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REGION STEYR. Während der Mensch ob der schwülen Sommerhitze seinen Bewegungsradius verkleinert, geht in den heimischen Wäldern und Feldern die Post ab. Von Ende Juli bis Mitte August ist Sprengzeit. Auch Blattzeit oder Brunft wird die Fortpflanzung des Rehwildes genannt. 

Das blinde Treiben der liebestollen Rehe erhöht aktuell das Unfallrisiko auf den Straßen der Region. (Foto: Ch. Böck)

Gerade für die Rehböcke sind diese Wochen sehr intensiv, da es immer wieder zu Territorialkämpfen mit Rivalen kommt. Um sich mit einer Geiß zu paaren, müssen die Böcke beharrlich und geschickt sein, denn beim ersten Annäherungsversuch flüchtet die Rehgeiß, so dass es zu einer Art Hetzjagd kommt: dem Treiben. „Wenn das Männchen das Weibchen durch Wald, Wiesen und Felder verfolgt, um es zu begatten, kann das unter Umständen recht rasant über mehrere 100 Meter gehen; und es wird oft von einem lauten Keuchen des Bockes begleitet. Die Tiere nehmen dann um sich herum kaum noch etwas anderes wahr, sind sozusagen blind vor Liebe. In unserer zerschnittenen Kulturlandschaft bedeutet das eine Gefahr für den Straßenverkehr“, erklärt Bezirksjägermeister Rudolf Kern.

Ein Reh kommt derzeit selten allein

Nicht nur in Wald- oder auf beschilderten Streckenabschnitten kreuzen Rehe nun vermehrt die Straße, sondern auf verschiedenen Überlandstrecken - und das den ganzen Tag über. Vorausschauendes Fahren und ein gedrosseltes Tempo sind gefragt. „Rehe am Straßenrand oder im angrenzenden Wald sollten für Autofahrer ein Signal sein. In der Brunft ist ein Reh selten allein unterwegs. Man muss immer mit einem zweiten rechnen“, ersucht Kern um verstärkte Aufmerksamkeit.

Sie ziehen ihre Kreise

Sogenannte „Hexenringe“ entstehen, wenn die Brunft ihren Höhepunkt erreicht. „Die Rehgeiß verlangsamt die Flucht vor dem Bock ihrer Wahl und flüchtet nicht mehr geradlinig, sondern kreisförmig. Dabei blickt die Rehgeiß öfters nach hinten, bis der Bock ihr wieder folgt. Bei diesem Ritual entstehen Muster im Gras. Aus der Vogelperspektive sind meist zwei aufeinanderliegenden Kreise bzw. ein Achter erkennbar. Im frischen Gras oder in Kornfeldern sind diese Muster noch lange nach der Paarung zu erkennen“, so Kern.

Die Fortpflanzung bei Rehen ist auf wenige Wochen im Jahr beschränkt, wobei die Geißen etwa vier Tage brunftig sind. Danach sind sie 40 Wochen lang trächtig, 18 Wochen davon mit Keimruhe. So nennt man die Zeit, in der ein befruchtetes Ei in der Entwicklung stillsteht. Dieses Phänomen ist nur bei Rehwild und Marderartigen bekannt. Dadurch werden Kitze nicht in die harte Winterzeit hineingeboren. Erst im nächsten Mai setzt die Geiß ein bis zwei, manchmal auch drei Kitze.


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