Durststrecke: Auf den Almen wird immer öfter das Wasser knapp
REGION STEYR-KIRCHDORF. Die vordringlichste Bedrohung für unsere Almen sei eine, an die man oft nicht sofort denkt: die zunehmende Trockenheit und damit Wassermangel, sagt Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger: “Ohne Wasser gibt es keine Almwirtschaft.“

Der Wasserbedarf für den Betrieb einer Alm ist nicht zu unterschätzen. Ein Rind benötigt je nach Alter und Gewicht an heißen Tagen bis zu 180 Liter pro Tag. Generell brauchen Kühe, Pferde, Schafe oder Ziegen durch die aktive Futtersuche und die kräftigere Sonne mehr Wasser als daheim am Hof. Mangelt es daran, leiden die Tiere stark an Durst, was zu Fressunlust führt. Damit sinkt die Milchleistung, was den Bauern das Wirtschaften erschwert.
Zum Bedarf der Tiere hinzukommt auf einer bewirtschafteten Alm naturgemäß noch der Bedarf der Menschen – sei es für jene, die dort arbeiten oder die einkehrenden Wanderer.
Wachsendes Problem
Die vergangenen Almsommer waren auch in Oberösterreich von immer längeren Trockenperioden geprägt. Vielfach waren die Bewirtschafter gezwungen, für das Weidevieh Wasser auf die Almen zu bringen. Der Kosten- und Zeitaufwand ist belastend. „Für einen geordneten Almbetrieb ist Wasser in ausreichender Menge und entsprechender Güte unerlässlich. Eine verlässliche Wasserversorgung auf unseren Almen wird das vorrangigste Ziel der nächsten Jahre sein. Die Abteilung Ländliche Neuordnung (LNO) unterstützt daher die Errichtung und Verbesserung von Wasserversorgungsanlagen mit einem Fördersatz von 50 Prozent“, erklärt Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (VP).
Geförderte Maßnahmen seien unter anderem die Wasserfassung, -speicherung und -aufbereitung, außerdem Wasserleitungen und Viehtränken.
Auf der Gschwendtalm
Eine innovative Wasserversorgungsanlage wurde auf der Gschwendtalm in Großraming verwirklicht. Die Alm liegt an den südwestlichen Hängen des Gamssteins auf gut 950 Meter Seehöhe. Vom Parkplatz im Brunnbachtal kann man sie mit der ganzen Familie in etwa einer Stunde erwandern. Die Gschwendtalm befindet sich im Eigentum einer Almgemeinschaft von neun Bauern aus der Region. Der Almweidefläche zählt 26 Hektar, 46 Rinder und drei Milchkühe werden im Sommer hinaufgetrieben.
Obwohl die Alm gute tiefgründige Weideböden aufweist, ist im Umkreis seit jeher nur eine kleine Quelle bekannt. Bei großer Trockenheit reicht deren Schüttung für den täglichen Bedarf nicht aus. Zur Versorgung der touristisch genutzten Almhütte mit Trinkwasser wurde 2005 die bestehende Quelle neu gefasst und drei Behälter errichtet. Der Bedarf für das Vieh konnte allerdings immer öfter nicht gedeckt werden.
Nach der fruchtlosen Suche neuer Quellen mithilfe von Rutengehern, entschieden die Bauern, die kleine aber konstante Schüttung der vorhandenen Quelle auszunützen. Ein größeres Bassin sollte im Sommer die ausreichende Versorgung gewährleisten, während in den Wintermonaten der Wasservorrat wieder aufgefüllt würde. Die Wahl fiel auf einen 150 m³ fassenden Betonbehälter. Im Herbst 2018 begannen die Arbeiten. Dank einer standardisierten Ausführung waren die Kosten überschaubar. Das Bassin wurde zum Schluss mit Erdaushub bedeckt und begrünt. Für dessen Errichtung und die Grabung der Wasserleitungen kam Unterstützung in Form einer Landesbeihilfe.
Wasserleitungssystem
Um für alle Fälle gerüstet zu sein, wurde ein zusammenhängendes System aus Wasserleitungen erdacht. Zuerst werden die drei Trinkwasserspeicher aufgefüllt und erst der Überlauf geht in den großen Behälter. Dadurch geht in den Sommermonaten kein Wasser mehr verloren. Im Notfall könnte auch der Vorrat aus den Trinkwasserbehältern zu den Viehtränken geleitet werden. Ausgehend vom errechneten Gesamtbedarf von ca. 3.000 Liter pro Tag für die gealpten Tiere, kann das Weidevieh mit einem vollen Behälter 50 Tage versorgt werden. Die Anlage ist mittlerweile seit sechs Jahren in Betrieb.


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