälfte der Eier zur Verfügung und das knapp vor der Hochsaison„, berichtet Franz.

Hühnermobil Numero zwei

Nichts desto trotz, die Schrenk“s ließen sich nicht unterkriegen. Als Sohnemann Konstantin auf der Welt war, wurde mit dem Bau des zweiten Hühnermobils begonnen. Es war dies ein ehemaliger Kühlsattel: Auf diesen montierte Franz die Sattelplatte eines ehemaligen Ladewagens, installierte Fenster und Luken für die Eierabnahme, eine Schrapperbahn, Futterbehälter und Legenester aus Schaltafeln.

Tierische Vielfalt

„Wir wünschen uns ein hohes Maß an Tiergesundheit und sind sehr darauf bedacht, dass wir die biologische Lebensweise auch im Alltag umsetzen, angefangen von der Müllvermeidung bis hin zu der Reduktion von Traktorstunden“, betont Franz.

Mittlerweile tummeln sich auch noch vier stolze Hähne, die fünf Turopolje-Zuchten Trudl, Walpurga, Nora, Nike und Fortuna sowie einige Jungtiere auf dem Hof. Nicht zu vergessen, Eber und Prachtexemplar Lars, der auf natürlichem Wege für die Nachkommen am Hof sorgt. Derzeit entsteht übrigens gerade ein Außenklimastall für die Freilandschweine.

Zum tierischen Bestand zählen weiters noch Jungrinder und ein Deckstier. Hund Jester sowie Katzen machen den Bauernhof komplett.

„Haben unseren Weg gefunden“

„Wir können uns hier verwirklichen, es wäre mir auf Dauer zu wenig “nur„ Mama und Hausfrau zu sein“, meint Agnes, die neben der Büroarbeit noch den Social-Media-Aufbau erledigt und die behördlich registrierte Packstelle schupft. Auch hier setzt sie auf einen kreativen Mehrwert, so legt sie jede Woche ein Rezept, abwechselnd süß und pikant, in die Eierschachtel. „Man kann so schnell gesunde kulinarische Kreationen zaubern, dafür muss man kein Meisterkoch sein“, lacht die 33-jährige Mama. Neben der „Eier-Abo-Tour“, wie die Familie ihre Liefertour bezeichnet, sind die Bio-Eier der Schrenks mittlerweile auch in der „Regionalecke“ von einigen Supermärkten der Umgebung gelistet.

Die beiden haben ihren Weg gefunden und der kann auch in heutiger Zeit die Landwirtschaft sein, sind sie überzeugt. „Uns hat das als Familie sehr zusammengeschweißt, man ist stolz auf das Geschaffene und das Schöne ist, auch die Kinder leben das mit und bekommen einen natürlichen Bezug.“

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