Steyrs Abhängigkeit von der Auto-Branche

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(Foto: fotokerschi.at/Kerschbaummayr)
Robert Hofer Robert Hofer, Tips Redaktion, 19.04.2021 14:48 Uhr

STEYR. Eine neu Wifo-Studie zeigt, dass mit jedem Arbeitsplatz in der Kfz-Produktion in Steyr bundesweit zweieinhalb weitere Jobs verbunden sind.

Die Arbeiterkammer Wien hat eine Studie zur Bedeutung des Kfz-Sektors für die Arbeitsplätze und die Zukunft der regionalen Wirtschaft in Steyr in Auftrag gegeben. „Mit jedem einzelnen Arbeitsplatz der Kfz-Produktion in Steyr sind bundesweit zweieinhalb weitere Jobs verbunden, mehrheitlich in anderen Branchen als der Produktion, etwa im Handel oder am Bau“, sagt Studienautor Gerhard Streicher vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO), der die Analyse gemeinsam mit Stefan Fuchs und Fabian Gebelberger im Auftrag der AK Wien durchgeführt hat.

Arbeitsplatz für Einpendler

Die Kfz-Produktion ist für die Stadt Steyr eine wesentliche Wirtschaftsbranche, fast ein Viertel der Beschäftigten ist unmittelbar dort tätig. Die gute Entwicklung hielt auch in der jüngeren Vergangenheit an: Zwischen 2016 und 2018 stieg die Beschäftigung in der Kfz-Produktion mehr als doppelt so schnell wie in Steyr insgesamt. Als regionales Zentrum ist Steyr ein bedeutender Zielbezirk für Einpendler aus den Nachbarbezirken: Drei Viertel der Kfz-Beschäftigten kommen von außerhalb (v.a. aus den Bezirken Steyr-Land und Amstetten). Das ist deutlich höher als der Durchschnitt über alle Branchen (60 Prozent). 17 Prozent aller Kfz-Beschäftigten in ganz Österreich sind in Steyr beschäftigt.

Immenser Beschäftigungseffekt

Nicht nur in den Betrieben der Kfz-Industrie entsteht unmittelbar Beschäftigung, sondern auch in der Zulieferkette sowie durch die Konsumausgaben der Beschäftigten des Kfz-Sektors. Werden die verbundenen indirekten und induzierten Effekte (Konsum- und Investitionseffekte) berücksichtigt, wird die Bedeutung der Kfz-Produktion noch klarer. Simulationen, die alle Wirtschaftssektoren einbeziehen, zeigen, dass die Steyrer Kfz-Industrie pro Umsatz-Milliarde mit insgesamt rund 5.500 Jobs verbunden ist:

  • rund 1.700 Personen sind direkt in der Kfz-Branche beschäftigt,
  • In Zulieferbetrieben finden österreichweit weitere 1.600 Personen Beschäftigung (indirekte Effekte).
  • durch darüber hinaus angeregte Konsum- und Investitionsausgaben werden über „induzierte“ Effekte zusätzlich rund 2.200 Jobs österreichweit ausgelastet.

20.000 Jobs in diversen Branchen

Die regionale Zuteilung einer Umsatz-Milliarde aus der Kfz-Produktion in Steyr zeigt, wie damit nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Österreich Arbeitsplätze verbunden sind, vor allem in Wien sowie in den Bezirken Linz, Linz-Land, Amstetten und Steyr-Land. An der gesamten Steyrer Kfz-Produktion mit seinen rund 6.000 direkt am Standort Beschäftigen hängen bundesweit insgesamt – direkt, indirekt und abgeleitet – rund 20.000 Jobs; zur Hälfte in anderen Branchen als der Produktion, etwa im Handel oder am Bau.

Prägend für Steyr

Die Dominanz der Kfz-Industrie in Steyr prägt die Wirtschaftsregion und den regionalen Arbeitsmarkt. Dies umso mehr, als sich um den traditionellen Kfz-Standort (der Vorläufer der Steyr-Daimler-Puch begann 1918 mit der Automobilproduktion) im Laufe der Zeit ein Pool an Arbeitnehmern mit hervorragendem spezifischen Know-how und Kompetenzen herausgebildet hat, von spezialisierten Werkzeugmachern bis zu den Absolventen der HTL Steyr mit ihrer Spezialisierung auf Maschinenbau und (im weiteren Sinn) Fahrzeugtechnik. Eine größere Krise im Steyrer Kfz-Bereich abzufangen, wäre ein besondere Herausforderung, zumal viele Unternehmen direkt oder indirekt mit der Kfz-Branche verbunden sind, und damit auch deren Risiko mittragen.

Politik gefordert

„Österreichs Industrie darf nicht in einen wohlstandsmindernden Wettbewerb um niedrige Löhne und Steuern abrutschen. Sie muss auf hohe Qualität und Produktivität setzen, um den Wohlstand zu erhöhen. Dafür müssen die zahlreichen bestehenden Stärken der heimischen Industrie weiterentwickelt werden. Infrastrukturentwicklung, Aus- und Weiterbildung, Forschung und Arbeitsmarktpolitik wie aktives Regionalmanagement – hier sind Bundes- und Regionalpolitik gemeinsam mit den Sozialpartnern gefordert, um Österreichs exzellenten Industriestandort für die nächsten Jahre und Jahrzehnte zu sichern“, sagt AK-Wien-Chefökonom Markus Marterbauer.

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