Interview mit "The Lettners"
Seit zwei Jahren touren Gitarrist und Sänger „Sweethard“ und Mundharmonika-Spieler „Honeyboy“ als Blues-Band „The Lettners“ durch die Lande. Beim Bluesharp-Festival am 11. und 12. März in der Spinnerei sind sie einer der Hauptacts. Tips-Redakteur Thomas Lettner (nicht verwandt oder verschwägert) traf „The Lettners“ zum Interview.

Tips: Seit wann musiziert ihr miteinander?
Honeyboy: Wir musizieren als „The Lettners“ seit zwei Jahren. Ich war vorher in einer größeren Blues-Band, das hat aber nicht so gut funktioniert, weil sich nicht die richtigen Leute gefunden haben. Ich habe einmal eine Probe gehabt mit der Blues-Band, bei der ist der Tom (Sweethard) reinspaziert in den Proberaum. Er hat eine Nummer gesungen, da habe ich gewusst, irgendwann mache ich mit ihm was. Das hat zwar sechs Jahre gebraucht, aber dann haben wir „The Lettners“ gegründet.
Sweethard: Kennen tun wir uns schon immer.
Tips: Macht ihr Blues schon seit eurer Kindheit?
Honeyboy: Kindheit ist übertrieben, aber Musik mache ich schon seit 16 Jahren. Plus zehn Jahre auf der Bühne „herummo´ln“ (herumlungern), also 25 Jahre kann man sagen. 15 Jahre ernsthaft sozusagen.
Sweethard: Das macht man e sein ganzes Leben. Kommt darauf an, wie weit man geht bei diversen Geschichten.
Tips: Wie kommt es zum Namen „The Lettners“?
Sweethard: Wir wollten uns eigentlich ein bisschen selber auf die Schaufel nehmen. Da gibt es ja diese Leute, die die amerikanische und englischsprachige Musik spielen wollen, weil es einfach das Ultimative ist. Da kommt es immer zu schweren Aussetzern. Vor allem wenn manche „The Rolling Stones“ mit TEH schreiben oder so weil sie sich einfach nicht auskennen oder überhaupt nicht Englisch können. Bei uns war der Ansatz, dass man das ein bisschen mit lächelndem Auge macht, dass wir da ein bisschen herumblödeln und uns selber auf die Schippe nehmen. Da haben wir gesagt wir nehmen den Artikel „The“ und dann etwas total „Bochenes“ (Gebackenes), was überhaupt nicht mit der englischen Sprache zusammenpasst, dass das ein wenig arbeitet. Ursprünglich waren ein paar Sachen im Raum, statt die „Bochenen“ „The Bacons“, obwohl das eigentlich e nicht die Bochenen heißt. Es klingt auf jeden Fall gut, hat es aber leider schon gegeben. Das nächste war „The Leckers“, das war uns aber zu obszön. Dann waren wir bei „The Lettners“, die „Lette“ ist ja wenn man zum Beispiel in einem „Gatsch“ (Dreck) marschiert oder so, kennst du das?
Lettner (Tips): Ja sicher, wenn man eine „Lettn“ (Vogel) hat oder so.
Sweethard: Genau. Von dem her hat das ein bisschen zu dem Stil gepasst, dass wir eben ein bisschen dreckig unterwegs sind bei dem was wir machen. Dann sind wir dabei geblieben.
Tips: Also ihr wolltet keinen sekkieren, der wirklich Lettner heißt?
Honeyboy: An das haben wir gar nicht gedacht. Wir sind erst danach draufgekommen, dass wie auch du Lettner heißt, dass es sehr viele Lettners gibt da in der Gegend. Aber ich kenne keinen.
Sweethard: Ich kenne auch keinen.
Honeyboy: Wir sind wirklich schon ein paar Mal angeredet worden, ob wir wirklich so heißen.
Sweethard: Ich finde einfach in erster Linie, dass einfach der Groove von dem gut klingt. „The Lettners“, das passt irgendwie einfach nicht zusammen. Das ist griffig, das sind nicht einfach zwei englische Wörter. Das merkt sich keiner. Aber „The Lettners“ das ist irgendwie eigenartig, das ist irgendwie unrund, das eckt an und geht irgendwie „eini“ (hinein).
Honeyboy: Das ist auch so wie die Musik die wir machen - einfach eine kantige Musik, sie ist nicht sperrig, sondern fließt schon. Aber Blues hat auch Rock´n Roll-Nummern und einfach etwas Kantiges.
Sweethard: Wir wollten nicht einfach etwas haben, was „The Roads“ heißt oder „The Flaming Lips“ oder so.
Tips: Ihr bezeichnet eure Musik als „American JimBummMusic“. Wie kommt es zu der Bezeichnung?
Honeyboy: Das ist eine eigene Wortschöpfung. Die Musik, die wir spielen, hieße eigentlich „Americana“. Das wäre das Genre. Es impliziert die Mischung aus Folk, Blues, Rock, Rock´n Roll und Country aber das war für uns auch zu „ungriffig“ (ungenau, unpassend). Wir kommen ja aus Österreich und da hat es früher auch oft geheißen, der Großvater und der Vater, also mein Vater jetzt weniger weil von dem habe ich ja das Ganze, aber mein Großvater hat gesagt: „Jetzt heat´s auf endlich mit der Jim Bumm-Musi“. Wegen dem haben wir uns gedacht, das passt eigentlich ganz gut, das war was sie eben damals gesagt haben in den 50ern über die Musik, nicht?
Sweethard: Aus einer Blödlerei heraus da fällt dir sowas ein und du denkst dir, du brauchst e einen Slogan.
Honeyboy: Du brauchst irgendeinen Namen, auch wenn viele Leute sagen, es soll kein Schubladendenken in der Musik geben. Aber man will etwas verkaufen, da kann ich nicht dastehen und unsere Musik als Soul, Rock, Pop und Rock´n Roll gleichzeitig bezeichnen.
Sweethard: Eben. Deswegen auch das Logo im 50er Jahre Stil, die alten Anzüge, damit das einfach ein Konzept hat.
Honeyboy: Wir sind auch keine Blues-Band. Ich komme zu 100 Prozent aus dem Blues und es für mich die wichtigste Musik. Aber ich kann jetzt nicht sagen, dass wir bei „The Lettners“ eine Blues-Band sind, weil ich mich da selber anlügen würde. Aber ich hab auch kein Problem damit. Das ist ja das Spannende.
Sweethard: Es ist sehr viel eigenes da drin. Wir spielen ja nichts eins zu eins nach, sondern wir greifen einfach Nummern auf, die wir einfach „gspian“ (spüren), und zu zweit machen wir unsere eigene Version draus. Teilweise wäre das Nachspielen ja ein Problem, weil wir nur eine Gitarre, Gesang und eine Bluesharp haben. Deswegen dauern die Nummern auch nur zwei Minuten bei uns.
Honeyboy: Das ist so die klassische Single-Laufzeit, das was eben auf eine Single-Seite raufgepasst hat mit maximal 2 Minuten 50 Sekunden oder so.
Sweethard: Aber wir sind nicht die klassische Coverband, sondern wir interpretieren, was uns „taugt“ (gefällt).
Honeyboy: Es gibt sehr viel extrem spannendes Material aus den 30er, 40er, 50er Jahren. Das war einfach die „Hochzeit“. Es gibt so viele Songperlen, die man da ausgraben kann, das taugt uns ganz einfach. Wir kaufen uns wieder einmal eine Schallplatte und entdecken wieder eine Nummer. Ich habe auch durch den Tom extrem viele Sachen entdeckt, die ich vorher gar nicht gehört habe. Rock´n Roll-Sachen haben mich vorher nicht so wirklich interessiert oder Country. Ich habe für mich selbst coole Musik entdeckt, die wieder einmal gespielt gehört. Das macht es auch spannend. Wir suchen Lieder, die uns gefallen, aus dieser Zeit.
Sweethard: Das ist jetzt natürlich hundert und eins. Vor zwanzig Jahren habe ich mir meine Sachen noch rausgehorcht von der Kassette. Aber jetzt mit dem Internet kommst du vom Hundertsten ins Tausendste. Wenn du dich für Dinge interessierst ist das das Schlaraffenland.
Tips: Was covert ihr eigentlich so?
Sweethard: Jim Bumm Music.
Honeyboy: Ja, so kann man es sagen. Um ein paar Interpreten zu nennen, die uns mitbegleiten: J. B. Lenoir, ein großartiger Blues-Musiker, Jerry Lee Lewis, Hank Williams taucht auch immer wieder einmal auf.
Sweethard: Elvis Presley.
Honeyboy: Da kommt man auch nicht vorbei. Muddy Waters. Wie heißt der „Blade“ (Dicke)?
Sweethard: Willie Dixon.
Honeyboy: Ja, der Willie Dixon, das ist auch eine ganz wichtige Person. Und wie gesagt, wir schreiben keine eigenen Nummern, dafür haben wir e unsere anderen Bands. Das Nummern-Schreiben ist nicht das Konzept von „The Lettners“. Da geht´s darum, dem Publikum die alte Musik um die Ohren zu „schmeißen“ mit 120 Prozent. Halb Gas gibt es bei uns nicht, auch wenn wir schlecht drauf sind.
Sweethard: Ja, man muss schwer arbeiten, wenn man nur zu zweit ist.
Honeyboy: Wenn wir nicht schwitzen, war es kein guter Gig, das ist so.
Sweethard: Das ist Standard.
Tips: Habt ihr schon Alben herausgebracht?
Honeyboy: Ja, eigentlich schon.
Sweethard: Jetzt gerade haben wir eine CD rausgebracht gemeinsam mit dem Michael Friedrich Trio.
Honeyboy: Vor zwei Jahren war das. Sie heißt “American JimBummMusic“. Die CD, die wir jetzt gemacht haben, heißt „Life, Love and the devil“. Da haben wir Songs über die Liebe, den Teufel und das Leben drauf. Mit einer Eigenkomposition sogar, dem „JimBumm-Jam“.
Sweethard: Nur instrumental.
Honeyboy: Spontan entstanden.
Tips: Seid ihr recht viel in Österreich unterwegs?
Honeyboy: Momentan ausschließlich. Es ist halt so.
Sweethard: Aber auch regional nur. Das weiteste war im Burgenland einmal und ein paar Mal Wien. Aber ansonsten sind wir in Oberösterreich unterwegs.
Honeyboy: Wir haben letztes Jahr gute Gigs gehabt und auch sehr viele. Das Pflasterspektakel Linz war super. Da sind wir sehr gut angekommen, was mich gewundert hat, weil von uns keiner jonglieren kann. Es hat extrem Spaß gemacht. Das Bluesharp-Festival in Traun hätten wir letztes Jahr schon gespielt, da war aber leider der Sweethard krank. Im „Troadkostn“ (Getreidespeicher) in Gallneukirchen waren wir auch schon und jetzt eben beim Bluesharp-Festival.
Tips: Ist das eine Art Auszeichnung, wenn man zum Bluesharp-Festival eingeladen wird?
Honeyboy: Na ja, eingeladen ist relativ. Ich bin ja Mitorganisator. Wenn ich es nicht wäre auf jeden Fall. Wir kriegen sehr viel Anfragen von sehr professionellen Bluesharp-Spielern und Musikern. Das ist sehr hart. Es können jedes Jahr nur sechs Bands spielen, dreißig haben wir sicher schon absagen müssen. Wir haben internationale Bands, von Amerika bis England – ein breitgefächertes, interessantes Programm nicht nur für Mundharmonika-Fans, sondern wer Blues mag, der muss einfach kommen. So etwas gibt es in der Region gar nicht, und die Spinnerei ist gleich darauf angesprungen. Linz ist ja bis auf die Arbeiterkammer ziemlich tot was den Blues betrifft. Es gibt auch fast nichts Gescheites zum Spielen, außer du spielst um ein feuchtes Taschentuch und ein Bier, das du dir dann vielleicht selber bezahlen musst. Das interessiert uns original nicht.
Sweethard: Das Konzept ist einfach ein Hammer beim Bluesharp-Festival. Es gibt Platten und Workshops und so. Wenn dir die Musik taugt ist das einfach ein Hammer.
Honeyboy: Man trifft Leute wie Paul Lamb, der schon mit Mark Knopfer gespielt hat. Der macht auch einen Workshop.
Tips: Habt ihr noch eine andere Band?
Sweethard: Ich mache noch Lieder auf Mundart, das ist aber ein anderes Kapitel. Das steckt noch in den Kinderschuhen.
Lettner (Tips): Bist du öfters überfordert, weil du mit den „Roosevelt Houserockers“ noch eine andere Band hast?
Honeyboy: Nein, das war letztes Jahr ziemlich stressig, weil ich Nachwuchs bekommen habe. Ich habe mir früher gedacht, drei Bands passen, mittlerweile reichen mir zwei Bands. Mit dem Kind ist es jetzt sowieso nicht mehr gegangen. Ich spiele ja Schlagzeug und Mundharmonika, ich kann aber nicht in beiden Bands beides spielen. Deswegen brauche ich das, dass ich bei den Houserockers Schlagzeug spiele. Mir ist das genauso wichtig wie das Mundharmonikaspielen. Aber überfordert bin ich nicht, wir spielen ja nicht hundert Mal im Jahr.
Tips: Könnt ihr von der Musik leben?
Sweethard: Nein.
Honeyboy: Ich glaube da machen wir die falsche Musik. Es gibt in Österreich zwar manche, die vom Blues leben, aber das sind nur eine Hand voll. Wir sind ja keine reine Blues-Band, da kommen wir e noch später drauf zu sprechen, was wir machen. Aber generell in dem Genre, wenn man nicht Pop macht und das vermischt zu so elendigem 0815 Kommerz-Blues-Pop-Rock hast du wenig Chance eigentlich. Das wollen wir auch nicht machen. Wir wollen auch die Ecken und Kanten. Das ist auch das Spannende an Musik. Wenn das vor 50 Jahren schon so gewesen wäre wie die heutigen Blues-Bands sind, wäre die Musik nie entstanden.
Sweethard: Ich glaube auch, dass es von der Energie her ein Vorteil ist, wenn man etwas als Hobby macht und aus Leidenschaft und ohne irgendeinen finanziellen Druck dahinter. Ich schlafe einfach gut, weil ich arbeiten gehe und freue mich dann auf meine Musik.
Honeyboy: Der richtige Blues-Man ist arbeiten gegangen und am Abend dann hat er gespielt. Nur dass wir halt nicht im Schlachthof arbeiten oder bei der Müllabfuhr. Kranfahrer ist auch keiner, aber im Endeffekt wäre das der Weg.
Tips: Macht ihr beim Bluesharp-Festival auch Workshops?
Honeyboy: Nein, ich bin nur dort als Organisator und zum Spielen. Ich wüsste nicht, wie ich das Anstellen soll. Ich blase einfach hinein. Ich lass mich da immer leiten von mir selber, ich könnte das keinem erklären. Ich kann jemandem ein paar Tipps geben, aber wirklich auskennen wird sich der dann nicht.
Sweethard: Das muss man auch können, das Ganze zu bündeln und Alles zu vermitteln, da musst du echt der Typ dazu sein. Ich bin das auch nicht. Wir spielen sehr intuitiv, weil wir nicht die großen Techniker sind.
Honeyboy: Wir schreiben uns keine großen Abläufe oder Noten heraus. Ich kann sowieso keine Noten lesen, der Sweethard schon zum Glück.
Sweethard: Wir sind vom Stil her nicht die gelernten Musiker, wir spielen intuitiv.
Honeyboy: Das brauchst du bei der Musik auch nicht. Der Blues muss dir gefallen, du musst ihn von innen spüren. Einen Blues-Musiker, der sich die Noten herausnotiert, den kannst du von vornherein „stanzen“ (beiseitelassen, missachten).
Sweethard: Das sollte überall so sein. Es gibt ja wirklich Sachen, da merkt man, dass er es vom Blatt herunter spielt.
Honeyboy: Das klingt „gschissn“ (schlecht). Ein richtig guter „Blueser“ hat das einfach. Muddy Waters hat geprobt wie er im 55er Jahr nach Chicago gekommen ist. Dann hat er quasi bis 1982 nicht mehr geprobt. Der hat einfach 200 Mal im Jahr gespielt. Das tut man einfach nicht, das ist unanständig, wenn man sich drei Mal in der Woche zusammensetzt und einen „Shuffle“ (ternärer Rhythmus, der vor allem im Blues und Jazz Anwendung findet) spielt. Das kann man oder kann man nicht. Ich könnte auch nicht mit einer Jazz-Band mithalten, weil ich es technisch nicht kann, auch wenn mir die Musik gefällt. Dafür gibt es Jazzer, die keinen Blues spielen können, obwohl das eine ganz simple Musik ist. Die können auch keinen Shuffle spielen am Schlagzeug oder einen stinknormalen Slow-Blues, da fehlt ihnen das Feeling dafür. Da sind schon die besten Leute gescheitert.
Sweethard: Es gibt auch oft einfache Dinge, die verkompliziert werden. Beim Blues ist es halt extrem.
Honeyboy: Da merkst du wirklich, wer dafür lebt und wer sagt: „Ich spiele jetzt Blues“, aber 37 Effektpedale eingesteckt hat und auf einem Notenständer Noten abliest. Das kannst du „wuchten“ (darauf verzichten, missachten), das geht gar nicht.
Sweethard: Das ist ein Aspekt, der das Ganze spannend hält. Man experimentiert e immer. Es ist sehr wichtig, dass wir uns nichts einlernen, sondern im Endeffekt spielen wir jede Nummer immer wieder anders. Das ist ganz wichtig bei dem was wir machen. Wir versuchen immer spontan zu sein und aus dem Moment heraus zu musizieren. Wir hauen kein Konzept runter, sondern machen einfach Musik. Das macht uns auch Spaß und da ergänzen wir uns gut. Es macht immer noch so viel Spaß wie am Anfang.


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