Milchprotest: Großaufmarsch der Bauern bei Ternberger Sparmarkt

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Mag. Angelika Mitterhauser Mag. Angelika Mitterhauser, Tips Redaktion, 26.02.2020 13:21 Uhr

TERNBERG. An der großangelegten Kundgebung des Bauernbundes beteiligte sich auch eine beachtliche Zahl Landwirte aus dem Bezirk Steyr-Land. Bauernbund-Bezirksobfrau Edeltraud Huemer übergab am Vormittag eine Petition an die Handelskette Spar. Gefordert wird u. a. eine „faire Preispolitik“.

In ganz Oberösterreich fuhren mehr als tausend Bauern mit ihren Traktoren auf, zig kamen auch nach Ternberg, um vor dem Sparmarkt zu protestieren, „weil ein Entgegenkommen bei den Preisverhandlungen ausgeblieben ist und sich der Chef des Handelsriesen wie ein Feudalherr den Bauern gegenüber benimmt“, erklärt Bauernbund-Landesobmann Max Hiegelsberger. 

Der Protest der Bauern richtet sich an alle Handelsriesen im Land. Immerhin fast 90 Prozent des gesamten Lebensmittelhandels ist in der Hand von nur drei Unternehmen. Der Bauernbund fordert unter anderem faire Preise für die landwirtschaftlichen Produkte und einen Regionalbonus auf heimische Lebensmittel.

Immer höhere Auflagen

„Die Bauern müssen mit immer höheren Auflagen im Bereich Tierwohl, bei den Umweltstandards und auch seitens Handel umgehen“, erklärt LAbg. Regina Aspalter, selbst Landwirtin in Maria Neustift. „Teilweise erlebt die Landwirtschaft unterm Jahr erhebliche Preisschwankungen, die das Wirtschaften kaum noch kalkulierbar machen. Der Druck auf die Bauern ist enorm.“ Gerade in puncto Grünflächen seien die Bauern in der Region stark auf den Wiederkäuer eingeschränkt. Geben die Milchbetriebe auf, gehe auch die so wichtige Landschaftspflege verloren. „Viele Jungbauern haben keine Perspektive mehr. Der Protest heute zeigt die großen Sorgen innerhalb der Bauernschaft generell: Nicht nur Milchbauern aus ganz Steyr-Land sind heute gekommen, sondern auch Landwirte aus anderen Bereichen.“

Stagnierende Preise

Der Preis für die Bauern sei seit über 20 Jahren fast gleich, und das bei gesteigerten Auflagen und entsprechend steigender Qualität, so der Bauernbund. Bezahlen würden dafür seit langem die Bauern. „Die aktuell positive Preisentwicklung in Teilen der Landwirtschaft kann mehr als zehn Jahre stagnierende oder sinkende Einkommen nicht kompensieren“, erklärt Hiegelsberger, „rund 150.000 bäuerliche Betriebe stehen wenigen Handelsriesen gegenüber. Die Erzeugerpreise stagnieren oder sinken, während Spar in einem Jahr 352 Mio. Euro Gewinn verzeichnet. Dieses Ungleichgewicht ist für die Bauern ruinös“, so der Bauernbundobmann.

Klimawandel

Hiegelsberger betont weiter, den Landwirten komme gerade auch bei der Bewältigung des Klimawandels eine bedeutende Rolle zu. „Die heimische Landwirtschaft ist Teil der Lösung und nicht das Problem. Das muss auch der Handel erkennen und honorieren. Stattdessen kommt zusätzlich noch ein enormer Preisdruck von der Abnehmerseite dazu. Da Gespräche nichts gebracht haben, müssen wir zu entsprechenden Maßnahmen greifen, um die Menschen aufzuklären.“ An Mitarbeiter und Konsumenten wurden daher auch in Ternberg Informationen verteilt, die auf die Einkommenssituation auf den Höfen aufmerksam machen wollen.

Rot-weiß-rote Fähnchen

Ebenfalls eine Forderung der Bauern: „das Aus für rot-weiß-rote Fähnchen auf Lebensmitteln aus dem Ausland. Wir brauchen eine praxistaugliche Umsetzung der Primärzutatendurchführungsverordnung in Österreich. Es darf nur Österreich draufstehen, wo Österreich drinnen ist – alles andere ist Konsumententäuschung“, so der Bauernbund.

Spar verhandelt mit Molkereien

Von der Spar-Zentrale heißt es zu den Bauernprotesten, dass „Preiserhöhungen alleine die Lage der Bauern nicht wesentlich verbessern werden. Es geht um ein großes strukturelles Problem innerhalb der Landwirtschaft, das eigentlich die Politik lösen sollte.“ Spar als Handelsunternehmen sieht es als Aufgabe, sowohl für die Molkereien – und damit indirekt für die Bauern -, als auch für die Konsumenten einen angemessenen Preis zu verhandeln. Das geschieht derzeit. „Leider hat sich in der Bauernschaft das falsche Gerücht verbreitet, dass die Preisgespräche abgebrochen worden seien. Das ist falsch. Richtig ist, dass Spar nach wie vor in Verhandlungen mit den Molkereien ist. Wir sind sicher, dass wir diese Verhandlungen mit den Molkereien auch zu einem positiven Abschluss bringen werden“, heißt es von Spar.

Starkes Bekenntnis zu heimischer Qualität

Für bestimmte Qualitätsprodukte, wie Heumilch, Wiesenmilch oder Bio-Bergbauernmilch gebe es ohnehin bereits freiwillige Zuschläge. „Spar ist seit Jahrzehnten ein sehr guter Partner der Landwirtschaft und hat sich in vielen Bereichen sogar freiwillig zu heimischer Qualität verpflichtet. Ein derartig starkes Bekenntnis des Handels gegenüber den heimischen Bauern gibt es in ganz Europa nirgends in dieser Form.“

Preisaktionen nicht zulasten der Landwirte

Zu den Preisaktionen sagt Spar, dass der Spannenverlust zum größten Teil von Spar selbst getragen wird. „Zudem helfen Aktionen den landwirtschaftlichen Erzeugern, den Absatz ihrer Markenprodukte zu erhöhen und Mehr- und Überproduktionen an die Kunden zu bringen.“

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