Taufkirchner reist mit seinem Motorrad zum Dach der Welt
TAUFKIRCHEN AN DER PRAM. Die Motorradtour von Ewald Ratzenböck aus Taufkirchen an der Pram durch Zentralasien, Kirgistan und Tadschikistan war kein Urlaub, sondern ein hartes Abenteuer.

Von Osh (KIRG) ging es durch die Steppe nach Khujand (TAD) und Istaravshan, eine der ältesten Städte Mittelasiens. Wie eine Perle liegt der Iskanderkul im Gebirge, der See des Alexander. Bei Rabot sah er Rauchfahnen aus den Hängen des Berges Kantagh aufsteigen, der Name bedeutet „blutiger Berg“, seit Generationen glosen tief im Berg Kohleflöze. „Wir können über die seit Jahren gesperrte Strecke durch Schneefelder, über Geröllblockaden auf den 3.373 Meter hohen Anzob-Pass fahren. Vom Wetterbeobachter und seiner Frau werden wir mit Tee, Brot und Joghurt bewirtet“, erzählt Ratzenböck.
Hitzepol
Bei einer Lufttemperatur von 42 Grad trifft der Taufkirchner in der Hauptstadt Dushanbe ein. Bei Talvidara steht die Reisegruppe vor einem Geröllkegel, aber sie finden eine Ersatzroute zum 3.252 Meter hohen Khaburabot Pass und hinab nach Kalaikhum. Weiter ging es den ganzen Tag, 240 Kilometer immer direkt am Panj, dem wichtigsten Quellfluss des Amurdarja entlang, die Straßenböschung fällt unmittelbar und steil hinab zum dahinschießenden Wasser. Im Bartangtal kam es 1911 infolge eines Erdbebens zu einem Bergsturz, dabei entstand der mit 600 Meter weltweit höchste natürliche Staudamm, hinter dem sich ein 55 Kilometer langer See bildete. Wenn der Damm bricht, würden die Wassermassen alles mit sich reißen, fünf Millionen Menschen wären betroffen, der See wird daher auch als sleeping dragon bezeichnet. Nach Khorog fährt die Gruppe noch immer am gefährlichen Panj-Fluss entlang. „Wir sehen die Stämme junger Bäume, meist Pappeln werden hier mit Dornenzweigen vor den spitzen Mäulern der Ziegen geschützt. Überall laufen die Kinder an den Straßenrand und begrüßen uns mit lautem Hello“, so der Taufkirchner.
Originelle Registrierkasse
Nach der Brücke von Ishkashim beginnt der Wakhan-Korridor, ein schmaler Landstreifen zwischen Pakistan und Tadschikistan. Sanddünen hier waren für Marco Polo, der um das Jahr 1300 in diesem Tal ostwärts nach China durchgezogen ist, kein Problem, für die Reisegruppe schon. Nächster Halt war in Bibi Fotima, bei den heißen Quellen. „Als dicker Strahl strömt das 45 Grad warme Wasser aus einem Rohr in das Badebecken, es ist herrlich“, erzählt Ratzenböck. Zurück im Quartier besteht die Waschgelegenheit aus einem Wassereimer am Zaunpfahl und zum Wasser kommt man durch leichten Druck auf den Stift im Boden des Eimers. Auf über 3.000 Metern thront die im dritten Jahrhundert vor Christus erbaute Yamchun-Festung majestätisch auf einem Felsvorsprung. „Wir finden auch die letzte Tankstelle vor Murgab, für jede Kanne legt der freundliche Tankwart einen Stein auf den Kotflügel des desolaten Tankwagens, ja so funktioniert hier die Registrierkasse“, erklärt der Taufkirchner.
Kältepol am Dach der Welt
Endlich erreicht die Gruppe Bulunkul, dieses geheimnisvolle, weil total einsam in extremer Höhenlage auf 3.740 Meter gelegene 400-Seelen-Dorf. Brennmaterial ist hier sehr kostbar, neben dem getrockneten Rindermist sind die Teresken, langsam wachsende Zwergsträucher, sehr oft das einzige Brennmaterial im Dorf, in dem der zentralasiatische Kälterekord mit minus 63 Grad gemessen wurde. Der Bulunkul-See auf 3.700 Metern, spiegelt, von saftig grünen Wiesen eingerahmt, die dahinterliegende Bergwelt in all ihrer Farbenpracht und ein kleiner Geysir zeigt seine etwa zwei Meter hohe Fontäne. Murghob auf 3.630 Metern liegt im breiten Tal des gleichnamigen Flusses. „Ich kam gerade rechtzeitig zurück, als unsere Gastgeberin im zylindrischen Ofen frisches Brot für uns gebacken hat, es schmeckte sensationell gut“, erinnert sich Ewald Ratzenböck.
Höhepunkt und Riesenkrater
Magisch zieht es die Gruppe zum höchsten Punkt der Reise, dem 4.655 Meter hohen Ak Baytal Pass in einer der trockensten Landschaften der Erde. Eine Stunde später befahren sie die Hochebene, in welche der 380 Quadratkilometer große Karakul See (3.914 Meter) eingebettet ist. „Kilometerlang begleitet uns hier der äußere Grenzzaun Chinas in Sichtweite“, so Ratzenböck. Am Kizil Art-Pass, 4.336 Meter, finden sie direkt an der Grenzstation Hörner des berühmten Pamir-Argali, oder „Marco-Polo“-Schafes. Nach zeitraubenden Zollkontrollen verlässt die Gruppe durch die von roten Bergflanken gesäumte Kyzyl-Art-Schlucht das Hochgebirge und kommt nahe dem Base Camp am Fuße des Pik Lenin zu einer Reihe von Yurten, dem Tagesziel. Das Futter ist jetzt im Sommer schon knapp, so entscheidet der Hirte im Winter über Gedeih und Verderb seiner Tiere und die sind gleichzeitig seine wirtschaftliche Existenz.
Tagwache im Base Camp
Bei wolkenlosem Himmel und bitterer Kälte eröffnet sich der Gruppe der grandiose Blick auf die schnee- und eisbedeckte Nordflanke des 7.134 Meter hohen Pik Lenin. Weiter geht es über Sary-Tash zum 3.600 Meter hohen Taldyk-Pass. An einer Yurte gibt es noch eine Kostprobe von Stutenmilch. „In Osh, der zweitgrößten Stadt Kirgistans, ist der Verkehr chaotisch, wir erreichen aber ohne Probleme unser Hotel und können uns endlich vom Staub und Schweiß der vergangenen Tage befreien“, so Ratzenböck.
Moschee und Barbier
Nach einer Belehrung durch den Imam wird den Herren beim Barbier kunstfertig der Bart entfernt. „Wunderschön wenn man nach einer derart abenteuerlichen, anstrengenden, ja auch gefährlichen Tour in das wahre 'Paradies', nach Österreich zurückkommt und ausschließlich sehr schöne Erinnerungen mitnehmen kann. Allen Abenteurern, Bergwanderern und Enduro-Freunden kann ich Zentralasien nur empfehlen. Ich bin überzeugt, es wird auch für euch ein unvergessliches Abenteuer sein“, so Ratzenböck abschließend.


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