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OÖ. Der scheidende Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) im großen Abschiedsinterview mit TIPS kurz vor seiner Amtsübergabe an Thomas Stelzer am 6. April.

LH Josef Pühringer
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von Chefredakteur JOSEF GRUBER

und ELISABETH ZEILINGER

Tips: Wie geht es Ihnen jetzt so kurz vor der Amtsübergabe - überwiegt noch der Stress oder sind Sie innerlich schon im „Ruhemodus“?

Josef Pühringer: Im Ruhemodus bin ich noch nicht – der beginnt erst am 7. April, dann gehe ich gleich auf Kur, um eine gewisse Zäsur zu haben. Ich habe auch schon erste Vertretungen von Thomas Stelzer übernommen – so wie Josef Ratzenböck (Landeshauptmann a.D.) mich immer unterstützt hat. Ich werde ihm aber ganz sicher nicht ins Ruder greifen oder irgendeiner „Muppet Show“ angehören, die sich als Besserwisser betätigt, das habe ich nicht vor.

Tips: Was ist jetzt noch zu tun?

Pühringer: Jetzt habe ich noch viele Termine und Projekte abzuschließen, viele Delegationen kommen zu einem Abschiedsbesuch und ich bin noch viel im gesamten Bundesland unterwegs. Ziemlich weit bin ich schon beim Ausräumen meines Büros und habe natürlich viele Übergabegespräche mit Thomas Stelzer. Ich muss noch die ausständigen großen Reden vorbereiten. Meine letzte Handlung als Landeshauptmann wird übrigens eine Eröffnung der Ausstellung für Professor Anton Lutz, einer der bedeutendsten österreichischen Künstler (Großvater von WK-Präsident Christoph Leitl) am 5. April – einige Stunden, bevor ich dann um Mitternacht Landeshauptmann außer Dienst sein werde.

Tips: Was wird nach der Amtsübergabe an Thomas Stelzer passieren?

Pühringer: Nach der Kur werde ich am 13. Juni die Funktion des Seniorenbund-Obmannes übernehmen – mit fast 500 Ortsgruppen eine schöne Aufgabe. Darüber hinaus werde ich in der Zivilgesellschaft auch eine Reihe von Funktionen wahrnehmen und neue dazubekommen. Da bekomme ich schon jetzt fast täglich neue Angebote dafür. Ich werde also sicher nicht unterbeschäftigt sein. Aber ich werde mir natürlich mehr Zeit für meine Familie und Freunde nehmen und für meine Hobbys, die zu kurz gekommen sind, wie Wandern, Bergsteigen, Saunieren, Lesen, Radfahren, Laufen, usw.

Tips: Das heißt, ihr Tag wird mehr als 24 Stunden brauchen, damit sich das alles ausgeht?

Pühringer: Das glaube ich nicht, denn eines ist ganz sicher: Ich werde auch mehr schlafen.

Tips: Haben Sie auch skurrile Angebote bekommen?

Pühringer: Nein, skurrile Angebote waren nicht dabei, aber schon welche, die ich nicht annehmen werde. Ich sammle diese jetzt erst einmal und entscheide nach meiner Kur. Fix ist schon jetzt, dass ich mich vor allem im Sozial- bzw. Entwicklungshilfebereich bei den Senioren engagieren werde.

Tips: Welche Aktivitäten planen Sie in ihrer Heimatstadt Traun?

Pühringer: Ich werde mich als aktiver Bürger in Gemeinde und Pfarre betätigen, habe aber nicht vor, dort große Funktionen zu übernehmen, denn die Zeit der Funktionen ist für mich im Wesentlichen vorbei, sieht man vom Seniorenbund ab. Traun ist meine Heimatstadt seit ich auf dieser Welt bin und das wird sie auch immer bleiben. Ich bin Ehrenbürger und überzeugter Trauner. Der Bezirk Linz-Land ist mein Heimatbezirk, wo ich in der Zeit als Mandatar viel unterwegs war. Besonders stolz bin ich in Traun natürlich auf die Restaurierung des Schlosses und das wir eine Mittelschule bekommen haben, das war am Anfang meiner politischen Tätigkeit. Und natürlich auf die Straßenbahn, die wir mit großem Erfolg jetzt in Betrieb haben.

Tips: Das heißt, Sie bleiben der Stadt Traun als Bewohner treu?

Pühringer: Ich bin ein Trauner und werde das auch immer bleiben. Und dann bin ich noch in St. Lorenz am Mondsee im Sommer vertreten. Aber ich bin überall in Oberösterreich unterwegs, denn ich bin ein überzeugter Oberösterreicher.

Tips: Woher haben Sie in Vergangenheit die Kraft und Energie für Ihre Arbeit genommen?

Pühringer: Ich habe die Funktion des Landeshauptmanns mit Begeisterung ausgeübt. Ich bin freiwillig in die Politik gegangen und da weiß man, was auf einen zukommt. Gott sei Dank bin ich mit Energie gut ausgestattet. Die eigene Familie, viele Freunde und kleine Erfolgserlebnisse mit Menschen, denen ich aus einer Notsituation helfen konnte, geben mir Kraft. Viele Menschen haben mit mehr Optimismus mein Büro verlassen, als sie es betreten haben.

Tips: Wäre der Weg nicht in die Politik gegangen ­ wohin wäre er sonst gegangen?

Pühringer: Mein Berufswunsch hat sich mehrmals geändert. Als kleiner Bub wollte ich Briefträger werden, weil wir einen sehr freundlichen Briefträger hatten. Dann war mein Ziel, Priester zu werden, darum bin ich im Petrinum in Linz zur Schule gegangen. Dann habe ich überlegt, entweder Germanistik, Psychologie oder Jus zu studieren. Dabei hat sich schon ein wenig die politische Tätigkeit angebahnt da ich schon in der katholischen Jungschar tätig war und danach in der Jungen ÖVP. Mein Vater war Stadtparteiobmann in Traun, so habe ich schon in der Kindheit die Politik in der unmittelbarsten Umgebung gehabt und daher habe ich Jus studiert. Davor war ich noch sechs Jahre Religionslehrer – ein Beruf der mich sehr erfüllt hat und mir viel gegeben hat, allein der unmittelbare Kontakt mit jungen Leuten. Ich wäre sicher kein schlechter Lehrer geworden. Wie man sieht, hätte mich viel interessiert, aber ich bereue nicht, Politiker geworden zu sein.

Tips: Wenn Sie auf die letzten 22 Jahre zurückblicken – bei welcher Leistung kommt der größte Stolz bzw. die größte Zufriedenheit hoch?

Pühringer: Eine Leistung ist immer eine Gemeinschaftsleistung. Politik ist nie eine One-Man-Show. Monsterprojekte wie etwa die Medizinfakultät, das Linzer Musiktheater, die Phyrnautobahn, das Kraftwerk Lambach oder die Müllverbrennung in Wels haben wir gemeinsam geschafft durch das Ziehen an einem Strang. Natürlich bin ich auf die Medizinfakultät besonders stolz, weil sie eine Langzeitwirkung im positiven Sinn für Oberösterreich haben wird. Aber auch die kleinen Erfolge, wo man Menschen helfen kann, geben einen Kraft, nicht nur die großen Projekte. Klar ist, bei solch großen Projekten brauchst du einen langen Atem, da darfst du nicht beim ersten Gegenwind wandeln.

Tips: Welcher Kelch hätte lieber vorüberziehen sollen?

Pühringer: Da gab es eine ganze Menge, z.B. das erste Scheitern beim Musiktheater – die Volksbefragung dazu, die danebengegangen ist. Bei der Spitalsreform, die ich für alternativlos halte und unheimlich wichtig ist, weil wir uns sonst viel nicht leisten könnten im Land. Hier hätte ich wahrscheinlich eine Spur langsamer vorgehen sollen und etwas mehr Informationsarbeit leisten sollen. Im Nachhinein ist man immer gescheiter und fehlerlos ist niemand auf Gottes weiter Erde.

Tips: Wenn man das Rad der Zeit zurückdrehen könnte, was würden Sie anders machen?

Pühringer: Ich würde manches strategisch anders anlegen, z.B. wie bei der Spitalsreform die Informationstätigkeit ausweiten. Manches würde ich bei der Schwerpunktsetzung verändern, aber ich glaube im Wesentlichen haben die Projekte gestimmt und im Wesentlichen werden sie für die Zukunft unseres Landes wichtig und gut sein. Stellen Sie sich das Kremstal ohne Phyrnautobahn vor. Wenn wir damals den Gegnern nachgegeben hätten – das wäre heute für die Region eine glatte Katastrophe.

Tips: Was war für Sie die größte Geduldsprobe in Ihrer Laufbahn?

Pühringer: Das war, wann irgendwo blockiert worden ist und nichts weitergegangen ist. Ich wollte schon am Ziel sein und es mussten noch Sonderrunden eingelegt werden, Verhandlungsgespräche – obwohl ich schon gesehen habe, wie die Dinge ausgehen. Da sind meine Nerven manchmal etwas angespannter gewesen, da konnte ich auch zum berühmten „Bitzler“ werden. Wenn ich gesehen habe, da wird nur blockiert, weil man einem den Erfolg nicht gönnt oder etwas hinauszögern will, was jedoch sinnlos war, dann habe ich schon ärgerlich werden können.

Tips: Gibt es irgendwas, was Sie nie wieder über sich lesen wollen?

Pühringer:(überlegt lange)…ich lebe gut damit, dass über mich in Zukunft deutlich weniger in den Medien stehen wird.

Tips: Gibt es etwas wofür Sie noch immer auf die Barrikaden steigen?

Pühringer: Für Oberösterreich! Selbstverständlich, dort wo ich Beiträge leisten kann, denn dieses Land und seine Menschen verdienen einfach, dass man sich dafür engagiert. Außerdem werde ich noch weiter gegen Ungerechtigkeit ankämpfen, dort wo ich Möglichkeiten dazu habe. Und natürlich werde ich letztlich für meine Familie mit ganzer Kraft eintreten.

Tips: Wie sorgenvoll ist ihr Blick in die Zukunft hinsichtlich der Weltpolitik?

Pühringer: Persönlich schaue ich optimistisch in die Zukunft, da ich von Haus aus ein Optimist bin. Privat, weil ich meine Familie habe. Im Bezug auf das Weltgeschehen machen mir natürlich auch einige Entwicklungen Sorge, etwa Donald Trump und der steigende Populismus. Aber ich bin überzeugt, wenn es meiner Weltanschauung, der christdemokratischen der ÖVP, gelingt, glaubwürdig die politische Mitte zu besetzen, dann werden wir auch keine Angst vor der Zukunft haben brauchen. Angst ist übrigens ein schlechter Wegbegleiter. Zuversicht, Mut, Gottesvertrauen, das sind die Zutaten die man für ein erfolgreiches Leben braucht.

Tips: Wenn man fünf Jahre nach vorne blickt – wo wird Oberösterreich stehen und wo werden Sie stehen?

Pühringer: Ich werde hoffentlich ein erfolgreicher Obmann des Seniorenbundes und hoffentlich in die Zivilgesellschaft gut integriert sein sowie gesund und glücklich mit meiner Familie. Oberösterreich wird hoffentlich im Konzert der europäischen Regionen einen guten Platz einnehmen und einen Großteil der Digitalisierung hinter sich haben und hoffentlich nahe der Vollbeschäftigung sein und wir alle hoffen, dass wir in Frieden leben können.

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