Weniger arbeiten, mehr Freizeit
STEYR. Ein hochkarätig besetztes Podium diskutiert am Mittwoch, 19. September, im Museum Arbeitswelt die Chancen und Gefahren des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE).

Viele neue Technologien werden von Trendforschern „disruptiv“ genannt. Sie zerstören also ganze Geschäftsfelder; gut laufende Firmen können innerhalb weniger Jahre bankrott gehen, wenn sich eine neue Technologie durchsetzt. Eliminiert die Technologie einen Beruf oder entwertet sie gar eine ganze Kategorie von Kompetenzen, müssen die betroffenen Arbeitnehmer neue Fähigkeiten entwickeln. Das funktioniert natürlich nicht immer von heute auf morgen. Doch was, wenn dieser Prozess zehn Jahre dauert? Und was, wenn der technische Wandel in der Zwischenzeit weitergeht?
Grundeinkommen
Vielerorts wird über Alternativen nachgedacht, wie dieser Wandel sozial und ökonomisch verträglich gestaltet werden kann. Eine der mittlerweile bekanntesten und meist diskutierten ist die eines bedingungslosen Grundeinkommens. Die Vision ist an die Prognose gekoppelt, dass in Zukunft kaum jemand mehr arbeiten muss, weil intelligente Systeme für uns praktisch alles erledigen. Kaum jemand kann dann Einkommen durch Arbeit erwirtschaften, weswegen die Wirtschaft auf eine ganz neue Grundlage gestellt werden müsste. Jedem Bürger soll ein Grundeinkommen ausbezahlt werden, das den Lebensunterhalt deckt. Darüber hinaus kann man mit Arbeit etwas zusätzlich verdienen, man muss aber nicht.
Utopie oder Alternative?
Die Vision ist wunderbar, hat aber auch ihre fragwürdigen Seiten. Solange es noch Arbeit gibt, wird ein Teil der Gesellschaft weiter arbeiten, ein anderer Teil leidet zwar nicht unter Not, aber ihm fehlt die gesellschaftliche Anerkennung, die heute immer noch mit Arbeit verbunden ist. Würde dann ein Grundeinkommen nicht zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft führen? Und ist es wirklich gerecht, wenn alle, egal wie viel sie besitzen, wie hoch ihr Gehalt ist und egal wo sie leben, wie ihr Gesundheitszustand ist, das gleiche Grundeinkommen bekommen?
Finanzierung ungeklärt
Hier scheiden sich die Geister und auch die Berechnungsbeispiele. Trotzdem fordern immer mehr Menschen, dass ein solches Grundeinkommen erprobt werden sollte. Denn abseits von Finanzierungs- und Verteilungsfragen würde ein solches Grundeinkommen die Strukturen und Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens verändern: Wer oder was motiviert die Menschen, um sich zu bilden? Müssen die Tage neu strukturiert werden? Wenn Arbeit wirklich freiwillig wird, wie wirkt sich das auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus? Wer erledigt dann die Jobs, die nicht automatisiert werden können und schlecht bezahlt sind? Menschen können zwar so kreativ sein, wie sie wollen, aber wollen sie das auch wirklich? Oder versinken sie in Gleichgültigkeit?
Freier Eintritt
Geht der Menschheitstraum vom Ende der Arbeit mit der Digitalisierung in Erfüllung? Wie könnte so ein Leben nach der Arbeit aussehen? Und werden Menschen mit der gewonnenen Freiheit, die ihnen durch ein bedingungsloses Grundeinkommen versprochen wird, umgehen können? Die Auftaktveranstaltung zur Reihe „Digitale Transformation“ soll Licht hinter viele dieser Fragen bringen. Beginn im Museum Arbeitswelt in Steyr ist am Mittwoch, 19. September, 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Anmeldungen per E-Mail: office@museum-steyr.at oder Tel. 07252/77351-0


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