Kunst bei Denkmal: „Was folgt als nächstes: Tanzen auf dem Friedhof?“

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Tips bat Karl Ramsmaier zum Gespräch bei der Kunstinstallation. Sie zeigt einen Hasen – Symbol des Lebens –, der die Stirn eines alten Mannes beschnuppert. (Foto: mian)
Angelika Mitterhauser Angelika Mitterhauser, Tips Redaktion, 04.05.2021 17:00 Uhr

STEYR. Viel Zuspruch – aber nicht nur – gibt es für eine Kunstinstallation an der Westseite der Stadtpfarrkirche. Tips-Leser Gunter Mayrhofer hält die Verhüllung des Kriegerdenkmals für vollkommen fehlplatziert.

Dass auch in einem Motiv mit dem Titel „Friede den Menschen“ Konfliktpotenzial stecken kann, zeigt unverhofft eine Aktion des Projektes „Kirche in der Stadt“. Projektleiter ist Mauthausen-Komitee-Steyr-Obmann und Religionslehrer Karl Ramsmaier. Er und sein Team vom Dekanat Steyr laden derzeit im Rahmen der Landesausstellung dazu ein, Kirche als Ort der Meditation, Inspiration und des Nachdenkens zu erleben.

Kirche als Nachdenkort

Eingerichtet wurde dafür in der Stadtpfarrkirche beispielsweise das Angebot einer Zehn-Minuten-Wallfahrt mit drei Stationen. Auf Lesepulten erfahren die Besucher zudem etwa persönliche Gedanken von Steyrer Bürgern zur Bibel und in der Vorhalle erzählen Grabplatten ihre Geschichten und Botschaften. Für eine Kunstintervention herangezogen wurde außerdem das Kriegerdenkmal an der Westfassade der Kirche: Auf einer großen Leinwand beschnuppert ein Hase die Stirn eines alten Mannes, darüber und darunter zu lesen sind die Worte: Bedenken - Berühren. „Die Installation greift die Spannung auf zwischen Steyr als Christkindlstadt und dem Umstand, dass es die Produktion von Waffen war, die der Stadt über Jahrhunderte Wohlstand brachte“, erklärt Karl Ramsmaier.

Totendenkmal versus Kunst

Als praktizierendes Mitglied der Stadtpfarre erachtet Gunter Mayrhofer, seines Zeichens Kulturstadtrat, jedoch genau diese Installation als taktlos. Das Kriegerdenkmal sei „ein geweihtes Denkmal für Menschen, die im Dienste für unser Land ihr Leben lassen mussten“, spricht er von einem Ort des Erinnerns auch für Angehörige. Nun sei dieser Ort verbarrikadiert, mit dem Hinweis, dass in Steyr Waffen produziert wurden. „Ein Mahnmal gegen die Gewalt ist gut und richtig, aber wurde hierfür der richtige Platz gewählt?“, so Mayrhofer empört, „was folgt als nächstes: eine Tanzperformance auf dem Friedhof? Graffiti an Wandgräbern oder Provokationskunst am jüdischen Friedhof?“

Kirche als Museum?

Das Mitglied des Kirchenrestaurierungsvereins wundert sich, ob der Pfarrgemeinderat der Installation zugestimmt hätte. „Auch die Stadt und das Land OÖ unterstützen diese Aktion nicht“, so Mayrhofer. Ob man aus Kirchen denn Museen machen wolle, fragt der Steyrer. „Ich bin alle Jahre bei der Allerheiligenfeier am Totendenkmal. Herrn Ramsmaier habe ich dabei noch nie gesehen – schade.“

Motiv gegen Krieg und Gewalt

Die Stadtpfarre habe die Kunstintervention am 7. Mai 2020 genehmigt, hält Karl Ramsmaier fest. Das Konzept mit einem Motiv der Künstlerin Elisabeth Kramer habe bisher viel Lob erhalten, dass es auch Kritik gibt, sei normal. „Die Idee des Projekts war und ist, in der Christkindlstadt einen Denkanstoß zu geben, sich im Sinne des Weihnachtsevangeliums verstärkt für den Frieden zu engagieren. Dafür eignet sich das Kriegerdenkmal auch deshalb, weil es ein Ort ist, der emotionalisiert“, so Ramsmaier über die zeitlich begrenzte Verhüllung der Tafeln für die Gefallenen. „Das Kriegerdenkmal wurde ursprünglich als ‚Heldentor‘ gestaltet, innenseitig findet man auch noch Schilder mit Bezug zur deutschen Wehrmacht. Es ist sicherlich zeitgemäß, einen Prozess anzuregen, wie die Stadt Steyr zum Frieden beitragen kann“, so Ramsmaier. Ziel sei es jedenfalls, die Menschen mit der Aktion im positivsten Sinne zu berühren.

Kommentare

  1. Hochstrasser
    Hochstrasser 05.05.2021 10:06 Uhr

    Kunst an der Stadtpfarrkirche - Ich kann Herrn Mayrhofer nur voll und ganz zustimmen. Was kommt als nächstes

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